Gut gebrüllt, Pitt.
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Gut gebrüllt, Pitt.

Gut gebrüllt: Aus dem hessischen Landtag

Einfach mal weg

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Die Versorgung der Menschen mit Phrasen muss gesichert werden. Dafür sorgt der hessische Landtag mit großer Zuverlässigkeit.

Man muss ja nicht anwesend sein. Manchmal ist es besser, einfach wegzubleiben. So haben es die Grünen in dieser Woche gehalten. Immer, wenn der FDP-Abgeordnete Alexander Noll das Wort ergriff, gingen sie raus. Die Grünen hatten genug von Noll und seiner Partei.
Gegenseitige Angriffe, gerne auch unter der Gürtellinie, gehören zum Alltag. Diesmal aber hatte es der FDP-Abgeordnete Alexander Noll wirklich bunt getrieben. Noll bezeichnete das Grünen-Programm als „Ökofaschismus“. So geht’s nicht, urteilten die Grünen. „Unhistorisch, inakzeptabel“, befand der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Mathias Wagner.

Hahn spricht von "Mimöschen"

Doch Noll und seine FDP dachten gar nicht daran, sich zu entschuldigen. Ausgerechnet die Grünen, „die überall reinhauen“ und gar nicht wüssten, wo sich die Gürtellinie befinde, sollten sich nicht wie „Mimöschen“ aufführen, urteilt FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn. Der sich damit schon einmal warm machte für den FDP-Landesparteitag am heutigen Samstag. Die Grünen sind schließlich Lieblingsgegner der FDP. Wie auch umgekehrt: „Nie mehr Fremdschämen für Jörg-Uwe“, lautet einer ihrer Slogans. Nicht jeder Satz im politischen Alltag ist so leicht zu verstehen. Manche muss man zweimal lesen, andere sogar dreimal. Im Landtag ist das sowieso üblich. Andere Sätze sind ohnehin unsinnig. Immer wieder gehen Redewendungen schief, und Redner verheddern sich. SPD-Abgeordneter Gerhard Merz sammelt solche Aussetzer. Manchmal fügt er sie auch neu zusammen. So waren in dieser Plenarwoche in Wiesbaden gleich zwei Regierungserklärungen zu hören, von denen eine deutlich amüsanter ausfiel als die andere.

Die andere stammte von Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) und handelte von der – sagenhaft erfolgreichen – Wissenschaftspolitik. Die eine wurde einen Tag später gehalten, von Merz, dessen kabarettistisches Talent im Landtag entschieden zu wenig Raum erhält. Er gehört der Regierung nicht an und konnte seine Regierungserklärung daher nur in der Nachbarschaft halten, auf der Kleinkunstbühne des Pariser Hoftheaters. Ich erteile Herrn Merz das Wort.

"Flächendeckend wie ein Rasenmäher"

Gerhard Merz: „Dieses Thema kann man nicht mit der billigen Keule fahren und dieses Thema darf nicht als Worthülse daher kommen. Auch wenn Sie, meine Damen und Herren von der Opposition, versuchen Mehltau oder weiße Salbe auf die Augen und Ohren der Menschen zu streuen, so werden Sie das nicht auf Ihre Kappe buchen können, denn die Menschen in Hessen wissen: Diese Landesregierung steht auch in Zeiten knapper Kassen flächendeckend wie ein Rasenmäher zu ihrer Verantwortung, die Versorgung der Menschen mit Phrasen auf dem bisherigen hohen Niveau zu halten.“ Dem ist aus unserer Sicht nichts hinzuzuverfügen.

Pitt von Bebenburg berichtet aus dem hessischen Landtag. Und er twittert: @PvBebenburg. In den Ferien ruht der Löwe eine Zeitlang. Rechtzeitig zum Wahlkampf ist er wieder auf der Pirsch.

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