Volker Sparmann

Busfahrerstreik

„Es fehlt an Respekt“

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Nach dem Tarifkompromiss spricht Schlichter Volker Sparmann über die Verhandlungen und das Image der Busfahrer.

Neun Tage hat Volker Sparmann als Schlichter zwischen Arbeitgebern und Busfahren vermittelt. Nicht einfach bei einer durch den zweiwöchigen Streik aufgeheizten Atmosphäre.

Herr Sparmann, die Busfahrer sind schon hart drauf, oder?

Ja, die Schlichtung vor drei Jahren war einfacher, da lagen die Parteien nicht dermaßen weit auseinander. Diesmal stand die Lohnforderung von 24 Prozent einem Angebot von vier Prozent gegenüber. Erschwerend hinzu kamen die Forderungen zu den Arbeitsbedingungen.

Woher diese Diskrepanz?

Wir mussten den vor drei Jahren definierten Hessenindex anpassen. Der speist sich aus Teilen der hessischen Tarife der privaten und öffentlichen Arbeitgeber sowie des bundesdeutschen Durchschnittstarifs. Letzterer ist verantwortlich für den aktuellen Stundenlohn von 13,50 Euro, mit dem sich in Frankfurt keine Familie ernähren lässt. Zum Glück gab es ein gemeinsames Oberziel.

Was war dieses Oberziel?

Beide Seiten wollen die hessische Struktur von kleinen und mittleren Unternehmen erhalten. Die kennen ihre Fahrgäste, wissen, wo die Schule ist. Wir wollen unsere 150 Busfirmen nicht in den Konkurs führen. Deshalb der Hessenindex mit der Dämpfung. Er bietet uns Spielraum, den Ecklohn schrittweise zu erhöhen. Besonders stolz bin ich, dass wir jetzt fünf Jahre Ruhe haben.

Zur Person Volker Sparmannwar Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) und ist Hessens Mobilitätsbeauftragter.

Das Schlichtungsergebnis:Bis 2023 steigt der Stundenlohn der Fahrer von privaten Busunternehmen von derzeit 13,50 Euro auf 17,40 Euro. Für 2019 gibt es eine Einmalzahlung in Höhe von 950 Euro. Zeiten unbezahlter fahrplanbedingter Pausen werden verringert. privat

Da werden sich auch die Fahrgäste freuen. Lässt sich ein Streik künftig verhindern?

Wir haben abgemacht, dass vor einem Streik mindestens drei Verhandlungstage stattfinden müssen. Es hat mich überrascht, dass nicht nur die Bürger, sondern auch Bürgermeister auf eine Schlichtung gedrängt haben.

Warum? Busse sind doch sehr wichtig für Schüler, Pendler.

Die Wahrnehmung ist in der Öffentlichkeit nicht so. Es fehlt an Respekt, Anerkennung. Wir müssen mehr für das Image tun. Deswegen ist auch der für Hessen neue Einstieg in die persönliche Altenvorsorge so wichtig. Es kann nicht sein, dass ein Busfahrer nach 20 Jahren Dienst 1000 Euro Rente bekommt.

Der Abschluss ist ja nicht so, dass auf einen Schlag viel mehr Geld kommt. Wieso diese zeitliche Staffelung?

In der Summe beträgt die Erhöhung 29 Prozent, plus vier Prozent Altersversorgung. Wir dürfen nicht die öffentlichen Kassen überfordern. Das ist der beste Abschluss, der in der letzten Zeit gemacht wurde, und wir werden ihn durch die Laufzeiten finanzieren können. Hinzu kommt die schrittweise Verbesserung der Pausenregelung. Deshalb hat die Schlichtung so lange gedauert.

Interview: Jutta Rippegather

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