Groß-Gerau

Wachstumsstark und laut

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Die Wahlkreise Groß-Gerau I und II sind Magnete für die Wirtschaft.

Die Wahlkreise Groß-Gerau I und II (47 und 48) teilen die 14 Kommunen des Landkreises Groß-Gerau in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Die größte Kommune ist Rüsselsheim mit rund 65 000 Einwohnern, das durch die Übernahme des Autoherstellers Opel und den Hessentag 2017 für Schlagzeilen sorgte. Die kleinste Gemeinde ist Stockstadt am Rhein mit rund 6000 Einwohnern. Der Hitzesommer machte vor allem den Bauern im Kreis schwer zu schaffen. Immerhin wird fast die Hälfte der 453 Quadratkilometer umfassenden Kreisfläche landwirtschaftlich genutzt. Ein Viertel bedecken Waldflächen. Die beiden größten Naturschutzgebiete Hessens – „Kühkopf-Knoblochsaue“ und „Mönchbruch“ – liegen hier.

Der Kreis ist als Wirtschaftsstandort attraktiv. Das hat er seiner zentralen Lage zwischen den Großstädten Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Mainz, aber auch seiner unmittelbaren Nähe zum Frankfurter Flughafen zu verdanken. Laut statistischem Bundesamt ist er nach dem Main-Taunus-Kreis der Kreis mit dem stärksten Wirtschaftswachstum in Hessen. Auch die Bruttolöhne und -gehälter liegen nach Angaben von Landrat Thomas Will (SPD) über dem hessischen Durchschnitt und die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich an. Dabei entfallen zwei Drittel auf das produzierende Gewerbe – insbesondere die Automobilbranche sowie Chemie und Pharmazie.

Auch beim Bevölkerungswachstum liegt der Kreis hessenweit vorne. Seit 2003 wuchs die Zahl der Einwohner von 251 000 auf 270 000. Der Bedarf an Wohnraum ist entsprechend hoch – jährlich fehlen 1600 Wohnungen. Viel Zuzug, viele Geburten bedeuten auch eine große Nachfrage nach Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen sowie nach medizinischer Versorgung, die wie in anderen ländlichen Regionen schwierig ist. So bleibt auch das Thema Kreisklinik Groß-Gerau ein Politikum.

Bei der Landtagswahl 2013 lag die CDU leicht vor der SPD, die im Vergleich zu 2009 mächtig zugelegt hatte. Verlierer war damals vor allem die FDP, aber auch die Grünen hatten Verluste hinnehmen müssen. Die Bischofsheimerin Sabine Bächle-Scholz und der inzwischen verstorbene Mörfelden-Walldorfer Günter Schork setzten sich als Direktkandidaten der CDU durch. Bächle-Scholz tritt auch diesmal im Wahlkreis 47 an und muss ihr Direktmandat gegen die SPD-Politikerin Kerstin Geis verteidigen, die 2013 über einen Listenplatz in den Hessischen Landtag gelangte. Im Wahlkreis 48 versucht Parteikollegin Ines Claus erstmals ihr Glück und muss sich gegen SPD-Favorit Gerald Kummer durchsetzen, der zwar 2013 Schork unterlag, allerdings über einen Listenplatz in den Landtag kam.

Während bei der vergangenen Landtagswahl beziehungsweise auch bei der Bundestagswahl 2017 die CDU die Nase vorne hatte, sieht es auf kommunaler Ebene anders aus: Im Kreistag dominiert die SPD und regiert in einer Koalition mit Grünen, Linken und Piratenpartei. Die CDU ist zweitstärkste Partei und die AfD schaffte es, sich als drittstärkste Kraft zu positionieren.

 Neben dem Erhalt der Arbeitsplätze bei Opel, dem Wohnungsbau, der Bildung, der Gesundheitsversorgung und dem Ausbau des ÖPNV ist eines der drängendsten Probleme im Kreis der erwartete Anstieg des Fluglärms durch den Ausbau des Frankfurter Flughafens.

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