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Frauen in Frankfurt genießen das laue Wetter.

Frühling

Fast alle Vögel in Hessen sind schon da

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Viele Vögel sind in Zeiten des Klimawandels früher dran.  Die schattige Seite des Frühlings ist allerdings der Pollenflug.

Was ist denn da los? Am Eschbach blühen Schneeglöckchen, bei der Nachbarin schräg gegenüber die Krokusse, die Signale werden stärker: Das muss doch diese ganz bestimmte Jahreszeit sein – dieser Frühling! „Der Vorfrühling“, korrigieren die Fachleute. Aber: Ja, der ist da.

Man kann es sehen, und man kann es vor allem hören. Die Amsel hat ihren Platz auf dem Dachgiebel nebenan eingenommen. „Draußen singt’s schön“, sagt Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Fechenheim. Die ersten Kraniche sollen sogar schon über Frankfurt gesichtet worden sein. „Oh ja! Das ist aber nichts Ungewöhnliches“, betont Hormann. „Die sind absolut im Zeitplan.“

Viele Vögel zögen winters gar nicht mehr so weit in den Süden. Prinzipiell sei zwar weiter die Extremadura ein Hauptreiseziel der Kraniche, jene Landschaft im Südwesten Spaniens, an Portugal grenzend, die den gefiederten Flugreisenden beste Verhältnisse bietet, Vollpension, all inclusive. „Aber viele bleiben auch in Frankreich – es gibt klimatisch nicht mehr die Notwendigkeit, so weit zu ziehen“, sagt Hormann. Sogar in Norddeutschland sah man in diesem Winter Kranichgruppen. Ihr Federkleid schützt sie, und wenn es nichts Pflanzliches gibt, fressen sie auch mal eine Maus. „Im Herbst ziehen sie später weg, im Frühjahr kommen sie früher zurück“, hat der Vogelschützer beobachtet. „Der größte Anteil kommt aber erst noch.“

Genau wie der größte Anteil des Frühlings. Aber es geht am Wochenende schon gut los. „Es wird freundlich, sonnig“, verkündet Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst, „morgens gibt es vielleicht noch ein bisschen Nebel, aber der löst sich dann schnell auf.“ Die für Winterverhältnisse ganz hohen Temperaturen, 15 bis 17 Grad, werden zwar nur im Rheinland erreicht. „Aber hier werden es immerhin zehn bis zwölf, vielleicht 13 Grad“, sagt der Meteorologe. „Für Mitte Februar auf jeden Fall zu mild. Man kann sich schön draußen aufhalten.“

Lässt das schon Rückschlüsse auf einen heißen Sommer zu? „Nein, das ist völlig ohne Zusammenhang“, sagt Friedrich. Und was sagt er dazu, dass das Murmeltier mit seiner Wettervorhersage Anfang Februar wieder mal richtig lag? „Ich nehme das amüsiert zur Kenntnis. Das Murmeltier hat ja sowieso immer eine Fifty-fifty-Chance.“ Entweder es gibt noch sechs Wochen Winter oder nicht. Dieses Jahr entschied sich Punxsutawney Phil in Pennsylvania, berühmt aus dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, für das Ende des Winters. Das waren die richtigen 50 Prozent. Jedenfalls in Südhessen.

Alles andere hat aber auch zwei Seiten. Die schattige Seite des Frühlings: Pollenflug. Haselnuss und Erle streuen schon ganz ordentlich, wenn die Sonne scheint. Das reizt Allergikernasen und –augen. Wer genau wissen will, was gerade wie intensiv durch die urbane Luft wirbelt, kann sich bald ständig neuste Daten aus Wiesbaden ansehen. Da hat die Stadt eine Messstation auf einer Terrasse des Kurhauses genehmigt. Entwickler der Weltneuheit sei die auf Medizin- und Umweltmesstechnik spezialisierte Helmut Hund GmbH (Wetzlar), teilt die Stadt mit, die Betriebskosten trage das Allergiezentrum Wiesbaden. Frische Messergebnisse sollen demnach in Kürze unter www.Allergiezentrum.org und www.wiesbaden.de für alle kostenlos zu lesen sein. Das FR-Rechercheteam fand sie in dieser Woche unter www.hund.de. Dort verzeichnet: erste Werte für Birke, Hasel und Erle.

Aber zurück in die Vogelwelt. Schon Ende Januar ließen sich die ersten Schwarzstörche im Lahn-Dill-Kreis blicken. „Ungewöhnlich“, sagt Martin Hormann, auch Verfasser zweier Bücher über Schwarzstörche, „aber erklärbar“. Wie die Kraniche blieben viele im Winter in der Nähe und kehrten daher früh zurück. Bei den kleineren Vögeln hingegen: „Alles im ganz normalen Programm.“

Die ersten Feldlerchen (Vogel des Jahres) singen ihr Jubeljahreslied. Seit 14 Tagen lässt die Misteldrossel ihren „unglaublich schönen Gesang“ (Hormann) hören: „Zwischen Singdrossel und Amsel.“ Sogar die Weißstörche kommen schon heim zu jenen Genossen, die praktischerweise gleich hiergeblieben sind. Im Kreis Groß-Gerau überwinterten immerhin 120 Klappervögel. Noch bei uns sind Saisongäste aus Skandinavien: die hübschen bunten Rotdrosseln, die bald wieder gen Norden fliegen.

Wonach richtet sich eigentlich bei all diesen Vögeln der Zeitpunkt ihres Aufbruchs? „Die innere Uhr steuert den Zugprozess“, sagt Experte Hormann. „Es ist eine Frage der Energie, der Fettreserven. Danach wird der Flugplan gestaltet.“ Eine untergeordnete Rolle spielten dabei die Lichtverhältnisse.

Bald, freut sich Hormann, singe auch der erste Hausrotschwanz. „Von mir aus kann der Frühling kommen.“ Nur auf die Mauersegler müssen wir noch eine Weile warten.

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