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Schüler und Schülerinnen an Grundschulen in Hessen werden künftig eine Stunde Deutschunterricht mehr haben.

Koalition in Hessen

Mehr Deutschunterricht in Hessen geplant

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Die schwarz-grüne Koalition in Hessen vereinbart zusätzliche Deutschstunden an Grundschulen und will bessere Sprachkenntnisse zum Schwerpunkt ihrer Schulpolitik machen.

An hessischen Grundschulen wird künftig eine Stunde Deutsch pro Woche zusätzlich unterrichtet. Das haben CDU und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, der am Donnerstag in Wiesbaden präsentiert wurde. 

Bisher gibt es in den ersten und zweiten Klassen nach Angaben des Kultusministeriums jeweils sechs Wochenstunden Deutsch. In den dritten und vierten Klassen sind es fünf Wochenstunden. 
Für die zusätzliche Deutschstunde werde kein anderer Unterricht gestrichen, erläuterten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und sein Stellvertreter Tarek Al-Wazir (Grüne). Man werde die Zahl der Lehrkräfte aufstocken, um diesen Unterricht möglich zu machen. In welchem Jahr die ergänzende Deutschstunde eingeführt wird, ist ungewiss. Bouffier und Al-Wazir verwiesen darauf, dass die Vorhaben des Koalitionsvertrags im Laufe der nächsten fünf Jahre umgesetzt würden. „Das geht nicht von jetzt auf gleich“, stellte Al-Wazir fest.

CDU und Grüne denken auch an zusätzlichen Deutschunterricht in den Jahrgangsstufen fünf und sechs sowie an „die Einführung von spezifischen Förderkursen mit verpflichtendem Charakter“. Dies werde geprüft, heißt es im Koalitionsvertrag.

Die Verbesserung der Deutschkenntnisse soll ein Schwerpunkt der Schulpolitik werden. Die Beherrschung der deutschen Sprache sei „von entscheidender Bedeutung für ein Leben in unserem Land und die Integration in unsere Gesellschaft“, formulieren die Koalitionspartner. 

Lesen und Schreiben werden im Koalitionsvertrag als „Schlüsselqualifikationen“ bezeichnet. Grundschülerinnen und -schüler sollten „von Beginn an zum korrekten Schreiben angeleitet werden“. Ein Vorgehen nach der Methode „Schreiben nach Gehör“ werde es daher an Hessens Schulen nicht geben. 

In zahlreichen Bereichen wollen CDU und Grüne zusätzliches Personal bereitstellen. So soll es 1000 zusätzliche Stellen bei der Polizei geben und 300 Professorenstellen an den Hochschulen. Auch 500 Verwaltungskräfte für die Schulsekretariate sind auf Kosten des Landes vorgesehen   – auch wenn dies eigentlich Sache der Kommunen wäre, wie Al-Wazir deutlich machte. 

CDU und Grüne hatten sich darauf verständigt, dass es neben dem Ministerpräsidenten künftig elf Minister gibt. Bisher waren es zehn gewesen, doch nun kommt ein Ministerium für digitale Entwicklung hinzu. Es solle über einen Haushalt von rund einer Milliarde Euro verfügen können, kündigte Bouffier an.

Der zusätzliche Ministerposten stieß beim Bund der Steuerzahler ebenso wie bei SPD und FDP auf Kritik. Der FDP-Landesvorsitzende Stefan Ruppert sprach von einer „Aufblähung des Apparats“. 

Der SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel kommentierte: „Das Digitalministerium, dessen Kompetenzen noch völlig im Dunkeln liegen, scheint vor allem dazu gedacht, der CDU die Abgabe von zwei Ministerien an die Grünen erträglicher zu machen.“ Auch der Vorsitzende des Steuerzahlerbundes, Joachim Papendick, äußerte den Eindruck, „dass der zusätzliche Posten vor allem geschaffen wurde, um alte Pfründe zu sichern“. Das sei unverantwortlich gegenüber den Steuerzahlern.

Lob für die Einrichtung eines Digitalministeriums kam hingegen von den Unternehmerverbänden. Ihr Präsident Wolf Matthias Mang sieht darin eine Struktur, „die der überragenden Bedeutung dieser großen Transformation entspricht“.

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