Pitt von Bebenburg

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Großes Kino im Landtag. Aber der Saal bleibt leer. Die Kolumne aus dem hessischen Landtag.

Der Fürstenpalast von Monaco ist zwar wesentlich älter als das Stadtschloss der Nassauer, in dem der Hessische Landtag seinen Sitz hat. Aber eine gewisse Ähnlichkeit der prachtvollen, farbenfreudigen Tapeten und der verspielten Wand- und Deckenmalereien verbinden das Herz der hessischen Demokratie mit der Welt von Grace Kelly.

Das haben sich die Fernsehleute vom ZDF gedacht, die in dieser Woche im Landtag in Wiesbaden drehten – eine Dokumentation über die verstorbene US-Filmdiva, die durch die Hochzeit mit Rainier III. zur Fürstin von Monaco geworden war. Szenen aus dem Fürstenpalast mit einer weißen, struwweligen Mütze, wie sie die Schauspielerin gerne trug, entstanden im Musiksaal des Parlaments. Im Fernsehen werden sie im November zu sehen sein, zum 90. Geburtstag von Gracia Patricia von Monaco alias Grace Kelly.

Das passte, denn am gleichen Tag wurde der Landtag ohnehin in ein Kino umgewandelt – allerdings nicht die Räume im Schloss, sondern der architektonisch unterkühlte Medienraum aus dem Jahr 2008. Dort wurde in großem Format die Anhörung des Innenausschusses übertragen, in der es um ein Aufregerthema ging: die „Strabs“ alias Straßenausbaubeiträge. Also Beiträge für Bürger, vor deren Haustür Straßen ausgebaut werden.

Die Bürgerinitiativen hatten angekündigt, busweise zu kommen. Sie kamen auch in großer Zahl, aber nicht so mächtig, dass es für ein Public Viewing gereicht hätte. Auf der Besuchertribüne des Landtags war genug Platz für alle Interessenten. Im Medienraum herrschte gähnende Leere.

Nun gibt es kaum etwas Traurigeres als einen leeren Kinosaal. Vielleicht hätte der Landtag einen Film mit Grace Kelly einlegen sollen, um den Medienraum zu füllen, zum Beispiel „Die oberen Zehntausend“ mit Bing Crosby und Frank Sinatra. Aber das hätte die wackeren Bürger, die stundenlang in der Anhörung ausharrten, nur auf Abwege geführt. Für die oberen Zehntausend wäre es ja ohnehin ein Klacks, mal eben 10 000, 50 000 oder 100 000 Euro für Strabs zu berappen. Manche Ausführungen der Verbandsvertreter und Bürgermeister im Innenausschuss wurden von Besucherinnen und Besuchern übrigens mit Applaus bedacht, als sei Grace Kelly persönlich aufgetreten. Der Vorsitzende Christian Heinz (CDU) ermahnte das Volk daraufhin mehrfach, dass Beifalls- und Missfallenskundgebungen im Landtag untersagt sind. Klatschen dürfen dort nur die Damen und Herren Abgeordneten.

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