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Feldbergturm feiert seinen 120. Geburtstag

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Massenmagnet: der Feldberg-turm bei seiner Einweihung.
Massenmagnet: der Feldberg-turm bei seiner Einweihung. © N.n.

Taunusklub hat viel Geld in Sanierung investiert und wartet weiter auf die Freigabe des Wanderheims

HOchtaunus - Erst die Pandemie, dann der Brandschutz: Der Taunusklub hat mit seinem Aussichtsturm auf dem Feldberg derzeit wenig Spaß, aber Kosten. Dass im Wanderheim während der Hochphase der Pandemie Ruhe herrschte, ist verständlich. Was den Tauniden Zeit gab, einen Teil der sanitären Einrichtungen und Zimmer zu sanieren. Gründlich. So gründlich, dass ihnen nach der Hälfte das Geld ausging. Immerhin 80 000 Euro wurden verbaut. Denn als die Handwerker im entsprechenden Teilbereich die Verkleidungen abnahmen, entdeckten sie dahinter noch die alten Brandschäden des Flugzeugabsturzes vom 4. Dezember 1943, als ein deutsches Militärflugzeug den Turm rammte, das Flugbenzin in Flammen aufging und den Turm in Brand setzte. Elf Menschen starben damals, außer der Besatzung auch die Frau des Turmwächters, Sofie Müller.

Brandschutz nicht gewährleistet

Die Kosten für die Arbeiten stiegen. „Wir wollen eine ordentliche Sanierung, keine halben Sachen“, betont Wolfgang Lenz, Vize-Vorsitzender des Gesamtvereins. Also habe man sich entschieden, einen Teilbereich der Sanitär- und Schlafräume grundlegend neu zu machen, den nächsten Trakt gehe man an, wenn wieder Geld vorhanden sei. Aber dafür hat der Klub erst mal Zeit, denn öffnen darf er das Wanderheim nicht, lediglich der Aufstieg zur Plattform ist Besuchern gestattet. Grund: Der Turm, im Eigentum des Hessischen Rundfunks (HR), hat nur einen Zugang, zu wenig, um den Brandschutzauflagen zu genügen.

„Es wird schon länger geplant, anfangs rechneten wir mit Kosten von 300 000 Euro. Das dürften aktuell eher 400 000 Euro sein.“ Aber Lenz und seine Kollegen bleiben dran. „Ich denke, dass wir eine Außentreppe anbauen müssen. Wie hoch diese sein muss, welche Ausführung, das steht alles noch in den Sternen.“

Beim HR weiß man um die Not, aber auch dort sitzt das Geld nicht so locker. Und: Zuschüsse von der öffentlichen Hand sind nicht zu erwarten, denn für Privatbesitzer gibt es kein öffentliches Geld. Lenz hat aber, wenn auch mit einem Schmunzeln im Gesicht, einen Plan B. „Nächstes Jahr wird auch der letzte Sender im Turm für UKW abgebaut. Vielleicht hat der HR dann Interesse, uns den Turm für einen Euro zu verkaufen, denn was will er ohne

JUBILÄUMSFEST AM SAMSTAG

120 Jahre alt wird der Feldbergturm. Mit einer Ausnahmegenehmigung darf der Taunusklub den Geburtstag auch feiern und hofft auf viele Gäste.

Das Fest ist für kommenden Samstag, 15. Oktober, von 14 Uhr an, geplant. Eine Wanderung zum Turm startet um 10.30 Uhr am Restaurant Waldtraut an der Hohemark. Um 14 Uhr böllert die Kanoniergesellschaft Oberreifenberg am Turm, Alexander Simon, Chef des Gesamtvereins, begrüßt danach die Gäste. Mit dabei sind auch Landrat Ulrich Krebs, Schmittens Bürgermeisterin Julia Krügers und Werner Mohr, Vizepräsident des Deutschen Wanderverbands. Danach enthüllen die Verantwortlichen ein wiederentdecktes Schild .

Diverse geführte Touren auf dem Feldbergplateau, eine Flugschau der Falknerei - und natürlich Speis und Trank werden angeboten. Ein Aufstieg zur Aussichtsplattform ist an diesem Samstag kostenfrei.

Anmeldung für die Wanderung und die geführten Touren unter info@taunusklub-stammklub.de oder 0 69 / 55 93 62. bur

Sendeanlagen damit?“ Und dann könnte der Klub Fördergeld beantragen.

Auch im nächsten Jahr wird es also nichts mit Übernachtungen im Turm. „Dabei haben wir für 2023 bereits über 60 Anfragen.“ Auch der Kasse des Taunusklubs würde es guttun, denn die Kosten laufen ja weiter, nur rein kommt nichts. Wobei: Bei 25 Euro, die künftig pro Person und Nacht genommen werden sollen, wird der Klub auch nicht reich. So lebt man derzeit weitgehend von den Mitgliedsbeiträgen und Spenden. 1200 Mitglieder sind im gesamten Taunusklub vereint, der Stammklub Frankfurt hat 400 (Mitgliedsbeitrag derzeit 42 Euro im Jahr). Das Problem: „Wir haben insgesamt ein Altersproblem“, sagt der selbst 80-jährige Lenz. „Es gib auch jüngere Mitglieder, aber mehr Nachwuchs von unten würde uns sehr guttun. Dazu gehört aber auch, dass wir im Verein die Angebote anpassen, denn nur Wandern bringt uns keine Jugend. Ich denke an Aktionen wie Geocaching oder auch mal eine Inliner-Tour oder Aktionen, um die Natur zu erleben. Ideen gibt es schon viele, umsetzen müsste man sie vor allem in den jeweiligen Klubs vor Ort.“ Dazu gibt es auch eine Arbeitsgemeinschaft. „Aber wir haben festgestellt, dass es schwer ist, alle Interessen unter einen Hut zu bringen.“

Trotz Schließung lassen sich die Tauniden nicht unterkriegen und feiern erstmal am Wochenende 120 Jahre Feldbergturm. Denn das Bauwerk wurde am 12. Oktober 1902 eingeweiht. Der massive Turm löste manche vorherige Bretterhütte des „Physikalischen Vereins zu Frankfurt“ oder des „Geografischen Vereins“ ab, die stets vom Wind verweht wurden. Das erste feste Haus wurde 1859 gebaut, eine Initiative von August Ravenstein, dem späteren Gründer des Taunusklubs 1868. 1899 pachtete der Taunusklub die Fläche, um einen Turm zu errichten - alles unter der Ägide des Präsidenten Peter Kittel. Der erste Spatenstich war am 17. Mai 1901, die Einweihung dann 1902; eine bemerkenswerte Bauleistung, denn das ganze Baumaterial musste mit vielen Pferdefuhrwerken auf sehr schlechten Wegen nach oben an die Baustelle gekarrt werden.

Wenn am Samstag der 120. Geburtstag des Turms gefeiert wird, enthüllen die Tauniden auch eine Bronzeplatte, die an die Einweihung des Turms erinnert. Die Metallplatte war verschwunden, bis sie der Sohn eines ehemaligen Kiosk-Pächters entdeckte - im Kofferraum des Auto seines Vaters, der sie als Beschwerung auf der schneeglatten Fahrbahn nutzte.

Puristisch: der Turm nach dem Krieg.
Puristisch: der Turm nach dem Krieg. © Mick Grosse
Heutiges Ensemble mit Feldberghaus. Lohrmann (1), Archiv (2)
Heutiges Ensemble mit Feldberghaus. Lohrmann (1), Archiv (2) © Dorit Lohrmann

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