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Flüchtlinge aus dem ganzen Main-Taunus-Kreis kommen zu Sprachkursen in den Kastengrund.

Flüchtlinge in Hattersheim

Ausbaustopp für Flüchtlingsheim

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Weil die Zahl der Flüchtlinge gesunken ist, wird der Umbau von Tierzwingern der ehemaligen Tierversuchsanstalt im Kastengrund zu einer Unterkunft gestoppt.

Bis zu 800 Flüchtlinge wollte der Main-Taunus-Kreis vor zwei Jahren auf dem Gelände der früheren Tierversuchsanstalt Kastengrund zwischen Hattersheim und dem Flörsheimer Stadtteil Weilbach unterbringen. Die niedrigen bungalowartigen Häuser, in denen früher Versuchstiere lebten, sollten zu Übergangswohnungen für Geflüchtete umgebaut werden. Für rund acht Millionen Euro hatte der Landkreis auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle die frühere Forschungseinrichtung des Arzneimittelherstellers Sanofi-Aventis gekauft. Weitere acht Millionen Euro sollten in den Umbau investiert werden.

Mittlerweile steht fest, dass längst nicht so viele Unterkünfte für Asylbewerber gebaut werden. „Die Zahl de Neuankömmlinge ist drastisch gesunken“, berichtete Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent Johannes Baron (FDP) gestern vor der Presse. Pro Woche kämen nur noch eine Handvoll Menschen. Am vergangenen Montag musste der Main-Taunus-Kreis gar nur einen Flüchtling aufnehmen.

Der Umbau von mehr als der Hälfte der ehemaligen Tierzwinger zu Zimmern für Geflüchtete wurde deshalb gestoppt. Laut Baron stehen zurzeit insgesamt 310 Plätze im Kastengrund zur Verfügung. 106 sind belegt – mit Asylbewerbern aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Ägypten, Algerien, Äthiopien und Georgien.

Umgebaut wurde in den vergangenen Monaten auch der frühere Verwaltungstrakt der Tierversuchsanstalt. In den roten Backsteingebäuden gibt die Volkshochschule jetzt Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge. Sozialarbeiter für die Asylbewerber haben hier ihren Arbeitsplatz. Und mehrere Ämter der Kreisverwaltung sind in den Kastengrund gezogen: das Hochbau- und Liegenschaftsamt, das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen sowie die Revision.
9,5 Millionen Euro seien am Ende für den gesamten Um- und Ausbau des Firmenareals ausgegeben worden, berichtete Kreisbeigeordneter Wolfgang Kollmeier (CDU). Der Stacheldrahtzaun, der das weitläufige Areal umgibt, sei nicht abgebaut worden. Aus Kostengründen und zur Sicherheit. Die Bewohner hätten sich damit arrangiert. Die Buslinie 821 verbindet im Stundentakt das Flüchtlingsheim mit dem Hattersheimer Bahnhof. Dafür wurde eine eigene Haltestelle mit Wendeschleife gebaut.
Die renovierten Häuser, die noch leer stehen, sollen in den nächsten Wochen nach und nach mit Flüchtlingen belegt werden. Der Kreis werde angemietete Pensionszimmer aufgeben, kündigte Baron an. Asylbewerber, die bislang in Wohnwagen auf dem Campingplatz in Eppstein-Niederjosbach sowie im ehemaligen Hotel Herrnberg in Flörsheim untergebracht sind, würden ebenfalls in den Kastengrund geholt.
Wie es weitergeht, wenn irgendwann vielleicht gar keine Flüchtlinge mehr untergebracht werden müssen, sei offen, sagte Baron. Das Areal liege auf Hattersheimer Gemarkung, deshalb sei die Kommune am Zug, gegebenenfalls eine Änderung im regionalen Flächennutzungsplan zu beantragen und den Bebauungsplan anzupassen. Zurzeit ist das Areal als Sondergebiet für die Tierversuchsanstalt ausgewiesen. Einer dauerhaften anderen Nutzung steht auch die Hochspannungsleitung im Wege, die quer über den Kastengrund führt. Sie müsste verlegt werden, ehe Wohnhäuser dort gebaut werden dürfen oder Gewerbe sich ansiedeln kann.

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