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Die Jazztage waren erfolgreich.

Hanau

Fetter Sound bei Hanauer Jazztagen

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Die Jazztage des Kulturvereins sind erfolgreich. Der Helfermangel gefährdet jedoch die Fortsetzung der Reihe.

Die Hanauer Bigband, die am Freitagabend zum Auftakt der Hanauer Jazztage spielte, hat der Kassettensaal in der Remise von Schloss Philippsruhe gut verkraftet. „Die 17 Musiker befand sich in der einen, das Publikum in der anderen Hälfe des Raumes“, sagt Organisatorin Claudia Jäger. Auch die akustische Herausforderung wurde gemeistert, immerhin besteht das Orchester mit seinem Repertoire aus der großen Zeit der Bigbands unter anderem aus 13 Bläser und einer Sängerin. Der Kulturverein spricht nach der dritten Auflage der dreitägigen Reihe von einem erneuten Erfolg. Laut Jäger hätten die Jazztage sogar das Potenzial zu wachsen, allerdings würden hierzu nicht nur Sponsoren benötigt.

Jazzkonzerte als Einzelveranstaltungen hat der Kulturverein neben Ausstellungen schon immer in seinem Programm aufgeführt, so Jäger. „Vor gut drei Jahren kam der Gedanke auf, warum nicht ein ganzes Wochenende nehmen, um einigen der vielen guten Musikern, die in der Region leben, gebündelt eine Plattform zu bieten“, sagt Jäger. Zudem versprach sich der Vorstand mit einem kleinen Festival mehr Aufmerksamkeit beim Publikum. Das Werbebudget des Vereins ist für diese Reihe sehr begrenzt. Der Saal wird während der Veranstaltung von der Stadt gemietet. Einen Zuschuss von der Stadt Hanau erhält der Verein nicht. Die Mühen haben sich bislang gelohnt. Durchschnittlich 50 bis 60 Zuhörer kommen zu den Konzerten, so Jäger. Vielmehr Publikum könne der Saal bei Bestuhlung und je nach Bandgröße nicht aufnehmen.

Ein bisschen soll mit der Reihe auch an die Zeit erinnert werden, in der der Jazz in Hanau eine breite Präsenz besaß. Lang ist das her, und schon lange vor dem Abzug der GIs aus der einstigen Garnisonsstadt fristete dieser Stil, der andere Musikgenre prägte, ein Nischendasein. Um möglichst vielen der Jazzfreunde mit der Reihe was zu bieten, achtet Jäger, die als Musikpädagogin arbeitet und als Bassistin in der Combo Hot Club spielt, bei der Auswahl der Künstler auf ein weites Spektrum, das Modern Jazz und Fusion nicht ausgeklammert. Dass es dann auch mal nicht „ausverkauft“ heißt, wird in Kauf genommen. In diesem Jahr standen die Richtungen Bigband, zeitgemäßer Jazz mit Pop-Elementen und Latin Jazz auf dem Programm.

Die Liste der Musiker der vergangenen drei Jazztage liest sich bereits wie ein Who-is-who etwa mit dem Bassisten Kai Eckhardt, dem Saxophonisten Peter Back oder in diesem Jahr mit dem Gitarristen Jürgen Schwab und der Band Hotel Bossa Nova. „Als Musikerin habe ich einen leichteren Zugang zu diesen Künstlern“, sagt Jäger. Mit den Jazztagen hat sich der Kulturverein gleichfalls zum Ziel gesetzt, den weniger bekannten Namen ein Forum zu bieten. „Das ist sehr wichtig, sonst wird der Jazz eines Tages aussterben.“ Gleich ob es sich bereits um eine Berühmtheit oder eine werdende handelt, man komme gerne auch wegen des offenen Publikums nach Hanau, so Jäger. Zudem schätzten viele Künstler, dass sie familiär umsorgt werden, dazu zählt etwa die Akteure vor dem Gig zu bekochen.

Ein vierter Abend oder Workshops am Tag mit Künstlern sind für Jäger Optionen, die Jazztage zu erweitern. Gewiss müssten dann weitere Sponsoren gefunden werden, aber das sei nicht das Hauptproblem. „Wir leiden unter unglaublichem Personalmangel“, sagt Jäger. Während der diesjährigen Jazztage seien obendrein Helfer, die wie Jäger alle ehrenamtlich anpacken, wegen Krankheit ausgefallen, das habe die Belastung noch einmal erhöht. Wegen der Personalsituation ist derzeit nicht absehbar, wie es mit den Jazztagen überhaupt weiter geht, sagt Jäger.

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