Hessen-Wahl

FDP zwischen Enttäuschung und Hoffnung

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Erst gibt es Schuldzuweisungen, dann sehen die Liberalen am Ende doch noch ihre Chance.

Für die FDP ist es ein Abend der schwankenden Gefühle – bis zuletzt. Schon vor den ersten Hochrechnungen hat ein führender FDP-Politiker eine ungute Ahnung. „Ich habe das Gefühl, dass es für Schwarz-Grün reicht“, sagt er im Landtag. „Nur so ein Gefühl.“ Demnach geht er davon aus, dass seine Partei nicht gebraucht werde, um ein Jamaika-Bündnis mit CDU und Grünen zu bilden.

Als dann die ersten Hochrechnungen kommen, sieht es zunächst aus, als würde er recht behalten. Eine knappe Mehrheit für Schwarz-Grün scheint möglich, die FDP steht bei rund 7,5 Prozent. Auf der Wahlparty beeilt man sich, die erste Enttäuschung mit viel Lob und langem Applaus für den Spitzenkandidaten René Rock zu überspielen. Der erinnert an den schwierigen Wahlkampf 2013, als die FDP nur knapp in den Landtag einzog, und verkündet mit Blick auf das schlechte Abschneiden von CDU und FDP triumphierend: „Damals haben wir gezittert, heute zittern andere.“ Die Landtagsabgeordnete Wiebke Knell betont, wie sehr sich die Arbeit auch in der Opposition mit wohl neun Sitzen erleichtern werde: „Es war kein Spaß, mit sechs Leuten ein ganzes Bundesland zu bespielen. Wir werden jetzt eine schlagkräftigere Truppe sein.“

Dass die FDP schwächer abgeschnitten hat als erwartet, lasteten viele auch der Bundespolitik an. „Niemand hat sich auf Hessen konzentriert“, sagt Knell. Doch auch das Nein der Bundes-FDP zu Jamaika hätten die Leute sehr übelgenommen. „Das haben wir an den Wahlkampfständen immer wieder gehört.“ Dennoch sei die Entscheidung damals richtig gewesen. „Man sieht ja, dass die Union schon alleine nicht funktioniert. Insofern bin ich froh, dass wir mit diesem Chaos nichts zu tun haben. Das hätte uns am Ende auch nicht geholfen. 

René Rock macht auch Ministerpräsident Volker Bouffier mitverantwortlich. „Die CDU hat gegen uns Wahlkampf gemacht“, beklagt er. Für ihn ein Zeichen, dass die Partei in der Regierungskoalition mit den Grünen ihren „ihren Kompass verloren“ habe. 

Als sich im Laufe des Abends die ohnehin schon hauchdünne Mehrheit für Schwarz-Grün immer weiter verringert, leben die ohnehin nicht am Boden zerstörten Liberalen weiter auf. Auch wenn René Rock betont, dass er sich eine gemeinsame Regierung mit den Grünen nur schwer vorstellen kann. Das beruhe auf Gegenseitigkeit: „Fragen Sie mal die Grünen, ob wir deren Lieblingspartner sind.“ Dennoch: Käme es zu Koalitionsverhandlungen, wäre die FDP sofort dabei. Allerdings will sie in diesem Fall nicht nur als Minipartner und Mehrheitsbeschaffer gesehen werden. Vielmehr brauche die CDU die FDP, um ihren verlorenen Kompass wiederzufinden, sagt Rock mit einem Grinsen. 

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