„Autos in der Allee“ war in diesem Jahr eher ein nasses Vergnügen.

Bad Homburg/Oberursel

Fischdosen und Elektromobile

  • schließen

Design für alle Lebenslagen in der Kurstadt beim „Boom“-Festival. Bier, Autos und ein Steinway in der Brunnenstadt bei „Autos in der Allee“.

Endlich auch Austern zum Champagner am Morgen. Austern von der Ile de Noirmoutier, das Dutzend zu 28 Euro. Bescheiden angefahren mit einem klassischen sandfarbenen „Deux chevaux“, der legendären „Kasten-Ente“, die durch ihre Schlichtheit überzeugt. Und luxuriöse Köstlichkeiten in die Kurstadt bringt. Austern natürlich, auch „Jahrgangssardinen“ in hübsch mit bunten Meerjungfrauen designten Fischbüchsen und Crème de Marrons von der Ardeche. Umrahmt von größeren „Foodtrucks“, an denen etwa vegetarische Teigfladen mit dem Namen „Rucola-Rudi“ und „Kartoffel-Karl“ gereicht werden, steht die „Perle de l’Atlantique“ von Olivier und Tanja Wenda wie eine kleine Insel auf dem Kurhaus-Vorplatz.

Es hätte auch „Bääm“ heißen können. Das verraten die Macherinnen am Rande, Anne Heisig und Nina Gerlach vom Stadtmarketing in Bad Homburg. Da gab es aber technische Probleme, also macht es nun schon im vierten Jahr in Folge „Boom“. Mit Erfolg, das Designfestival boomt. Um die 12 000 Besucher wurden im vergangenen Jahr gezählt, kaum weniger dürften es am Wochenende gewesen sein. Anfragen von Ausstellern gehen inzwischen aus der gesamten Republik bei Nina Gerlach ein, die ein „boombastisches Festival“ versprochen hatte. Zumindest „phantastisch“ schmeckt der Frau mit Kapuze im Regen die Balsamicocreme auf dem Rucola-Rudi.

Zum Glück gibt’s das Kurhaus mit ebenerdigem Geschäftsbereich und „Noch mehr Boom auf Ebene SK“, so ein Wegweiser am Treppenaufgang hinauf zum Festsaal mit seinem weitläufigen Foyer. Rund 200 Aussteller müssen untergebracht werden, in der Randzone außerdem eine „Energietankstelle“ und – ein Traum für Begleiter beim Shopping – ein „Männerparkplatz“. In bunte Kissen können sich die Herren fläzen, in Ruhe chillen und mit ihren Smartphones spielen. „Mehr brauchen Männer doch nicht, oder?“, sagt Giulia (21) am benachbarten Stand. Die Mädels bieten einen Aufputschdrink, der laut Werbung „die Nacht aufhellt und den Morgen kultiviert“.

Im Saal präsentieren designte Frauen und Männer mit bunten Hemden und Weißhaar-Zöpfen Designtes für alle Lebenslagen. Was der Mensch eben so braucht oder nicht braucht, vor allem aber designt bis hin zu „Lebensmittel, die Spaß machen“. Und ganz, ganz viele Lebensweisheiten und lustige Sprüche in 1000 designten Varianten. Einen möchten Sie lesen? Na gut. „Wer nackt badet, braucht keine Bikini-Figur.“

In der nicht so prominenten Nachbarstadt Oberursel spielt sich das Leben zeitgleich primär auf der Straße ab. Rudimentäres Leben nur am Samstag, kein Wetter für Wohnmobile und chromblitzende Autos, wenig einladend die äußeren Bedingungen für ein Probesitzen im schicken neuen Cabrio mit geschlossenem Verdeck. Nach der heißesten Autoschau im vergangenen Jahr wird die 22. Auflage von „Autos in der Allee“ (AiA) eher als besonders nasse und kühle Nummer und ohne Rekordzahlen bei den Besuchern im Geschäftsbuch der Veranstalter von Fokus O., dem Forum der Selbständigen Oberursel, geführt werden. Und nur der gute Besuch beim inklusiven etwas sonnigeren verkaufsoffenen Sonntag Autohändler und Einzelhandel getröstet haben.

Klare Erkenntnis trotz Wetter-Kapriolen: Die Faszination Auto ist ungebrochen, ohne Murren informiert sich der potenzielle Kunde auch über die wachsenden Angebote im E-Auto-Sektor und versorgt sich mit den Visitenkarten der entsprechenden Anbieter. Der schöne gelbe Mustang GT mit fünf Liter Hubraum und 422 PS unter der Motorhaube bleibt beim zweitägigen Spektakel mit Volksfestcharakter zwischen Bierfest und jeder Menge Nahrungsangeboten häufiger als früher links liegen. Zeit für neue Entdeckungen, etwa die zum zweiten Mal integrierte Ausstellung „Kunst findet Stadt“ im Rathaus. Kein Wetter für Autos im Regen, wohl aber für ein feines Nachmittagskonzert zur Kunst mit Harald Lange und französischen Chansons, gespielt auf einem Steinway-Flügel. Ein Mercedes der Luxusklasse auf einem anderen Planeten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare