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Schatten in Berlin: Der SPD-Chef Franz Müntefering (Mitte u. rechts) äußert sich zur Hessen-Wahl.

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Schuld war nur die Ypsilanti

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Mit der Wahlanalyse hält sich die Bundes-SPD am Montag nicht lange auf - und eine Absage an die politischen Inhalte der Partei sieht sie auch nicht. Von Steffen Hebestreit

Berlin. "Koch hat nicht gewonnen und Andrea Ypsilanti ist endlich weg vom Fenster." Diese etwas eigenwillige Analyse eines Berliner Sozialdemokraten zeigt, dass sich in der Bundes-SPD am Tag eins nach dem Debakel von Wiesbaden so recht kein Katzenjammer einstellen wollte. Die Niederlage "ist doch längst eingepreist", wie ein Spitzen-Sozialdemokrat sagte.

Weitgehend unspektakulär fiel am Vormittag die Wahlanalyse im Parteipräsidium aus. Keine Sorgen deswegen, dass die Volkspartei in Hessen nicht einmal ein Viertel der Stimmen erhielt. Keine Sorgen deswegen, dass die SPD ihre Wähler nicht mobilisieren konnte. Nicht einmal Ärger über den missglückten Start ins Wahljahr 2009.

Die Diskussion im Spitzengremium der SPD bewegte sich stattdessen eng entlang der Linie, die der Vorsitzende bereits am Wahlabend ausgegeben hatte. Kurz: Die krachende Niederlage in Hessen trägt nur einen Namen: Andrea Ypsilanti.

Die in Ungnade gefallene Genossin war nach ihrem Rücktritt gar nicht erst zur Präsidiumssitzung in Berlin erschienen - und musste doch noch einmal kurz herhalten als Prügelmädel. Mit ihrem Abschied sei der Schaden für die SPD aber "reparabel", betonte Müntefering am Montag.

"Thorsten Schäfer-Gümbel hat herausgeholt, was herauszuholen war", wiederholte sich der SPD-Chef und signalisierte damit seinen zuletzt etwas widerborstigen hessischen Parteifreunden die eindeutige Erwartung, dass der Jungspund an der Spitze voll unterstützt werden möge - und in Hessen wieder zusammenwächst, was zusammengehört.

Der grandios gescheiterte Spitzenkandidat mit dem Doppelnamen bezeichnete das Ergebnis als "Denkzettel, der angekommen ist", und versprach, die hessische SPD nun "in ihrer ganzen Breite aufstellen" zu wollen . Der Vertrauensverlust seiner Partei tue ihm "auch persönlich" leid.

Die Wahl in Hessen sei aber "keine Absage an die politischen Inhalte der SPD", machte Müntefering seiner Partei (wieder) Mut, die neun Monate vor der Bundestagswahl in Umfragen kaum besser dasteht als die gerupfte Sektion Hessen. In dem kurzen Wahlkampf sei es aber nicht um Inhalte gegangen. Die Leute "waren einfach sauer über ein konkretes Verhalten", wie Müntefering Ypsilantis Wortbruch beschrieb.

Schäfer-Gümbel sekundierte, es sei schon "sehr verwegen", die Ergebnisse dieser Landtagswahl auf die Bundesebene übertragen zu wollen. Es gebe in Deutschland keine "großbürgerliche Mehrheit", wie sie in Wiesbaden nun wohl an die Macht kommt. Eine FDP bundesweit auf 16-Prozent-Niveau mag sich niemand im Willy-Brandt-Haus vorstellen.

Verständlicherweise will die Bundes-SPD den Blick nun möglichst schnell von Hessen weg und lieber nach vorn richten. Als nächstes wichtiges Datum hat SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel den 2. Februar gesetzt. An diesem Montag wollen Parteirat und Parteivorstand in Berlin eine gemeinsame Sitzung machen, um die Diskussion über das Wahlprogramm der Genossen einzuläuten. Drei Monate lang soll die Kampagne unter dem Titel "Das neue Jahrzehnt" laufen und am 19. April in einen gemeinsamen Entwurf münden.

Ganz am Ende der Pressekonferenz in Berlin hat Schäfer-Gümbel dann doch noch ein Anliegen: "Jetzt ist auch mal gut mit dem Andrea-Ypsilanti-Bashing", sagt er. Als Sündenbock hat seine Vorgängerin ausgedient.

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