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Sportlerschicksal.
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Sportlerschicksal.

Voll das Leben

Fixiert auf den kleinen Gelben

Man muss nicht wie Roger Federer spielen, um beim Tennis Spaß zu haben. Selbst im Alter hat der Sport noch seinen Reiz.

Von Thomas Rüggeberg

Ganz, ganz früher war er weiß, seit langem ist er gelb: der kleine Ball, um den sich beim Tennis alles dreht. Wobei er in seinem von harten Schlägen gekennzeichneten Leben seine jungfräuliche Farbe bald verliert. Dazu, was er noch einbüßt, später mehr.

Tennis als sportliche Freizeitbetätigung kann es mit Fußball nicht aufnehmen, steht aber ganz gut in der zweiten Reihe. Und für die, die ihm verfallen sind – ich bekenne mich auch noch mit 63 dazu –, ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Da macht es auch nichts, dass die großen Zeiten eines Boris Becker, einer Steffi Graf, eines Michael Stich lange vorbei sind. Dass der von ihnen einst ausgelöste Boom in Deutschland verebbt ist, macht allerdings den Tennisverbänden und Clubs zu schaffen. Sie versuchen alles, um Nachwuchs zu werben, gehen in die Schulen, in Kindergärten gar, locken mit Schnupperangeboten, senken oder erlassen Beiträge. Doch es ist ein hartes Brot.

Apropos, die ersten Schritte zum Tennis sind wie Geige lernen: Nix klappt, es sieht schrecklich aus, es klingt nicht sauber, der Spaß hält sich in engen Grenzen. Doch nach und nach – Ballgefühl hilft da ungemein –, kommt was in Gang, stellen sich Erfolgserlebnisse ein. Beim Tennis gibt es zahllose Spielstärken-Level, doch wenn auf der anderen Seite des Netzes Spielpartner tänzeln, die auf ähnlichem Niveau stehen, geizt der Sport nicht mit seinem Reiz. Man kann dann sogar im Fernsehen den Cracks bei einem Grand-Slam-Turnier zusehen, ohne dass einen das – wegen deren Klasse und der eigenen Stümperhaftigkeit – fürs nächste Spiel frustriert.

Prima angepasst

Dennoch, man wird normalerweise – langsam, sehr langsam – immer besser. Bis der Zenit der Leistungsfähigkeit überschritten ist. Die schnellen Antritte, die brutalen Stopps, das Rutsch-Bremsen auf Sand, der Spurt ans Netz, all das hinterlässt Spuren. Erst recht im Winter auf harten Hallenböden. Vor allem an den Knien. Aber auch die Schulter ist verletzungsanfällig, ganz zu schweigen vom berühmt-berüchtigten Tennisarm, der phasenweise seine Auftritte haben kann – eine Sehnenentzündung am Ellenbogen des Schlagarms.

Klar, es gibt gesündere Freizeitsportarten, Nordic Walking zum Beispiel. Doch beim Tennis zeigt sich ein wunderbarer Effekt, wenn beim Älterwerden die Power weniger und die Zipperlein mehr werden: Tempo und Härte lassen sich prima anpassen. Beglückendes Alters-Bild: Vier wettergegerbte Männer jenseits der 70 spielen ein Doppel. Die Schläge sind nicht mehr so hart, dafür die Kommentare umso mehr. Es ist im Wesentlichen Steh-Tennis, aber sie haben eindeutig Spaß.

Selbst da spürt man noch das wunderbare Gefühl, wenn der Ball nicht mehr – wie am Anfang – macht, was er will, sondern was der Spieler will. Allerdings, auch auf der fortgeschrittenen Ebene ist das oft NICHT der Fall, und dann muss – je nach Naturell – der Frust rausgeschrien werden. Insofern kann Tennis ganz schön laut sein. Nachbarn von Tennisanlagen berichten zudem über ein stetes „plopp – plopp“.

Unverschämt teuer

Und ein billiges Hobby ist Freizeittennis auch nicht gerade. Man zahlt einen Clubbeitrag oder die Gebühr für Stunden in Hallen und auf Freiluft-Plätzen. Man braucht Klamotten, die auch Schweiß aushalten, strapazierfähige Tennisschuhe, man braucht vor allem einen guten Schläger (und bald einen besseren). Dessen Bespannung reißt von Zeit zu Zeit. Und man braucht Bälle. Immer wieder Bälle. Für das plopp – plopp.

Dumm ist dabei zweierlei. Tennisbälle sind unverschämt teuer. Bei Produktionskosten von ein paar Cent kostet so eine gelbe Kugel zwischen drei und fünf Euro. Und: Tennisbälle verlieren bald ihre Kondition, ihre Sprungkraft, und auch ihr Gelb leidet. Wegen der harten Schläge und des bösen Bodens. Im Übrigen bin ich felsenfest überzeugt, dass es in der Welt ein Tennisballkartell gibt, ein paar Firmen, die es geschafft haben, Fantasiepreise für die Filzdinger durchzudrücken und so dem Tennisspieler die letzten Euro abzupressen.

Deshalb ein Tipp: Hat ein Freizeittennismensch Geburtstag, scheuen Sie sich nicht, ihm ein oder zwei Dosen Bälle zu schenken! Das ist beileibe nicht profan oder unromantisch. Er wird sich tierisch freuen.

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