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Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war auf der Terrasse seines Hauses in Nordhessen gefunden worden - getötet durch einem Schuss in den Kopf aus nächster Nähe.

Festnahme im Fall Walter Lübcke

Spur in die rechte Szene?

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Festnahme im Fall des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke: Ein 45-Jähriger aus Kassel gilt als dringend tatverdächtig. Laut Medienberichten führt die Spur ins rechtsextreme Milieu.

Festnahme im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke: Am frühen Samstagmorgen gegen 2 Uhr ist ein 45-jähriger Mann von Spezialeinheiten der hessischen Polizei in Kassel festgenommen worden. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Thöne, mitteilte, erfolgte die Festnahme aufgrund eines DNA-Spurentreffers. Dieser ist derzeit das „zentrale Beweismittel“, sagte Thöne der „Hessische Niedersächsische Allgemeine“.

Der Mann gilt als dringend tatverdächtig, so Thöne. Ermittelt werde wegen des Verdachts des Mordes. Der 45-Jährige sei am Sonntagnachmittag dem zuständigen Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Kassel vorgeführt worden. Aufgrund der Indizienlage wurde Untersuchungshaftbefehl erlassen. Der Tatverdächtige wurde in die JVA Kassel I in Wehlheiden gebracht.

Weitere Informationen zur Festnahme und zu den Ermittlungen gab die Staatsanwaltschaft am Sonntag nicht bekannt. Dies solle Anfang dieser Woche folgen.

Nach Medienberichten sollen die Spuren ins rechte Milieu führen. Die „Bild“-Zeitung meldete unter Berufung auf Ermittler, dass der 45-Jährige der rechtsextremen Szene angehören könnte. Auch nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ stammt er aus diesem Milieu. Weiter schreibt die Zeitung, es sie unklar, ob es sich um eine Einzeltat handelt, die sich nur gegen Lübcke richtete, oder ob es weitere potentielle Opfer geben könnte.

Nach weiteren Medienberichten soll der Mann früher Kontakte in die rechtsextreme Szene gehabt haben, Es sei aber nicht klar, ob das auch aktuell noch der Fall sei. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage zu diesen Berichten nicht äußern.

Verfolgen Sie hier die aktuelle Entwicklung zum Fall Lübcke

Der 65-jährige Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha entdeckt worden. Er hatte eine Schussverletzung am Kopf und starb kurz darauf. Eine 50-köpfige Sonderkommission hatte die Ermittlungen aufgenommen. Seit der Tat halten die Beamten zweierlei für möglich: Lübcke wurde von jemandem aus seinem privaten Umfeld getötet. Oder: Die Tat war politisch motiviert. Lübcke war wegen seiner Positionen in der Flüchtlingspolitik von Rechtsextremen bedroht worden.

Nach Informationen der „HNA“ wurden Hautschuppen des 45-jährigen Verdächtigen auf Lübcke gefunden. Das bedeutet: Der Mann muss bereits straffällig geworden sein, ansonsten wäre seine DNA nicht in der zentralen DNA-Analyse-Datei des Bundeskriminalamts gespeichert worden. Der Verdächtige soll ein langes Vorstrafenregister haben. Hinweise auf die Tatwaffe gibt es noch nicht.

Die Staatsanwaltschaft Kassel und das Landeskriminalamt wiesen ausdrücklich daraufhin, dass es sich bei dem festgenommenen Mann nicht um die Person handelt, die vor einer Woche am Fähranleger in Harlesiel in Gewahrsam genommen worden war. Dieser Mann war nach seiner Befragung wieder entlassen worden.

Lübcke hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder. Am Samstag wurde er beigesetzt. Am Donnerstag hatte es in Kassel einen Trauergottesdienst mit über 1300 Menschen für den CDU-Politiker gegeben. (mit dpa)

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