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Fleißige Familienväter

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Wolfgang Hafemann arbeitet an der Mischmaschine. Er gehörte zu den 24 Familienvätern, die zwischen 1953 und 1959 die Häuser der St.-Ursula-Siedlung gebaut haben.
Wolfgang Hafemann arbeitet an der Mischmaschine. Er gehörte zu den 24 Familienvätern, die zwischen 1953 und 1959 die Häuser der St.-Ursula-Siedlung gebaut haben. Sammlung Stähler © Sammlung Stähler

Neues Heimatkunde-Heft enthält lesenswerte und bewegende Aufsätze

OBERURSEL - Wie ist vor 70 Jahren die St.-Ursula-Siedlung entstanden? Welche Geschichte steckt hinter der Achilles-Figur, die auf das Bronze-Bruchstück graviert ist, das im Vortaunusmuseum in der Kelten-Sonderausstellung gezeigt wird? Was war der „Oberuseler Gnom“? All diese Fragen beantwortet der gerade erschienene Band „Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Heimatkunde“ (Heft 61, 2022). Zahlreiche Lokalhistoriker und weitere Autoren haben darin Aufsätze zu historischen und aktuellen Themen veröffentlicht.

Einen Blick in die Monate unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlaubt der Bericht „75 Jahre Bund für Volksbildung“ von Manfred Kopp. Der Leser erfährt, wie Werner Jaspert am 11. Oktober 1945 von der US-Militärregierung zum Bürgermeister von Oberursel ernannt wurde und wie er am 14. Dezember 1945 die Lizenz für die Arbeit eines „Kulturausschusses“ erbittet. Dazu schrieb er: „In Oberursel hat sich ein Kulturausschuss gebildet, dem neben dem Bürgermeister je ein Vertreter der vier Parteien angehört. Dieser Ausschuss hat sich zur Aufgabe gestellt, volksbildende Arbeit in die Hand zu nehmen. Dabei sind verschiedene Kurse für Deutsch, Englisch, Stenografie usw. geplant, Vorträge von allgemeinem Interesse, Lehrgänge und Volkskunstabende.“ Der „1. Volkskunstabend“ war ein Konzert mit Werken von Haydn, Beethoven und Debussy, präsentiert vom „Lenzewski-Quartett“ am 22. Februar 1946 in der „Turnhalle Gartenstraße“.

Bewegend und bedrückend von der Aktualität eingeholt ist der Aufsatz von Peter Schneider, der von der Suche nach seinem verschollenen Vater berichtet. Wilhelm Schneider, geboren 1913, wurde 1941 zur Wehrmacht eingezogen. Sein letzter Feldpostbrief an die Familie trägt das Datum 8. 8. 1944. Am 29. Januar 1994 endlich erhielt Peter Schneider vom Suchdienst des Roten Kreuzes die Nachricht, dass sein Vater am 23. 3. 1945 in einem Kriegsgefangenenlager in der Ukraine gestorben war. Dem Autor und seinem Bruder gelang es, den dortigen Soldatenfriedhof im September 2005 zu besuchen. Heute wäre das kaum möglich, der Friedhof liegt in Kirovsk, 140 Kilometer von Donezk entfernt, in von Separatisten besetztem Gebiet.

Wer Bier zapft, muss „Ohmgeld“ zahlen

Um die St. Ursula-Siedlung zwischen Berliner Straße, Herzbergstraße, Alexander-Hess-Straße und Rossertstraße dreht sich der Text des verstorbenen Josef Stähler. 24 Familienväter hatten die 24 Einfamilienhäuser innerhalb von mehreren Jahren eigenhändig gebaut. Zuvor hatten sie eine Siedlergemeinschaft gegründet mit dem Ziel, in gemeinschaftlicher Selbsthilfe jedem der Mitglieder ein Eigenheim zu errichten. Der Text trägt den bezeichnenden Titel „Fünf Jahre Fronarbeit für ein Eigenheim“.

VERANSTALTUNGEN

Mit der 44. Oberurseler Mineralien- und Fossilienbörse startet der Verein für Geschichte und Heimatkunde ins neue Jahr. Am Samstag, 14. Januar, und Sonntag, 15. Januar, sind die steinernen Schätze jeweils von 10 bis 17 Uhr in der Stadthalle zu bewundern.

Der Arbeitskreis Geologie/Mineralogie ist Veranstalter. Passend dazu gibt es am Montag, 23. Januar, einen Vortrag: Dr. Manuela Aiglstorfer spricht über „Säugetiere am Ur-Rhein“. Beginn ist um 20 Uhr im Ferdinand-Balzer-Haus, Schulstraße 25.

Die Leiterin des Vortaunusmuseums , Renate Messer, präsentiert am Sonntag, 26. Februar, „Oberursel - eine Stadt im Wandel“ und führt durch das Museum. Weitere Termine gibt der Verein rechtzeitig bekannt. cg

Von Hochwasser in Weißkirchen berichtet Dr. Josef Venino. Der Mühlgraben nämlich, „die alte Bach“ genannt, durchfloss bis 1836 praktisch den gesamten damaligen Ort. Bei starkem Regen oder Schneeschmelze bildete sich an der heutigen Urselbachstraße (damals Untergasse) im Bereich der Einmündung der heutigen Bischof-Brand-Straße ein See.

Einen weiteren Text widmet Venino dem Bier. Und der Leser erfährt, dass einer, der Bier verzapfte, im 17. Jahrhundert dafür das sogenannte „Ohmgeld“ entrichten musste. Bier sollte zudem nur bei den in der Zunft Zusammengeschlossenen, den „Zünftigen“ gekauft werden dürfen.

Mit der Keltenzeit, dem Heidetränk-Oppidum und der Kelten-Sonderausstellung im Vortaunusmuseum beschäftigt sich dessen Leiterin Renate Messer. Und Harro Junk widmet seinen Text dem Bronze-Bruchstück mit der Achilles-Darstellung, die eine Szene aus dem Trojanischen Krieg zeigt. Und Helmut Hujer erklärt, warum von 1919 an in Oberursel ein Fahrrad-Motor namens „Gnom“ entwickelt wurde. Und er verrät, was dieser mit den Horex-Motorrädern zu tun hatte.

Am Ende des lesenswerten Bandes wartet ein Säulenrätsel. Wer es richtig löst, darf sich bei einem der Vortragsabende des Geschichtsvereins ein heimatkundliches Buch aussuchen.

Das 157 Seiten starke Heft gibt es für 11 Euro im Buchhandel und direkt bei der Vorsitzenden des Vereins für Geschichte und Heimatkunde, Marion Unger, Telefon und Whatsapp 01 78-1 89 55 99. Per E-Mail ist sie unter marionoberursel@icloud.com erreichbar.

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