Kein Ausbau der Landebahn

Landtagskandidaten wollen Status quo in Gelnhausen halten

GELNHAUSEN. Für ein striktes Nachtflugverbot für den Frankfurter Flughafen sowie gegen einen Ausbau der Start- und Landebahn des Flugplatzes in Gelnhausen sprachen sich die Landtagskandidaten Heinz Lotz (SPD), Udo Rutkowski (Grüne) und Andreas Rink (FDP) bei einer Podiumsdiskussion in der Stadthalle aus, zu der die IG Fluglärm Kinzigtal eingeladen hatte. Außerdem machten sich die drei Politiker für ein leiseres Anflugverfahren in Frankfurt und die Verlegung der US-Hubschrauber in Erlensee stark.

"Wir haben einiges gehört, was uns Mut macht", bilanzierte Roland Gerls, zweiter Vorsitzender IG Fluglärm. Allerdings war das Podium dünner besetzt als erhofft: Neun Kandidaten aus den drei Main-Kinzig-Wahlkreisen waren eingeladen, aber nur Lotz, Rutkowski und Rink kamen. Ein Vertreter der CDU fand sich nicht ein. Aber auch das Interesse der Fluglärm-Betroffenen hielt sich in Grenzen: Knapp 50 Stühle waren besetzt, die organisierten Fluglärm-Gegner waren fast unter sich.

Die für die IG entscheidenden Zahlen bekamen die Landtagskandidaten gleich zu Beginn mit auf den Weg: In monatelangen Messreihen habe nachgewiesen werden können, dass in Gelnhausen-Hailer und -Meerholz sowie in Rodenbach nicht nur die in Wohngebieten gültigen Grenzwerte von 45 Dezibel überschritten würden. Auch die im Umfeld des Flughafens maßgeblichen 57 Dezibel, die als Schwelle zum krankmachenden Lärm gälten, würden zum Teil deutlich übertroffen.

Auch wenn alle drei Politiker für ein striktes Nachtflugverbot eintraten - gegen den Ausbau des Rhein-Main-Flughafens sprach sich trotz der von den Fluglärmgegnern prognostizierten "täglichen Dauerbeschallung von fünf bis 23 Uhr" nur Rutkowski aus. Er hält eine zusätzliche Start- und Landebahn für verzichtbar. Dagegen sehen SPD und FDP keine Alternativen zum Ausbau. "Die Vergrößerung ist wichtig für die Wirtschaftskraft, die Mobilität und für Arbeitsplätze", erklärte Rink und auch Lotz will sich einer Expansion nicht verschließen. Allerdings müsse es eine Optimierung der Betriebsabläufe, einen Anti-Lärm-Pakt, eine Kooperation mit anderen Flughäfen und eine Änderung des Anflugverfahrens geben.

Vor allem von einem geänderten Anflugverfahren versprechen sich auch die Fluglärmgegner Ergebnisse: Das bereits lange geforderte Gleitflugverfahren ergebe bei doppelter Flughöhe eine vierfache Lärmminderung, erklärte Gerls. Das überzeugte auch die drei Politiker - falls es technisch möglich sei.

Uneingeschränkte Unterstützung erhielt die IG Fluglärm dagegen für ihre Forderung, einem Ausbau der Landebahn des Gelnhäuser Flughafens einen Riegel vorzuschieben. Lotz kündigte sogar an, sich im Landtag für die Herausnahme des Flugplatzes Gelnhausen aus dem Landesentwicklungsplan verwenden zu wollen: "Der Status quo soll gehalten werden. Die Menschen in Gelnhausen haben sich in einem Bürgerbegehren klar und deutlich gegen Ausbaupläne ausgesprochen, dies soll nun auch in den Planungen der Landesregierung berücksichtigt werden."

"Etwas auf den zu Weg bringen", versprachen Lotz, Rink und Rutkowski zudem in Sachen Fliegerhorst Erlensee - "auch wenn dabei der Kreis oder der Landtag nicht die besten Karten in der Hand haben". Lärmbelastungen von bis zu 110 Dezibel in Wohngebieten machten jedoch die Forderungen auf eine Verlegung der US-Basis "absolut nachvollziehbar." fnk

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