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Flüchtlinge auf dem Weg in einer Sammelunterkunft. (Symbolbild)

Zuwanderung

Flüchtlinge in Hessen vor Abzocke geschützt

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Die hessische Verbraucherzentrale klärt immer häufiger auf – auch in Sammelunterkünften.

Flüchtlinge sind besonders gefährdet, abgezockt zu werden. Ob es um Handy-Vertragsbedingungen, Auslandsüberweisungen oder Mietverträge geht: Oft kennen sich die geflüchteten Menschen nicht mit den Regeln aus oder verstehen sie nicht, weil ihre Deutschkenntnisse nicht ausreichen.

Die Verbraucherzentrale Hessen hilft seit 2016 mit gezielten Schulungen, Informationen und Musterbriefen weiter. Sowohl bei Flüchtlingen als auch bei ihren Helferinnen und Helfern sei „die Nachfrage enorm gestiegen“, berichtet die für Verbraucherschutz zuständige Umweltministerin Priska Hinz (Grüne).

Im Jahr 2018 hätten 8600 Geflüchtete Informationen im Rahmen des Projekts „Verbraucherkompetenz für Flüchtlinge“ nachgefragt, antwortete Hinz jetzt auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Vanessa Gronemann. Das seien rund 60 Prozent mehr als im Jahr davor.

„Besonders gefragt waren Information und Beratung zu den Themen Rechnungsstellung und Inkasso“, teilte Ministerin Hinz mit. Auch „untergeschobene Verträge“ hätten eine große Rolle gespielt. Die Beratung sei oft komplex. „Viele Ratsuchende haben mehr als nur ein Problem.“

Zudem seien 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Ehrenamtliche geschult worden. „Diese Helferinnen und Helfer sind oft die ersten Ansprechpartner für Flüchtlinge“, stellt Hinz fest. Daher sei es sinnvoll, sie in Fragen des Verbraucherschutzes zu unterweisen.

Verbraucherzentrale Hessen: Angebote in zwölf Sprachen

Die Verbraucherzentrale Hessen und der Verband DHB – Netzwerk Haushalt, der bis 2009 den Namen Deutscher Hausfrauen-Bund führte, laden Flüchtlinge zu Beratungstagen ein. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verbände gehen aber auch in Erstaufnahmeeinrichtungen, in Sammelunterkünfte und Gemeindehäuser. Im vergangenen Jahr gab es nach Aussage von Ministerin Hinz mehr als 500 solcher Veranstaltungen in Hessen. Zu den Themen der Verbraucherzentrale gehört auch die Frage, ob Speisen und Getränke „halal“ sind, also keine Bestandteile von Schweinen enthalten.

Das Land hat die Beratung seit 2016 mit 432 000 Euro unterstützt, wie Hinz berichtet. Angebote gebe es in zwölf Sprachen, darunter Englisch, Arabisch, Russisch und Farsi. Das in Hessen gestartete Projekt habe „weit über unser Bundesland Maßstäbe gesetzt und Nachahmer gefunden“, fügte die Ministerin hinzu.

Etliche der Musterbriefe, die im Internet abrufbar sind, sind nicht nur für Flüchtlinge von Interesse. Da wird etwa formuliert, wie man reagieren kann, wenn unberechtigte Rechnungen eintreffen. In der vorgeschlagenen Antwort heißt es: „Ich bin mir sicher, nichts gekauft oder bestellt zu haben. Wenn jemand etwas kauft oder bestellt, muss es eine Bestellung und eine Rechnung geben. Bitte schicken Sie mir eine Kopie dieser Unterlagen zu.“

Informationen finden sich unter www.verbraucherzentrale-hessen.de/ fluechtlingshilfe-he im Internet. Dort lassen sich Termine vereinbaren für persönliche oder telefonische Beratung. Musterbriefe finden sich ebenfalls auf dieser Homepage. Sie helfen etwa, um auf Inkassoforderungen zu reagieren oder um Widerspruch gegen eine Heizkostenrechnung einzulegen.

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