Handeschütteln hinter einer Jamaika-Fahne.
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Hessentrend-Umfrage

Jamaika oder Groko für Hessen

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Schwarz-Grün stünde laut Umfrage in Hessen ohne Mehrheit da. SPD-Mann Schäfer-Gümbel holt gegenüber Bouffier auf.

Nach der Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober könnte die Regierungsbildung ähnlich schwierig werden wie im Bund. Möglich wären – wie in Berlin – eine Jamaika-Koalition von CDU, Grünen und FDP oder eine große Koalition, wenn die Wahl so ausgehen sollte wie eine Umfrage im Auftrag des Hessischen Rundfunks, die am Freitag veröffentlicht wurde. Für eine Neuauflage von Schwarz-Grün würde es nicht reichen.

Laut „Hessentrend“-Umfrage käme die CDU auf 31 Prozent, die SPD auf 25, die Grünen auf 13, Linke und FDP auf jeweils 8 Prozent. Die AfD würde mit 12 Prozent erstmals in den Hessischen Landtag einziehen, als viertstärkste Kraft. Das Forschungsinstitut Infratest-Dimap hatte die Stimmung im Land im Auftrag des HR ermittelt. Es ist die erste Hessenumfrage seit einem Jahr.

Die CDU könnte weiter den Ministerpräsidenten stellen, obwohl sie gegenüber der Landtagswahl 2013 die größten Verluste zu verzeichnen hätte, nämlich 7,3 Prozentpunkte. Die SPD würde 5,7 Punkte einbüßen. Die vier kleineren Parteien könnten zulegen. Im Vergleich zur Umfrage vor einem Jahr verliert die CDU einen Punkt, die SPD gewinnt einen hinzu.

CDU-Generalsekretär Manfred Pentz kommentierte, seine Partei sei mit den Ergebnissen der Umfrage „nicht zufrieden“ und nehme sie als „Ansporn für die kommenden Monate“. Allerdings konstatierte er, die Menschen wünschten sich, dass Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) auch die nächste Landesregierung anführe.

Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten würden sich 45 Prozent für den CDU-Amtsinhaber entscheiden und 40 Prozent für den SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel. Die Sozialdemokraten verbuchten zu ihren Gunsten, dass ihr Spitzenkandidat seit der Umfrage vor einem Jahr fünf Prozentpunkte zugelegt hat, während Bouffier drei Punkte einbüßte. „Thorsten Schäfer-Gümbel ist Volker Bouffier in Schlagweite auf den Fersen“, schloss SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser daraus. Allerdings glauben nur 29 Prozent, dass eine SPD-geführte Regierung die Probleme in Hessen besser lösen könnte. Mit 54 Prozent glaubt eine klare Mehrheit nicht daran.

Bouffier die stärkere Führungspersönlichkeit

Im direkten Vergleich hält eine deutliche Mehrheit der Hessen Bouffier für die stärkere Führungspersönlichkeit und glaubt, dass er mehr von Wirtschaft versteht. Schäfer-Gümbel setzt sich nach dem Eindruck der meisten stärker für soziale Gerechtigkeit ein.

Zu den populärsten Politikern im Lande gehört mit Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auch der Vertreter einer kleineren Partei. Er ist genauso bekannt wie Schäfer-Gümbel und beliebter als der SPD-Mann. Die Grünen-Spitze sprach von „herausragenden Beliebtheitswerten“ Al-Wazirs.

Grüne und Linke zeigten sich erschrocken über das zweistellige Ergebnis für die AfD. Es stehe „für ein erschreckend gutes Abschneiden einer fremdenfeindlichen, im Kern rassistischen Gruppierung“, sagte der Linken-Vorsitzende Jan Schalauske. „Wir kämpfen dafür, dass der Hessische Landtag auch weiterhin AfD-frei sein wird“, sagten die Grünen-Vorsitzenden Angela Dorn und Kai Klose.

Als mit Abstand wichtigste Probleme in Hessen sehen die Hessinnen und Hessen laut der Umfrage Bildung und Schule. Dahinter rangieren Fragen der Flüchtlingspolitik, des Verkehrs, der sozialen Ungerechtigkeit und des Wohnens.

Dabei wird die Bildungspolitik von 41 Prozent der Menschen als wichtiges Thema genannt, 14 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Das Interesse an Flüchtlings- und Einwanderungsfragen ist gesunken, von 45 auf 30 Prozent.

Es gibt allerdings viele Menschen, die sich Sorgen wegen der Flüchtlingszuwanderung machen. 60 Prozent befürchten eine zunehmende Zahl von Straftaten, jeweils mehr als 50 Prozent eine sinkende Qualität des Schulunterrichts, eine Verschlechterung der Sicherheitslage und größere Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt.

Diese Sorgen haben im vergangenen Jahr zugenommen. Am stärksten verbreitet sind sie unter AfD-Anhängern, wie aus der Umfrage hervorgeht.

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