Kommentar zur EBS

Ohne Illusion

Ausgerechnet die schwarz-gelbe Landesregierung muss der EBS einen schweren Schlag versetzen - jener EBS, zu der viele Prominente aus dem eigenen Lager beste Kontakte unterhalten.

Von Von Pitt von Bebenburg

Was nun, EBS? Die Wiesbadener Elite-Hochschule sollte ein Vorzeigeprojekt werden, nicht nur für Wirtschaftsmanager, sondern auch für Teile der Politik. Vor allem die FDP, aber auch viele Akteure der CDU haben darauf gesetzt, dass sich an der European Business School die Vorzüge privater Hochschulen belegen lassen: erstklassige Ausbildung mit Perspektive auf Topjobs mit vergleichsweise geringen staatlichen Zuschüssen.

Viele Prominente aus dem schwarz-gelben Lager sind deshalb eng mit der EBS verbunden: von EBS-Ehrenpräsident Walther Leisler Kiep, dem CDU-Bundesschatzmeister aus der Zeit der schwarzen Kassen, bis zu Ex-Bundesminister Matthias Wissmann, dem Wiesbadener OB Helmut Müller (beide CDU), dem FDP-Fraktionschef im Landtag, Florian Rentsch, und Vize-Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn (FDP).

Nun muss ausgerechnet eine schwarz-gelbe Landesregierung jener EBS einen schweren Schlag versetzen, die ohnehin durch mehrere Affären gebeutelt ist. Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) will viel Geld zurück, das die Privat-Hochschule nach ihrer Auffassung nicht korrekt verwendet hat. Schlimmer hätte es nicht kommen können für die EBS.

Der neue EBS-Präsident Rolf Cremer ist nicht zu beneiden. Hatte er doch bei seinem Einstand vor nicht mal zwei Monaten beteuert, dass er sich in dieser Hinsicht keine Sorgen mache. Cremer hatte aber noch etwas anderes gesagt: Für das, was in einer Organisation passiere, sei der Präsident verantwortlich. Damit trifft er im Nachhinein seinen Vorgänger Christopher Jahns, der in den Jahren 2009 und 2010 die Verantwortung trug, in denen das Landesgeld ausgegeben wurde.

Die neue Wendung trifft die Hochschule mindestens genau so hart wie die Untreue-Vorwürfe gegen ihren früheren Präsidenten Jahns. Denn an der EBS soll ja eine Elite ausgebildet werden, die mit moralischen Maßstäben und gesetzestreu mit Recht und Geld umgeht. Dafür lässt sich schwerlich werben, wenn solche Standards im praktischen Handeln der eigenen Institution in Frage stehen.

Die neue Entwicklung ist Wasser auf die Mühlen der linken Opposition, die eine staatliche Finanzierung dieser privaten Hochschule grundsätzlich ablehnt. Umso beachtlicher ist es, dass Ministerin Kühne-Hörmann die Konsequenzen aus dem Bericht der Wirtschaftsprüfer zieht. Richtig so – denn parteipolitische Rücksichtnahme darf bei der ordentlichen Verwendung von Steuergeld keine Rolle spielen. Für manchen aus der Regierungskoalition aber dürfte der Befund der Ministerin das Ende der Illusion von einer perfekten Hochschule sein.

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