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Eine Brille liegt auf dem Logo der AfD (Symbolfoto).

AfD in Hessen

Am rechten Rand

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Die AfD-Fraktion im Landtag in Hessen wird von Männern dominiert. An der Spitze steht der 51-jährige Robert Lambrou, gelernter Kaufmann und Stadtverordneter in Wiesbaden.

Die Alternative für Deutschland (AfD) zieht erstmals in den Hessischen Landtag ein – doch es ist nicht das erste Mal, dass die rechte Partei im Wiesbadener Landesparlament vertreten ist. Vielmehr wurde dort sogar die erste Rede eines AfD-Abgeordneten in einem deutschen Landtag überhaupt gehalten.

Im Mai 2013 war der FDP-Hinterbänkler Jochen Paulus aus seiner Partei aus- und in die AfD eingetreten, die damals vor allem als eurokritische Gruppierung auftrat. Paulus ist längst Vergangenheit – er wurde von der AfD seinerzeit fallengelassen und gar nicht erst für die Landtagswahl im September 2013 aufgestellt.

Im neuen Landtag stehen neue Namen für die Alternative für Deutschland, deren 19-köpfige Fraktion am rechten Rand Platz nimmt. An ihre Spitze wählte die vorläufige Fraktion den 51-jährigen Robert Lambrou, Vorsitzender der Landes-AfD, gelernter Kaufmann und Stadtverordneter in Wiesbaden. Spitzenkandidat Rainer Rahn, 66-jähriger Arzt und Stadtverordneter aus Frankfurt, wurde von seinen Fraktionskollegen nicht in eine zentrale Funktion berufen. Endgültig konstituieren kann sich die Fraktion erst in der neuen Wahlperiode, die am 18. Januar beginnt.

Mit Spannung wird erwartet, welchen politischen Kurs die hessische AfD einschlagen wird. Der Marburger Erziehungswissenschaftler Benno Hafeneger sieht Lambrou als Vertreter eines „nationalkonservativen“ Flügels. Andere Abgeordnete seien eher als „völkisch-nationalistisch“ einzuordnen oder als „wirtschaftsliberal“, sagt Hafeneger. Kurz vor den Wahlen zu den Landtagen in Bayern und Hessen hatten Hafeneger und seine Kollegin Hannah Jestädt die Sozialstruktur der AfD-Bewerber analysiert. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass die AfD eine „Männerpartei“ sei und dass vorwiegend Kandidaten über 50 Jahre aufgestellt würden. Beruflich gäben die Bewerber häufig leitende Funktionen und akademische Grade an. Die AfD sei keine „Partei der kleinen Leute“. An dieser Einschätzung habe sich mit Blick auf die gewählten Abgeordneten nichts geändert, sagte Hafeneger der Frankfurter Rundschau.

Tatsächlich ist der Frauenanteil in keiner hessischen Landtagsfraktion so gering wie bei der AfD. Zwei der 19 Abgeordneten sind weiblich – eine Quote von 10,5 Prozent. Selbst bei der traditionell männergeprägten FDP stellt sich das Verhältnis mit zwei Frauen bei elf Mandaten deutlich ausgeglichener dar.

Von den 19 AfD-Abgeordneten sind mehr als zwei Drittel über 50 Jahre alt. Der größte Anteil entfällt mit acht Parlamentariern auf die Gruppe der 50- bis 59-Jährigen. Das entspricht den Ergebnissen bei der Erhebung zu den hessischen und bayerischen Landtagskandidaten. Hafeneger und Jestädt waren unter den 141 Bewerbern, deren Alter ermittelt werden konnte, auf 36 Prozent im Alter von 50 bis 59 gestoßen.

Beruflich sticht bei den hessischen Abgeordneten der hohe Anteil von Polizisten hervor. Gleich drei der 19 Politiker geben diesen Beruf an. Daneben finden sich Lehrer, ein Rechtsanwalt, ein Historiker, ein Volkswirt und ein Betriebswirt, eine Heilpraktikerin, ein Maschinenbauer und einige andere Berufe.         

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