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Die historische Seilerbahn in Frankfurt-Sachsenhausen. Cajus Heubner hat damit große Pläne.Bild: Andreas Hartmann
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Die historische Seilerbahn in Frankfurt-Sachsenhausen. Cajus Heubner hat damit große Pläne.Bild: Andreas Hartmann

Tage der Industriekultur

Festival öffnet verschlossene Industrieanlagen in Rhein-Main

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Eine historische Seilerei in Frankfurt ist Ausgangspunkt der diesjährigen „Tage der Industriekultur“. Die haben auch in diesem Jahr wieder ein hochkarätiges Programm zu bieten

Orte, an denen die Zeit stehen geblieben scheint, werden in der Großstadt immer seltener, und doch gibt es sie. Am Rande des Frankfurter Stadtteils Sachsenhausen liegt oberhalb der Offenbacher Landstraße eine verwunschene alte Industrieanlage, umgeben von wuchernden Gärten mit alten Obstbäumen, ein riesiges, 15 000 Quadratmeter großes Gelände, es könnte alles Bauland sein.

Man kann da fast von einem Wunder sprechen angesichts der aktuellen Immobilienpreise, dass hier keine Reihenhäuser entstehen. Denn die historischen Gebäude der ehemaligen Seilerei Reutlinger mit den alten, noch erhaltenen Maschinen, die hier Hanf- und Drahtseile spannten, stehen seit diesem Jahr unter Denkmalschutz, und die Familie hat große Pläne für die behutsame Neunutzung des wunderschönen Areals.

Eine Stiftung kümmert sich künftig um die Zukunft der Immobilie, wie Cajus Heubner, Enkel des Firmengründers, stolz berichtet. Hier in der Seilerbahn wurden unter anderem die Taue geflochten, mit denen man die große Atlasgruppe auf den Frankfurter Hauptbahnhof oder die berühmte Glocke Gloriosa in den Turm des Kaiserdoms hievte.

Nach der Aufgabe der Seilproduktion am Standort Sachsenhausen vor 30 Jahren wurde ein Teil der mehr als 200 Meter langen, die Neigung des Hangs ausnutzenden Seilerbahnhalle an Künstler vermietet, andere Gebäude konnte das Schauspiel Frankfurt als Probebühne nutzen. „Das war eine wunderbare Umgebung mit ganz viel Kultur, in der ich da aufgewachsen bin“, erinnert sich der heute 40-jährige Heubner. „In meiner Kindheit roch es hier noch intensiv nach dem gestampften Lehmboden und den Hanfseilen.“ Verkauft wurden die hier hergestellten Seile in einem eigenen Laden in der Innenstadt neben dem heutigen Museum für Moderne Kunst.

Die Firma von Heubners Onkel produziert heute weltweit patentierte metallene Abhängungen für Leuchten. Deren Wegzug macht jetzt den Weg frei für eine neue Nutzung. Auf dem weitläufigen Areal sollen unter anderem eine genossenschaftlich organisierte Biobäckerei und weitere Ateliers entstehen, es soll hier Platz geben für Kunst und Musik, vielleicht auch für Gastronomie, und der schöne verträumte Garten könnte irgendwann einmal mit dem benachbarten Park der Jesuitenhochschule St. Georgen verbunden werden.

Auf jeden Fall aber soll das Gelände öffentlich zugänglich werden, und die am 21. August beginnenden „Tage der Industriekultur“, deren diesjähriges Motto „Vernetzen“ geradezu perfekt zu einer historischen Seilerei passt, können dabei helfen, diesen neuen Kulturort bekannter zu machen.

Vom 21. August bis zum 4. September läuft hier täglich von 17 bis 21 Uhr die Licht- und Klanginstallation „Time Machines“. Im August soll auch die neue Biobäckerei hier ihre Arbeit aufnehmen, vielleicht gibt es dann ja schon frisches Brot an der Seilerbahn.

Dass eine alte Industrieanlage wie diese unerhörtes Potenzial bietet, darauf weist Sabine von Bebenburg, Geschäftsführerin der Kulturregion, hin. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es unzählige Beispiele dafür (und leider auch viele für sehr unschöne Abrisse historischer Ensembles).

Insgesamt verbergen sich in der Region aber doch viele Zeugnisse von Arbeit, Handel und Wandel, teils von berühmten Architekten erbaut, teils überraschend genutzt und umgenutzt. Vieles lässt sich auf der Route der Industriekultur und bei den gleichnamigen Tagen entdecken, vieles kommt jedes Jahr neu hinzu, auch moderne Industrieanlagen können sehenswert sein. „Es ist schon beeindruckend, wie Wirtschaft und Kultur, Tourismus und Stadtentwicklung hier zusammenarbeiten“, sagt von Bebenburg. „Das ist ja längst nicht nur für Technik-Freaks.“

Wie eine Region vernetzt ist, das kann man an vielen Beispielen zeigen, angefangen bei Elektrizität und Wasser bis hin zu Radschnellwegen. Die Tage der Industriekultur öffnen diesmal unter anderem Schleusen- und Hafenanlagen, zeigen Brücken und Fabriken zwischen Idstein, Aschaffenburg und Darmstadt. Dass das Programm, dessen Planung mitten in die Phase besonders hoher Corona-Inzidenzen fiel, so vielfältig ist, ist schon beachtlich. Ohne die Netzwerke, die die Kulturregion in den vergangenen Jahren geknüpft hat, wäre das wohl kaum möglich gewesen.

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