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Mehr Sicherheit an Tagesbaustellen sollen fahrerlose Absicherungsfahrzeuge bieten.

Hessen Mobil

Ohne Fahrer auf der Autobahn

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Hessen testet automatische Fahrzeuge auf dem Seitenstreifen zum Sperren von Baustellen. Für das Projekt hat der Bund 3,4 Millionen Euro veranschlagt.

Auf hessischen Straßen könnten demnächst die ersten vollautomatischen Fahrzeuge unterwegs sein. Die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil will ein Absperrfahrzeug für Tagesbaustellen einsetzen, das ohne Fahrer auskommt. Das hat Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) angekündigt.

In seiner Antwort auf Fragen des FDP-Abgeordneten Jürgen Lenders schrieb der Minister jetzt, die fahrerlosen Fahrzeuge würden „auf dem Seitenstreifen von Autobahnen erprobt“. Al-Wazir versichert, dabei seien „vom Fahrzeug und seinen Komponenten strengste Sicherheitskriterien zu erfüllen“. Der Einsatz werde „durch spezielle Untersuchungen zum Verkehrsablauf“ begleitet.

Das Forschungsvorhaben wird von der Bundesanstalt für Straßenwesen gemeinsam mit Hessen Mobil und sechs Partnern aus Industrie und Forschung betrieben. Für das Projekt hat der Bund 3,4 Millionen Euro veranschlagt. Es läuft über vier Jahre.

„Tagesbaustellen an Autobahnen stellen für das Baustellenpersonal ein hohes Risiko dar, denn es kommt immer wieder zu schwerwiegenden Auffahrunfällen auf das Absicherungsfahrzeug“, heißt es bei der Bundesanstalt zur Begründung. Ein Fahrzeug, das „unbemannt vollautomatisch“ funktioniere, könne für mehr Sicherheit, insbesondere für die Straßenarbeiter, sorgen.

Es ist nicht das einzige Projekt im Bereich des vernetzten und automatisierten Fahrens, bei dem die Bundesanstalt gemeinsam mit Hessen Mobil tätig ist. So arbeiten beide zusammen mit europäischen Partnern daran, eine Straßenstrecke von Rotterdam über Frankfurt bis Wien mit spezieller Technik auszustatten. Sie soll es ermöglichen, Autofahrer rechtzeitig vor Tagesbaustellen und Staus zu warnen. Dafür werde eine sogenannte „Car-to-Car-Communication“ entwickelt, die Daten von vorausfahrenden Autos an die folgenden Fahrer weitergibt.

„Eurokorridor“ kommt 2017

Dieser „Eurokorridor“ über Frankfurt solle 2017 verwirklicht werden, berichtet Al-Wazir. Im Jahr danach sei die flächendeckende Einführung des Systems in Deutschland vorgesehen. Der grüne Minister setzt verstärkt darauf, Autofahrern den Wechsel auf Bus, Bahn oder Fahrrad zu ermöglichen. Dabei kommen aus seiner Sicht auch automatisch fahrende Busse und Bahnen infrage.

Notwendig sei aber auch dann, dass ein Fahrer hinter dem Steuer sitze – und zwar wegen der „Akzeptanz in der Bevölkerung“, schreibt Al-Wazir. „Erfahrungen zeigen, dass hier zunächst oft Vorbehalte bestehen, die überwunden werden müssen.“ Daher müssten die Fahrer in der Lage sein, die vorhandenen Systeme abzuschalten und das Geschehen selbst zu übernehmen.

Der Fragesteller von der FDP findet Hessens Engagement für die Zukunft höchst unbefriedigend. Während in Bayern auf der A9 das „Digitale Testfeld Autobahn“ laufe, habe sich „in Hessen in den letzten Jahren fast gar nichts getan und wir haben unsere einstige Vorreiterrolle verloren“, klagt der freidemokratische Verkehrspolitiker Jürgen Lenders.

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