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Volker Bouffier kann in Hessen voraussichtlich weiterregieren.

Hessen-Wahl

Erleichterte Union

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Die CDU verliert bei der Landtagswahl in Hessen erheblich, kann aber voraussichtlich weiter regieren.

Einen Moment lang herrscht betretenes Schweigen bei der CDU im Landtag. Dann geht es schnell wieder über zum munteren Smalltalk. Was ist geschehen?

Erst kam um 18 Uhr der Schock über das Wahlergebnis, das rund zehn Prozentpunkte unter dem von 2013 liegt. Dann die Erleichterung: Die Christdemokraten können trotz ihres Einbruchs auch nach 19 Jahren an der Macht bleiben in Hessen. 

Nur die Frage, ob es mit den Grünen alleine reicht oder die FDP mit ins Boot genommen werden muss, beschäftigt die Christdemokraten an diesem Abend im Wiesbadener Landtag. Und natürlich der Zustand der großen Koalition in Berlin.

Wen auch immer man anspricht: Der Ärger über die Querelen im Bund dominiert. Die schwarz-grüne Koalition in Hessen habe ja „aus unserer Sicht funktioniert“, sagt Holger Bellino, der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag. Das schlechte Abschneiden sei ein „Denkzettel Richtung Berlin“ gewesen. 

Michael Brand, der noch ganz frische Vorsitzende der CDU-Landesgruppe im Bundestag, bringt es noch klarer auf den Punkt. „Das größte Problem heißt Seehofer“, deutet er in Richtung des Bundesinnenministers, der von der CSU gestellt wird und in den vergangenen Monaten immer wieder Auseinandersetzungen innerhalb der Berliner Groko angezettelt hat. Brand urteilt, Horst Seehofer wolle Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „kaputtmachen“. Und er fügt bitter hinzu: „Politischer Selbstmord ist kein politisches Programm.“

Doch Michael Brand sieht an zweiter Stelle auch Nachholbedarf in Hessen. Die CDU solle „von den Grünen lernen, dass man über Inhalte spricht“. Nötig sei außerdem eine „breitere Aufstellung“, formuliert Brand – und meint damit, dass mehr Personen nach vorne gerückt werden müssten, nicht nur Ministerpräsident Volker Bouffier. 

Der CDU-Vorsitzende eilt derweil von Kamera zu Kamera. Er steigt nur kurz mit dem Hinweis darauf ein, dass es „ein Abend sehr gemischter Gefühle“ sei und das Ergebnis sehr schmerze. Doch den Schwerpunkt legt Bouffier bereits auf die Suche nach einer neuen Regierung. Die CDU sei erneut stärkste Partei, das Ergebnis „ein klarer Auftrag, auch die nächste Regierung anzuführen“. 

Am Montagabend kommen in Hofheim die Führungsgremien der Landes-CDU zusammen. Bouffier will ihnen vorschlagen, alle Parteien außer Linken und AfD zu Gesprächen einzuladen. Geredet wird also nicht nur mit den Grünen und der FDP, sondern auch mit der SPD. Doch nichts deutet auf eine schwarz-rote Konstellation hin, die man früher als „große Koalition“ bezeichnet hätte.

Von den Grünen ist die Abgeordnete Eva Goldbach schon früh am Abend in die CDU-Fraktion herübergekommen. Sie ist vor fünf Jahren zum ersten Mal in den Landtag eingezogen und hat dort nie etwas anderes als Schwarz-Grün erlebt. „Das war einfach eine sehr erfolgreiche Koalition“, lobt sie. Holger Bellino nimmt es erfreut zur Kenntnis.

CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg geht seinerseits hinüber in die anderen Fraktionen. Erst zu den Grünen, wo er sein Gegenüber Mathias Wagner trifft, dann zur FDP, wo er unter anderem mit dem Parteivorsitzenden Stefan Ruppert spricht, schließlich auch zur SPD, die ein Lokal außerhalb des Landtags gemietet hat. Es sind die drei Parteien, mit denen in den nächsten Wochen gesprochen wird. 

Am 18. Januar 2019, einem Freitag, konstituiert sich der neue Landtag. CDU-Chef Bouffier kann damit rechnen, dann wieder als Ministerpräsident anzutreten und gewählt zu werden. Für die Zukunft verfolgt er aber noch ein weiteres Ziel: „Die CDU muss Volkspartei sein“, betont er. 

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