Gut gebrüllt

Verwirrung und Verdruss

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Schulkinder müssen Masken tragen – Abgeordnete nicht. Die Kolumne der Frankfurter Rundschau aus dem hessischen Landtag.

Der erste Schultag ist nicht nur für Kinder und ihre Eltern ein ganz besonderer Tag. Auch für die Mitglieder der Landesregierung ist der Termin eine feste Größe im Terminkalender. Seit 1999 fliegen die Politiker aus, um die i-Dötzchen und Fünftklässler bei ihrem großen Tag in der neuen Schule mit ihrer Anwesenheit zu beglücken. Ministerpräsident Volker Bouffier besuchte in diesem Jahr eine Einschulungsfeier in Taunusstein, Europaministerin Lucia Puttrich war in Hanau-Steinheim, Umweltministerin Priska Hinz begrüßte Erstklässlerinnen und Erstklässlern in Rauenthal. Und die Neuen am Elly-Heuss-Gymnasium bekamen von Kultusminister Alexander Lorz erläutert, dass nun „ein detailliertes Hygienekonzept“ ihren Alltag in der Schule regle.

Auch im Kulturpolitischen Ausschuss hatte Lorz in dieser Woche viel zu erklären. Die Meinungen über den am Montag begonnenen Regelunterricht unter Pandemie-Bedingungen sind geteilt. Die Gewerkschaft GEW vermisst verbindliche Regeln. Auch für die SPD sind noch sehr viele Fragen offen. Die Maskenpflicht im Klassenraum wird je nach Schule unterschiedlich gehandhabt. Auch das sorgt für Verwirrung und Verdruss. Andererseits freuen sich fast alle, dass die nervige Zeit des Homeschoolings (hoffentlich für immer) vorbei ist. Allen voran die Eltern, die sich jetzt wieder auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können.

Leider ist nicht allen dieses Glück vergönnt. Schon am ersten Tag wurden die ersten Kinder wieder nach Hause geschickt. Inzwischen werden jeden Tag neue Klassen unter Quarantäne gestellt. Corona hat Hessen wieder stärker im Griff.

Die sogenannte zweite Welle ist greifbar. Die Menschen in Hessen halten den Atem an. Ein Leben ohne Sauerstoff ist aber nicht möglich. Beim Ausatmen entstehen Aerosole. Deshalb ist das Maskentragen, Händewaschen und Abstandhalten so wichtig.

Das Einhalten der AHA-Regeln hat uns die hessische Landesregierung seit Monaten immer wieder gepredigt. Umso erstaunlicher ist, wie der Politbetrieb in Wiesbaden selbst mit dem Thema umgeht. Es gibt spezielle Türklinkenvorrichtungen, deren Sinn sich nicht erschließt. Einige Pressekonferenzen werden im Hybridformat angeboten, Journalisten können entweder persönlich kommen oder sich per Telefon oder Video zuschalten lassen. Während der Plenartage sitzen die Abgeordneten auch auf der Zuschauertribüne.

Und im Kulturpolitischen Ausschuss? Da scheinen alle Mitglieder immun zu sein gegen das Virus und auch die Mitarbeiter des Kultusministeriums, die ihren Chef mit ihrem Wissen unterstützen. Wie eh und je sitzen sie Ellenbogen an Ellenbogen. Masken bleiben in der Tasche. Einzige Neuerungen sind die Lautsprecher, die der Hausmeister vor dem Raum aufgestellt hat, und dass die große Verbindungstür weit geöffnet ist. So können wenigstens wir Korrespondentinnen und Korrespondenten den notwendigen Abstand halten. Und gesund bleiben.

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