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So soll die neue Schule ab Sommer 2018 aussehen.

Offenbach

Lernen vor den Toren der Stadt

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Die AWO baut in Offenbach mitten im Wald eine inklusive Grundschule.

Eine neue Grundschule, umgeben von Grün, wo Mitte nächsten Jahres schon der Unterricht beginnt? Was in Offenbach, wo etliche Schulen auf ihre Sanierung warten, wie ein verspäteter Aprilscherz klingt, soll nach den Plänen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Realität werden. Der Verband errichtet im Wald südlich der Stadthalle am Wildhofsbach eine inklusive private Grundschule für 176 Kinder. Die Halle eines KfZ-Betriebs, auf dessen Gelände die Schule entsteht, ist schon verschwunden und das Grundstück wird nun für die Bauarbeiten vorbereitet. Auch einen Namen hat die neue Einrichtung schon: Wildbachschule.

Geplant ist ein zweistöckiger Bau für zunächst zwei erste Klassen mit je 22 Kindern – nach vier Jahren sollen es acht Klassen sein. Zusätzlich zu den Unterrichts- und Arbeitsgruppenräumen ist eine „Forscherwerkstatt“ geplant, eine Bibliothek, eine Lehrküche und ein Musikraum – dazu kommt ein Außenbereich sowie Therapie- und Entspannungsräume und eine Bewegungshalle. Die Schule ist als Ganztagsschule mit Nachmittagsbetreuung konzipiert.

Die Projekt- und künftige Schulleiterin Silke Klaußner beschreibt die neue Schule als inklusive „Draußenschule“ – denn an einem Tag pro Woche soll der Unterricht grundsätzlich außerhalb der Klassenräume stattfinden: das kann ein Erlebnisspaziergang durch den angrenzenden Wald sein oder ein Besuch im Museum. Kern der Schule ist der inklusive Charakter: Auf fünf Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf kommen 17 ohne – und mindestens drei Erwachsene: Lehrer, Sozialpädagogen und etwa Ergotherapeuten.

Alle Kinder lernen Gebärdensprache

Zu dem inklusiven Konzept gehört auch die Sprache: So sollen alle Kinder ab der ersten Klasse Gebärdensprache lernen. „Ich bin mir sicher, dass sich das durchsetzen wird“, ist Klaußner von dem Ansatz überzeugt. In Nachbarschaft der neuen Schule befinden sich neben viel Wald weitere AWO-Einrichtungen wie ein Werkstättenbetrieb, ein Café – das etwas Platz an die Schulmensa abgibt – und eine Kita. Deren Erfolg habe mit dazu beigetragen, dass sich die AWO dazu entschlossen hat, auch noch eine Grundschule auf dem Areal zu bauen, erzählt Klaußner.

Das umfassende Angebot der Wildbachschule hat allerdings seinen Preis: Die monatliche Gebühr wird hier pro Kind 390 Euro betragen, dazu kommen 60 Euro für das Essen. Die AWO investiert rund sechs Millionen Euro in das Projekt, mit Zuschüssen von Land und Stadt kann der Verband ab dem vierten Betriebsjahr rechnen.

Offenbachs Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) bezeichnet die neue Schule als „Bereicherung“. Sorge, dass die Privatschule die soziale Balance durcheinanderbringen könnte, weil wohlhabendere Eltern ihre Kinder dorthin schicken, hat Weiß nicht – dafür sei die Schule, die auch um Kinder aus dem Landkreis wirbt, zu klein. Zu klein sei die Schule wahrscheinlich aber auch, um die städtischen Schulen spürbar zu entlasten. Die Stadt hält daher weiter an ihren Plänen fest, in der Innenstadt, wo der Bedarf besonders hoch ist, eine neue öffentliche Grundschule zu errichten.

Das Interesse an der Wildbachschule und ihrem besonderen Konzept (siehe Kasten), sagt Silke Klaußner, sei jedenfalls schon da: Es gibt eine Liste mit interessierten Eltern, Infoveranstaltungen in Stadt und Kreis sind geplant – eine Homepage ebenso.

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