+
Jan Winkelmann (r.) von der BI informierte über das Ausschreibungsverfahren.

Mühlheim

Ein Jahr ohne Fähre

  • schließen

Eine Bürgerinitiative demonstriert für die Wiederinbetriebnahme der Mainfähre bei Mühlheim.

Man kann die Spielgeräte von hier aus sehen“, sagt Dieter Matros-Laufer und weist auf die Dörnigheimer Mainseite. Für viele Familien nahe der Mühlheimer Mainfähre sei das ein schöner Spielplatz gewesen, nun aber sei er fast unerreichbar. „Mein Arzt hat seine Praxis in Dörnigheim: Bisher war ich in wenigen Minuten bei ihm, nun dauert es, da ich über Kesselstadt fahren muss“, sagt er.

Wie Matros-Laufer geht es vielen in Mühlheim und Maintal, seit vor knapp einem Jahr die Fährverbindung eingestellt wurde. Am Samstag hat die Bürgerinitiative (BI) an die Schließung der Verbindung im Oktober 2017 erinnert. „Es ist ein Geburtstag der traurigen Art“, sagt Jan Winkelmann von der BI. Um ihn dennoch zu versüßen, gab es eine Torte, auf deren Zuckerguss die Fähre in Betrieb ist. Und mit unmissverständlicher Botschaft: „Wir wollen die Fähre zurück“, steht auf ihr geschrieben.

Seit vergangenen Oktober dem Pächter gekündigt wurde, habe sich beim Kreis Offenbach und den Städten Mühlheim und Maintal nur wenig getan, bemängelt die BI. Ein Markterkundungsverfahren des Kreises verlief ergebnislos, die Städte weigerten sich, die Fähre zu bezuschussen. „Ohne den Druck der BI wäre das Thema wohl abgehakt worden“, ist sich Dieter Winterstein aus Maintal sicher.

Zwar gebe es in Mühlheim inzwischen eine Initiative der Stadt zum Betrieb der Fähre durch die Stadtwerke, und auch beim Kreis laufe bis Monatsende noch ein Ausschreibeverfahren für einen neuen Pächter, doch bei der BI sind die Erwartungen gedämpft. „In der Mühlheimer Stadtverordnetenversammlung hieß es zuletzt, dass es nur einen Interessenten beim Kreis gebe – das ist wenig“, sagt Winkelmann. Außerdem müsse die Fähre modernisiert werden, zu oft sei sie wegen technischer Probleme in den vergangenen Jahren ausgefallen. „Aber wirklich Geld in die Hand nehmen möchte keiner“, sagt Petra Schneider von der BI.

Verärgert sind die Mitglieder der BI auch über die jüngste Abstimmung der Maintaler Stadtverordneten: Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) hatte eine Anschubfinanzierung in Aussicht gestellt, doch die dortige SPD formulierte einen Antrag dagegen. „CDU und FDP haben den unterstützt, und damit ist die Anschubfinanzierung gestrichen“, sagt sie.

Die Fähre scheine die jeweiligen Magistrate und Landkreise wenig zu interessieren, heißt es immer wieder am Samstag. „Dabei sind die Einwohner beider Städte auf sie angewiesen“, sagt Matros-Läufer. Ulrike Löwer, Lehrerin am Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasium sieht es ähnlich. „Für Kollegen aus Maintal war die Fähre die Verbindung zur Schule“, sagt sie. Problematisch sei es nun auch für die Maintaler Schüler der Mühlheimer Montessori-Schule. „Überall werden kurze Wege gefordert, und hier wird eine wichtige Verbindung gekappt“, sagt Waltraud Kaiser. „Aber wir werden weiter protestieren“, meint sie kämpferisch.

Auch Barbara Hill vom Bistro Riverside an der Fähre hofft, dass es bald wieder eine Verbindung über den Main gibt. „Wir haben vor zwei Monaten eröffnet. Gerade für Ausflügler wäre die Fähre wichtig“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare