Kommentar

Ein Land wird grüner

  • schließen

Das Land ist nach der Landtagswahl vom Sonntag sehr viel grüner geworden.

Hessen erscheint schwarz, wenn man sich die Karte auf dieser Seite anschaut. Doch der Eindruck trügt. Das Land ist nach der Landtagswahl vom Sonntag sehr viel grüner geworden. 

Vielerorts haben die Grünen die SPD überflügelt. Erstmals in Hessen holten sie Direktmandate, und dann gleich fünf, allesamt in den großen Städten des Landes. Dort, in Frankfurt und Offenbach, Darmstadt und Kassel, sind die Grünen jetzt Volkspartei. 
Dank eines minimalen Vorsprungs vor der SPD haben die Grünen den zweiten Platz im Parteienspektrum erobert. Sie verfügen sogar über eine Option, den Ministerpräsidenten zu stellen.

Wahrscheinlich ist es nicht, dass diese Variante kommt. In der gebeutelten SPD würden es manche als zusätzliche Demütigung empfinden, in eine Regierung unter einem grünen Ministerpräsidenten Tarek Al-Wazir einzutreten. Und die FDP will bei einer Ampel ohnehin nicht mitmachen. 

Hessen kann sich daher wohl auf eine neue schwarz-grüne Koalition einstellen. Doch es wird nicht die gleiche sein wie in den vergangenen fünf Jahren. 

Das hat mit den erstarkten Grünen zu tun, die mehr Einfluss und Posten fordern können. Sie treffen auf eine geschwächte CDU, bei der mehrere Minister den Wiedereinzug in den Landtag verpasst haben und die nun ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Profilierung entwickeln wird.
Während die Grünen vor Kraft strotzen, steht der CDU zudem ein Generationenwechsel bevor. Der 66-jährige Parteichef Volker Bouffier wird 2023 nicht wieder antreten und muss dafür sorgen, dass ein Nachfolger klug aufgebaut wird – sei es Finanzminister Thomas Schäfer, sei es Fraktionschef Michael Boddenberg. 

Wenn die Zusammenarbeit gelingt, können gestärkte Grüne dem Land guttun. Dort wo Schwarz-Grün bisher geschwächelt hat, muss die neue Regierung deutliche Akzente setzen: beim Wohnungsbau etwa, bei der Armutsbekämpfung oder bei der Unterstützung von Lehrkräften. 
Auf die Inhalte kommt es an: Mit dieser Botschaft treffen die Grünen den Nagel auf den Kopf. Die Wahl ist zwar vorüber. Aber die Arbeit an den Inhalten beginnt jetzt erst richtig. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare