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Werden mehr: Windräder.

Energiegipfel

Platz frei für die Windkraft

Hessen will zwei Prozent des Landes als Vorrangfläche ausweisen - deutlich mehr als bisher. Wo im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main künftig Windräder gebaut werden dürfen, ist noch offen. Im regionalen Flächennutzungsplan sind dafür noch keine Flächen reserviert.

Von Von Pitt von Bebenburg und Peter Hanack

Zwei Prozent der Fläche Hessens sollen künftig der Windkraft vorbehalten sein. So sieht es das Konzept vor, das in einer Arbeitsgruppe des von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) eingesetzten Energiegipfels erarbeitet wurde.

Diese Arbeitsgruppe wird von Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) gemeinsam mit dem SPD-Umweltpolitiker Manfred Görig geleitet. Posch sagte nach der Sitzung des Energiegipfels am Dienstag in der Wiesbadener Staatskanzlei allerdings, die genauen Windkraft-Vorgaben an die Regierungspräsidien seien noch „der abschließenden Diskussion vorbehalten“. Der hessische Grünen-Chef Tarek Al-Wazir meinte, aus seiner Sicht wäre die Einigung auf ein Zwei-Prozent-Ziel „ein Fortschritt“.

Eine Vertreterin von Poschs Ministerium hatte das Konzept bereits vor Vertretern des Regionalverbandes vorgestellt. Zwei Prozent der Landesfläche könnten demnach genügen, um die für eine Energiewende benötigten sieben Terrawatt-Stunden Windstrom erzeugen zu können.

Zwei Prozent sind deutlich mehr, als bisher zur Diskussion standen. Nach den neuesten verfügbaren Zahlen für den Regierungsbezirk Südhessen waren 2009 gerade einmal 0,11 Prozent für die Stromerzeugung aus Windkraft genutzt – das sind 800 Hektar auf zwölf Standorten.

Wo im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main künftig Windräder gebaut werden dürfen, ist noch offen. Im regionalen Flächennutzungsplan sind dafür noch keine Flächen reserviert. Dies soll in den nächsten Monaten geschehen. „Wenn wir es erreichen, hier ein Prozent der Windkraft zu widmen, ist das sicher gut“, sagte Ludger Stüve, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Regionalverband. Er geht davon aus, dass in Nord- und Mittelhessen größere Anteile der Fläche für Windkraft vorgehalten werden sollen als im eng bebauten und relativ windarmen Ballungsraum.

Ministerpräsident Bouffier kündigte am Dienstag an, dass der Energiegipfel erst später Ergebnisse liefern solle als bisher geplant. Statt Ende September ist das letzte Treffen jetzt am 10. November geplant. „Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, sagte der Regierungschef. An dem Gipfel sind neben der Regierung auch alle fünf Landtagsfraktionen sowie Vertreter von Wirtschaft, Gewerkschaften, Verbänden und Wissenschaft beteiligt. Er sei sicher, man werde „einen weiten Sprung aus den Schützengräben“ machen, lobte Bouffier das Klima.

Nicht alle bewerteten das Treffen derart positiv. Für die SPD bemängelte der Umweltpolitiker Timon Gremmels, der Gipfel trete auf der Stelle, weil die Koalition nichts vorlege. CDU-Fraktionschef Christean Wagner kommentierte, er habe den Eindruck, „dass die SPD bei dieser Veranstaltung nörgelt“. Als Gremmels erwiderte, seine Partei beteilige sich konstruktiv, zog Florian Rentsch (FDP) zur allgemeinen Erheiterung einen versöhnlichen Schluss: Die SPD würde „wenigstens konstruktiv nörgeln“.

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