Zickenbeißen um die Stimmen - nur die FDP wollte gar keine haben

Turbulente Diskussion um Flughafenausbau zwischen Bürgerinitiative und den Direktkandidaten aus dem Frankfurter Süden

Sie können Elke Tafel wählen. Aber ob sie ihr trauen können?" Im Sport hätte man das, was da am Mittwochabend auf der Veranstaltung "Fluglärm wählen?" im Bürgerhaus Südbahnhof passierte, wohl als "Zickenbeißen" tituliert. Elke Tafel (SPD) habe im Stadtparlament nicht einmal die Größe gehabt, sich gegen den Flughafenausbau zu stellen, behauptete da die grüne Politikerin Sarah Sorge. Vielleicht sollte der Angriff auch nur eine klare Abgrenzung markieren, denn in der Sache selbst vertraten die beiden Frauen die gleiche Position: ein klares Nein zum Flughafen-Ausbau, beide äußerten die Befürchtung, der Frankfurter Süden könnte "verslumen", wenn die neue Landebahn kommt und noch mehr Fluglärm die Menschen, die sich einen Umzug leisten können, vertreibt.

Tafel musste lange schmoren, bis sie die Gelegenheit für eine Erwiderung bekam, denn der Moderator Burkhart Reiche von der Bürgerinitiative Sachsenhausen, von der die Direktkandidaten der vier großen Parteien für die Landtagswahl eingeladen worden waren, schien mehr an einem Schlagabtausch mit Michael Boddenberg (CDU) interessiert. Boddenberg bekannte offen, "ich bin für einen Ausbau". Er sei aber damit einverstanden, dass die Juristen die Ausbaupläne überprüfen, auch wenn dies langwierig sei.

"Hanebüchen" sei der Vorwurf von Frau Sorge, konnte Tafel schließlich kontern. Ohne sie hätte es keinen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gegeben, gegen die Nordbahn zu klagen. Und wenn die grüne Politikerin ihr die Erststimme nicht gönne, sondern selber haben wolle, sei das kontraproduktiv, denn so werde möglicherweise verhindert, dass eine weitere Ausbau-Gegnerin in den Landtag einziehen kann. Auch wenn sich die Sozialdemokraten in Wiesbaden für einen Ausbau entschieden hätten - sie werde ihrer Haltung treu bleiben, betonte Tafel.

Keinen Wert auf irgendeine Stimme legte an diesem Abend offenbar der Kandidat der FDP, Uwe Schulz: "Wer den Ausbau nicht möchte, sollte mir und meiner Partei seine Stimme nicht geben." Allerdings seien die Grünen auch keine Alternative, die würden schon noch einknicken, meinte Schulz mit Blick auf die Bundespolitik. Das rief natürlich Sarah Sorge auf den Plan: "Unter grüner Regierungsbeteiligung wird es keinen Ausbau geben."

Welche Partei die Stimmen der Ausbau-Gegner nun bekommen wird? Zu Beginn der Veranstaltung hatte Reiche im gut gefüllten großen Saal des Bürgerhauses davor gewarnt, die Flughafen-Ausbau-Gegner Hessen (FAG) zu wählen. Es seien verschenkte Stimmen, weil die FAG die Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffen werde. Die lebhafte, bisweilen turbulente Diskussion dauerte bei Redaktionsschluss an. ft

Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

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