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Volker Bouffier wies vor ein paar Wochen auf die Differenzen zur CSU hin.

Landtagswahl

Hessen soll kein Bayern werden

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CDU und SPD in Hessen grenzen sich nach dem Wahldesaster in Bayern deutlich von der CSU und den bayrischen Sozialdemokraten ab. Die Grünen sehen eine "sehr gute Vorlage".

Kurz nach dem Absturz von CSU und SPD in  der Bayern-Wahl hoffen hessische Politiker von Union und SPD, dass die Wähler zwischen den Bundesländern zu unterscheiden wissen. „Ich bin gottfroh, dass Volker Bouffier und die hessische CDU das genaue Gegenteil des Crash-Kurses von CSU-Chef Seehofer fahren“, kommentierte der Vorsitzende der hessischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Brand, am Montag.

Auch der hessische CDU-Vorsitzende und Ministerpräsident Volker Bouffier hob zwei Wochen vor der Landtagswahl in Hessen die Differenzen zur CSU und zu den Auseinandersetzungen in der großen Koalition auf Bundesebene hervor.

In Hessen sei die CDU geschlossen und arbeite mit den Grünen als Koalitionspartner konstruktiv zusammen, stellte er fest. CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg gab als Ziel für die nächsten zwei Wochen aus, man müsse es „hinbekommen, dass wir über Hessen reden“.

Der SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel brachte es auf die Formel: „Bayern ist Bayern und Hessen ist Hessen.“ Er sei „zuversichtlich, dass es wie immer in Hessen eng wird“ und  die SPD am Ende die Nase vorn haben werde. Angesichts von Unterrichtsausfall an den Schulen und Mangel an bezahlbaren Wohnungen sagte Schäfer-Gümbel in Richtung CDU, es glaube „niemand, dass diejenigen, die das 19 Jahre lang nicht hingekriegt haben, das jetzt in fünf Jahren hinkriegen“.

In Bayern hatten SPD und CSU jeweils mehr als zehn Prozentpunkte eingebüßt und ihre schlechtesten Ergebnisse seit Jahrzehnten eingefahren. Das größte Plus erzielten die AfD und die Grünen. Der grüne Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir nannte das Ergebnis seiner Parteifreunde in Bayern „eine sehr, sehr gute Vorlage für uns“. Er sehe es zudem als Vorteil für die hessischen Grünen an, dass sie den Wahlkampf als Regierungspartei führen könnten.

„Die bayerischen Grünen fordern das Schülerticket für 365 Euro im Jahr“, sagte Al-Wazir. „Wir haben’s gemacht.“ An solchen Beispielen könnten die Menschen sehen, dass die Grünen das Land in die richtige Richtung bewegten. „Die Leute finden es gut, wenn wir Verantwortung übernehmen wollen“, zeigte sich Al-Wazir überzeugt.

Der hessische AfD-Landessprecher Robert Lambrou äußerte die Erwartung, dass seine Partei in Hessen noch stärker abschneiden werde als in Bayern. Die AfD rechne mit „15 Prozent plus X“, sagte Lambrou. Sein Ko-Parteisprecher Klaus Herrmann wies darauf hin, dass es mit den starken Freien Wählern in Bayern einen „Sonderfaktor“ gebe, der die AfD dort Stimmen gekostet habe.

Die Freien Wähler, die seit 2008 dem Landtag in München angehören, waren in Bayern zur drittstärksten Kraft gewählt worden und können davon ausgehen, in einer Koalition mit der CSU zu regieren. In Hessen hatten sie 2009 noch 1,6 Prozent und 2013 dann 1,2 Prozent der Wählerstimmen errungen. Nach dem Erfolg in Bayern hofft der hessische Landesvorsitzende Engin Eroglu, dass seine Partei „mit diesem hervorragenden Rückenwind aus Bayern“ nun auch in Hessen zur „Überraschung des Wahlabends“ werde. Eroglu erinnerte daran, dass die Freien Wähler in vielen Parlamenten auf Gemeinde- und Kreisebene vertreten seien.

Der hessische FDP-Vorsitzende Stefan Ruppert zeigte sich erfreut über die knappe Rückkehr seiner Partei ins bayerische Landesparlament. Das sei „ein gutes Zeichen für unsere Landtagswahl“, sagte Ruppert.

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