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Brigitte Rodriguez ist Leiterin des neuen Eigenbetriebs Kindertagesstätten Hanau.

INTERVIEW

Flexible Qualität

Seit 1981 hat Hanau einen qualitativen Kita-Entwicklungsplan. Über die Vorteile berichtet Brigitte Rodriguez, die Leiterin des neuen Eigenbetriebs Kindertagesstätten Hanau.

Frankfurter Rundschau: Seit 1981 hat Hanau einen qualitativen Kita-Entwicklungsplan. Was unterscheidet ihn von einem herkömmlichen?

Brigitte Rodriguez: Neben der quantitativen Planung gibt es fachliche Entwicklungslinien. Zum Beispiel, dass Familienarbeit als zweites Standbein Auftrag für die Kindertagesstätten ist. Es finden regelmäßig Entwicklungsgespräche mit Eltern statt, um die Entwicklung eines Kindes optimal zu begleiten und zu fördern. Elternhaus und Kita sind eng miteinander vernetzt; wir sprechen von einer Erziehungspartnerschaft und arbeiten eng mit den Elternvertretungen und dem Stadtelternbeirat zusammen.

Wie sichern Sie ein durchgängiges Qualitätsniveau in allen 25 Kitas?

Zum einen haben wir ein übergreifendes Ausbildungssystem für Berufspraktikanten. Den 25 bis 30 angehenden Erzieherinnen und Erziehern, die wir jährlich ausbilden, bieten wir zur Fachschulausbildung neun Ausbildungstage. Außerdem haben wir ein Coachingprogramm für Leitungs- kräfte und ein differenziertes Fortbildungsprogramm mit externen Referenten. So werden durchschnittlich 180 Erzieherinnen jährlich zwei bis drei Tage geschult. Und wir bieten Unterstützung in Fachfragen durch ein Paten-Psychologen-System an.

Qualität kostet Geld. Sie liegen mit 179 Euro für einen Ganztagsplatz im Mittelfeld. Wie schaffen Sie das?

Die politischen Entscheidungsträger in Hanau setzen seit vielen Jahren auf die Zukunft der Kindertagesstätten und setzen gezielt die dazu erforderlichen Haushaltsmittel ein.

Seit Januar sind die Kitas ein Eigenbetrieb. Bedeutet das, dass Sie Qualität billiger organisieren sollen und Erzieherinnen nicht mehr nach BAT bezahlt werden.

Ein Eigenbetrieb ist ein Amt mit Sondervermögen, keine eigene Rechtspersönlichkeit. Die Erzieherinnen bleiben im BAT und sind weiterhin den städtischen Mitarbeitern gleichgestellt. Die Überschrift für den Eigenbetrieb heißt Qualitätssicherung durch Ressourcenoptimierung.

Was hat sich seither getan?

Wir haben ein kaufmännisches Buchhaltungssystem eingeführt, prüfen alle Angebote und Projekte und versuchen, Einspareffekte durch Zentraleinkauf von Nahrungsmitteln, Sach- und Möbelausstattung zu erzielen.

Aber das könnte doch auch ein städtisches Amt tun?

Ein Amt ist Teil einer großen Organisationseinheit. Als kleinere, unabhängigere Einheit kann man Entscheidungen zusammen mit den Mitarbeiterinnen vor Ort schneller, flexibler und unkonventioneller durchsetzen.

Interview: Anita Strecker

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