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Der Linke Hans-Joachim Kühn packt auch gerne mit an.

Landtagswahl - Wahlkreis Wiesbaden I

Hans-Joachim Kühn (Linke): Kampf für Leidensgenossen

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Hans-Joachim Kühn (Linke) will als Direktkandidat in den Landtag. Er will den Menschen helfen, die soziale Ungerechtigkeit erfahren. Seinen politischen Schwerpunkt sieht Kühn in der Gesundheitspolitik.

Ja, die Sozialdemokraten. Eigentlich habe er sich ihnen mental verbunden gefühlt. „Doch dann kam Alt-Kanzler Schröder und mit ihm die Agenda 2010. Das hat mir dann so gar nicht mehr gefallen“, sagt Hans-Joachim Kühn. Jetzt tritt er als Direktkandidat im Wahlkreis 30 für die Linken an, als Nobody quasi, der in Wiesbaden bislang kaum – abgesehen von seiner Tätigkeit im Bierstadter Ortsbeirat – politisch aktiv geworden ist.

Der 62-Jährige sitzt im Hugendubel-Café und hat eben gerade die Zeitung zur Seite gelegt. Zeit zum Lesen bleibt dem Medizinprodukteberater nicht viel. Und jetzt in Wahlkampfzeiten sowieso nicht. „Daran muss man sich erstmal gewöhnen, dass man auf einmal Interviews geben muss.“ Eine politische Karriere hat Kühn nie angestrebt. Doch als ein Bekannter von seiner Arbeit im Ortsbeirat berichtete, sei in ihm der Wunsch gewachsen: „Da will ich gerne mitmachen.“ Er habe etwas bewegen, gegen Ungerechtigkeiten kämpfen wollen. 2006 trat der Wiesbadener in die Partei Die Linke ein – und wurde von seinen Verwandten und Bekannten kritisch beäugt. „,Was willst du denn bei denen‘, wurde ich damals oft gefragt.“ Damals seien die Linken eben noch anders wahrgenommen und häufig mit der DDR in Verbindung gebracht worden, sagt er. Kühn hörte nicht auf die Kritiker. Seine Entscheidung habe er nie bereut, sagt er.

Bewegtes Leben

Der 62-Jährige blickt auf ein bewegtes Leben zurück, eines, in dem er selbst zahlreiche soziale Ungerechtigkeiten erfahren hat, sagt er. Als „Zwei-Klassen-Kind“ habe er gemerkt, wie es ist, arm zu sein. Nach der Scheidung seiner Eltern, wuchs er bei der Mutter auf, die, sozial nicht abgesichert, viel arbeiten musste. „Und trotzdem reichte das Geld nicht. Oft konnte ich an Schulausflügen nicht teilnehmen. Das war hart.“ Später musste er erfahren, wie es ist, aufs Amt stempeln zu gehen. „Ich war arbeitslos. Das war zermürbend.“ Für Kühn wendete sich schließlich doch alles zum Guten. Er ist zufrieden mit seinem Leben. Doch nun will er für die Menschen kämpfen, die ähnliches durchmachen wie er vor vielen Jahren, sagt er.

Wer jetzt jedoch denkt, Kühn habe seinen Schwerpunkt im Wahlkampf auf das Thema Soziales gelegt, irrt. „Das machen viel zu viele“, sagt Kühn und grinst. Deswegen nehme er sich der Gesundheitspolitik an. Schließlich könne er dort ebenfalls einige Erfahrungen vorweisen. Kühn war während seines Zivildienstes Rettungssanitäter, später Produktmanager im medizinischen Bereich eines großen Konzerns, hat drei Patente angemeldet, unter anderem für einen Beatmungsgeräte. Er war im Bereich medizinischer Werbung, in der Technik und ist jetzt im Vertrieb tätig – was einen ja nicht zum Spezialisten im Bereich Gesundheitspolitik macht. Doch er habe oft Kontakt mit Ärzten und Pflegern. „Ich weiß, wo der Schuh drückt.“ Kühn hat selbst einmal während seiner Arbeitslosigkeit einen Ein-Euro-Job im Krankenhaus machen müssen. „Ich wurde angemotzt, weil ich zu langsam war.“ Gerade der Druck müsse abgebaut werden. „Es kann nicht sein, dass ein Pfleger einen Patienten innerhalb von sieben Minuten komplett gewaschen haben muss.“ Er fordere eine gesetzlich geregelte Personalbemessung für Krankenhäuser.

Ob er in den Horst-Schmidt-Kliniken gearbeitet hat, will Kühn nicht verraten. Aber aus seiner Meinung, dass es ein großer Fehler war, die Wiesbadener Klinik zur Hälfte zu privatisieren, macht er keinen Hehl. „Es geht nicht, dass immer mehr Gesellschaften ausgelagert werden und der Sparzwang immer größer wird.“ Kühns Chancen, ein Direktmandat zu gewinnen, tendieren gegen Null. Zudem ist er nicht über die Landesliste seiner Partei abgesichert, sodass er auch künftig politisch eher kleine Brötchen backen wird. „Das sehe ich entspannt. Und ich bin sicher, dass wir in Hessen gegenüber den derzeitigen Wahlprognosen eine große Überraschung erleben werden.“

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