+
Muss weiter auf seine Entlastung warten:. Martin Herkströter, Ex-Geschäftsführer des landeseigenen Hessen-Agentur.

Ex-Geschäftsführer nicht entlastet

Hessen-Agentur im Zwielicht

  • schließen

Martin Herkströter und Dieter Kreuziger müssen weiter warten. Wegen hoher Reise- und Telefonkosten hat der Aufsichtsrat der Hessen Agentur erneut ihre Entlastung verschoben. Von Peter Hanack

Der Aufsichtsrat der Hessen-Agentur hat den beiden ehemaligen Geschäftsführern Martin Herkströter und Dieter Kreuziger die Entlastung verweigert. Eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) bestätigte auf Anfrage der Frankfurter Rundschau indirekt einen entsprechenden Zeitungsbericht vom Donnerstag.

Laut Posch soll über die Geschäftsjahre 2008 und 2009 - und damit über die Entlastung der beiden Geschäftsführer - im Sommer entschieden werden. Posch ist Aufsichtsratsvorsitzender der Hessen-Agentur, einer hundertprozentigen Tochter des Landes.

Die Verträge Herkströters und Kreuzigers liefen zum Jahresende 2009 aus und wurden nicht verlängert. Im Juni 2009 waren Reise- und Handykosten in Höhe von 200000 Euro bekannt geworden, die zum größten Teil Herkströter zugerechnet werden. Im Dezember hatte Posch einen Wirtschaftsprüfer damit beauftragt zu untersuchen, ob die Ausgaben gerechtfertigt waren. Ein Ergebnis sollte bis Februar vorliegen.

Poschs Sprecherin wollte am Donnerstag keine Angaben dazu machen, ob die Prüfung abgeschlossen ist und welche Erkenntnisse sich gegebenenfalls daraus ableiten ließen. "Dazu kann, darf und werde ich nichts sagen", so die Sprecherin.

Die Grünen-Landtagsfraktion macht Ministerpräsident Roland Koch (CDU) für das "Desaster" bei der Hessen-Agentur verantwortlich. Es räche sich, dass Koch die Führung der Agentur seinem Parteifreund und ehemaligen Eschborner Bürgermeister Herkströter übertragen habe. Versäumnisse sehen die Grünen auch bei den Staatsministern Stefan Grüttner, Karlheinz Weimar und Alois Rhiel (alle CDU), die in den fraglichen Jahren dem Aufsichtsrat der Agentur angehörten. Herkströter habe die Agentur als Selbstbedienungsladen begriffen, sagte Uwe Frankenberger, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Gegen den neuen Leiter der Hessen-Agentur, Jürgen Illing (FDP), wurden schwere Vorwürfe aus dessen früherer Tätigkeit bei der Deutschen Bahn erhoben. Er wird in einem Bericht zum Datenskandal der Bahn belastet, den die Sonderermittler Herta Däubler-Gmelin und Gerhart Baum verfasst haben. Ein weiterer Bericht der Unternehmensberatung KPMG entlastet Illing dagegen. Illing bestreitet jede Beteiligung an einem illegalen Spitzelsystem. Wirtschafts-Staatssekretär Steffen Saebisch (FDP) hatte Illing das Vertrauen ausgesprochen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare