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Ein Zug der Hessischen Landesbahn nach Nidda hält in Friedberg.

Pendler

Grüne und Pro Bahn fordern Entschädigung

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Nach dem mehrwöchigen Schienenersatzverkehr ist für die Grünen das Maß voll. Unterstützung erhalten sie vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Anfang Oktober brach eine Welle von Zugausfällen über Fahrgäste auf den Linien der Hessischen Landesbahn im Wetteraukreis herein. Lok- und Triebwagenführer waren ausgefallen, Ersatzpersonal für die Züge hatte das Verkehrsunternehmen keines. Busse mussten viele Fahrten auf den Linien FB16 (Friedberg bis Friedrichsdorf), RB47/48 (Friedberg bis Wölfersheim/Nidda) und RB46 (Gießen bis Gelnhausen) übernehmen. Und das sind nicht die einzigen Einschränkungen gewesen, die Pendler 2018 in der Wetterau hinnehmen mussten. Die Grünen im Kreis verlangen deshalb vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), dieser solle ein Modell entwickeln, wie besonders betroffene Fahrgäste künftig entschädigt werden könnten.

„Der Kreisausschuss wird beauftragt, sich mit diesem Anliegen an den RMV zu wenden und ihn zu einer solchen Leistung aufzufordern“, heißt es in einem Antrag der Öko-Partei. „Der Landrat als Mitglied des RMV-Aufsichtsrats wird gebeten, das Anliegen zu unterstützen.“ Voraussichtlich im Februar wird sich der Kreistag mit dem Antrag beschäftigen.

Wer zum Beispiel zwischen Wölfersheim-Melbach und Frankfurt pendelte, musste viel Geduld haben, wie die Grünen ausführen. „Zwei Wochen eingeschränkter Verkehr zwischen Friedberg und Frankfurt um Ostern, dazu Tunnelsperrung in Frankfurt, dasselbe in den sechs Wochen Sommerferien, dazu Schienenersatzverkehr, weil in dieser Zeit nach Wölfersheim kein Zug fuhr.“ Von Anfang Oktober bis zum 8. Dezember habe es schließlich die Einschränkungen zwischen Friedberg und Melbach gegeben. „Zusammen sind das 16 Wochen.“

Der RMV kann mit dem Vorschlag der Grünen nichts anfangen. „Welche Linien und Fahrten ein Fahrgast nutzt, ist uns bei Zeitkarten nicht bekannt“, sagt ein Sprecher. Mit solchen Karten erwerbe der Fahrgast ganz allgemein das Recht, in bestimmten Tarifgebieten unterwegs zu sein. Deshalb sei es nicht möglich, von Fahrtausfällen betroffene Fahrgäste gezielt zu entschädigen, unabhängig von der Ursache.

Zustimmung  vom Fahrgastverband Pro Bahn

Auf Zustimmung stößt die Partei indes beim Fahrgastverband Pro Bahn in Hessen. Inhaber von Zeitkarten, seien es Monats- oder Jahreskarten, müssten bei einer solch „massiv mangelhaften Leistungserbringung“ wie in diesem Jahr „angemessen“ entschädigt werden, meint Pro-Bahn-Sprecher Thomas Kraft. Dafür solle der RMV Vorgaben machen. Wenn sich Ausfälle so häuften wie in diesem Jahr, so sei es bei Jahreskarten angebracht, den Preis in einer Größenordnung um die 30 Prozent zu erstatten, meint Kraft. Wer wiederum mehrere Monatskarten in einem Jahr gekauft habe, für den müsse ein anderer Satz gelten.

Das Ganze müsse man differenziert betrachten. Natürlich könne der RMV dafür eine Regelung finden, wie er einem Pendler etwas zurückzahlen könne, wenn dieser belege, wo er wohne, arbeite und dass er die Fahrkarte aus beruflichen Gründen gekauft habe.

Um zu untermauern, dass sich ihr Vorschlag realisieren ließe, führen die Grünen ein Beispiel aus einem anderen Bundesland an. So habe kürzlich der Verkehrsminister von Schleswig-Holstein, Bernd Buchholz (FDP), gegenüber der Deutschen Bahn wegen unpünktlicher Züge auf der Strecke zwischen Hamburg und Sylt Strafzahlungen in sechsstelliger Höhe durchgesetzt. Pendler mit Monats- und Jahreskarten der zweiten Klasse hätten über ein Online-Formular für März und April 50 Euro von der Bahn zurückfordern können.

„Etwas Ähnliches können wir uns hier seitens des RMV auch vorstellen.“ Doch nach Ansicht des RMV zieht der Vergleich nicht. Denn auf der Bahnstrecke nach Sylt gebe es keinen alternativen Fahrtweg.

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