+
Hell und klar: die Lounge im Eingangsbereich der European Business School.

Private Universität

Finanzminister Schäfer lobt EBS

  • schließen

Die private Wirtschaftsuniversität schreibt nach Jahren der Krise wieder schwarze Zahlen. Das freut auch den hessischen Finanzminister, der sich zu wahren Lobeshymnen hinreißen lässt. Die verbale Unterstützung durch die Landesregierung hilft, das angekratzte Image zu reparieren.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass die Landesregierung die private Wirtschaftsuniversität EBS derart gepriesen hat. Wahre Lobeshymnen brachte Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Dienstagabend zur „Change-Gala“ der ehemaligen European Business School im Rheingau mit, die nach der Erweiterung um einen Jura-Fachbereich nur noch unter dem Kürzel EBS firmiert.

„Wenn ich nicht mit sehr viel Zuversicht und noch mehr Vertrauen in die aktuelle Führung der EBS ausgestattet wäre, wäre ich heute nicht gekommen“, sagte Schäfer auf der Bühne der EBS im rot und blau ausgeleuchteten Schloss Reichartshausen in Oestrich-Winkel. Besonders freute sich der hessische Schatzmeister, dass er „mal nur um Rat gebeten wird und nicht um Geld“. Schließlich beschreite die EBS den Weg des „bürgerschaftlichen Engagements“. Da wäre „Staatsknete“ vielleicht sogar „eher hinderlich“, formulierte der CDU-Politiker. Dabei war er zu einer „Spenden-Gala“ gekommen, die von der EBS zum Einsammeln von Geldzusagen genutzt wurde.

Dank der Unterstützung von Banken, ehemaligen Absolventen und wohlhabenden Studenten-Eltern hat die EBS nach eigenen Worten „die Schulden drastisch zurückgefahren, das Eigenkapital gestärkt und die Strukturen modernisiert“. Die Hochschule schreibe wieder schwarze Zahlen, verkündete der seit gut einem Jahr amtierende Geschäftsführer Holger Follmann. Einen Uni-Präsidenten gibt es seit dem Rauswurf von Rolf Wolff vor einem halben Jahr nicht mehr.

Roland Koch als Ansprechpartner

Die Stiftung des SAP-Gründers Dietmar Hopp und die Alumni-Organisation hätten auf die Rückzahlung von 2,6 Millionen Euro Darlehen verzichtet, teilte die EBS mit. Die Banken hätten einem Teilverzicht von 2,7 Millionen Euro zugestimmt.

Nun hilft auch die verbale Unterstützung durch die Landesregierung, um das Image zu reparieren. Das Ansehen der Hochschule hatte erheblich gelitten seit der Festnahme des früheren EBS-Präsidenten Christopher Jahns im Jahr 2011, seit dem – wegen Krankheit des Angeklagten 2014 vorläufig eingestellten – Untreue-Prozess gegen ihn und seit bekannt wurde, dass die EBS unter Jahns Fördermittel des Landes zweckentfremdet hatte.

Über lange Zeit waren die EBS und ihr Ex-Präsident Jahns von der Politik hofiert worden, etwa von Ex-Ministerpräsident Roland Koch (CDU), seinem damaligen Stellvertreter Jörg-Uwe Hahn (FDP) und dem ehemaligen Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP). Der ehemalige Finanz-Staatssekretär Walter Arnold (CDU) hatte der EBS sogar als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender zur Seite gestanden.

Roland Koch dient der EBS offenbar bis heute als Ansprechpartner. Schäfer berichtete, der ehemalige Ministerpräsident habe ihn gebeten, sich Follmanns Pläne zur Rettung der Universität anzuhören. Dabei habe Koch darauf hingewiesen, man solle Follmann nicht nach dem „allerersten Eindruck“ bewerten, sondern ihm „eine zweite Chance“ geben.

Verbindungen zur Politik reichen weit zurück

Das sorgte für Gelächter unter den 200 Gästen, die für 100 Euro Eintritt an der Gala teilnahmen. Alle wussten, was gemeint war, auch Follmann selbst, der mit seinem hemdsärmeligen und unintellektuellen Auftreten kokettiert.

Der starke Mann der Universität hat nicht studiert. Er ist gelernter Bankkaufmann und Sparkassenfachwirt. Der Geschäftsführer mit dem hessischen Dialekt nennt sich „Bembel-Sänger“ und wirft mit Motivationsvokabeln wie „Super-Spirit“ um sich. Wie ein Rheumadecken-Verkäufer bei einer Butterfahrt wirbt er Spenden ein bei Bankern und ehemaligen EBS-Absolventen wie dem früheren Puma-Chef Jochen Zeitz und der Procter&Gamble-Managerin Astrid Teckentrup. „Jeder einen Tausender, und wir sind durch“, ruft er durch den Dinnersaal. „Wir haben auch ein EC-Karten-Gerät.“

Zugleich versucht Follmann, an große EBS-Zeiten anzuknüpfen. Bei der Gala verlieh die Uni die Ehrenpräsidentschaft an den 79-jährigen Wirtschaftsprofessor Klaus Evard, der die EBS 1971 in Offenbach gegründet hatte. Auch die Verbindungen zur Politik reichen weit zurück. Evards Nachfolger war der Ex-CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep, eine zentrale Figur der CDU-Spendenaffäre. Er trägt bereits den Titel eines EBS-Ehrenpräsidenten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare