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Vanessa Müller-Raidt will vom heutigen Donnerstag an wieder Gäste in ihrem Kronberger Kino begrüßen. 

Kultur

Fast alle Kinos in Hessen bleiben zu

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Die Corona-Auflagen machen den Betrieb unwirtschaftlich. Doch die Kronberger Lichtspiele öffnen trotzdem.

Schon seit dem 9. Mai dürfen die hessischen Kinos wieder öffnen. Praktisch hat aber bislang noch kein Lichtspielhaus in Frankfurt und der Rhein-Main-Region den Betrieb wieder aufgenommen.

Die ersten, die das heute wagen werden, sind die Betreiber der Kronberger Lichtspiele, Vanessa und Martin Müller-Raidt. „Die Känguru-Chroniken“ stehen auf dem Programm, täglich eine Vorstellung ist angekündigt. Tickets müssen reserviert werden. „Wir verteilen die Besucher dann so im Saal, dass die Abstandsregel von eineinhalb Metern eingehalten wird“, sagt Vanessa Müller-Raidt. Maximal ein Drittel der 181 Plätze könne auf diese Weise besetzt werden. „Da geht es weniger um die Wirtschaftlichkeit als darum, zu zeigen, dass wir als Kino in Kronberg wieder da sind“, sagt Müller-Raidt. Die anfallenden Arbeiten werde sie als Geschäftsführerin erst mal selbst erledigen.

Anders ist die Lage in den beiden Frankfurter Arthouse-Kinos „Harmonie“ und „Cinema“ „Wir würden gerne, aber wir können (noch) nicht“ steht auf deren Homepage. Man sei seit Beginn der Krise mit anderen Kinobetreibern, Verbänden und Filmverleihern aus ganz Deutschland in Kontakt, auch mit der Politik, sagt Geschäftsführer Christopher Bausch im Gespräch mit der FR. Hessen sei eines der ersten Bundesländer, die Kinobesuche unter strengen Auflagen wieder erlauben. „Damit hat niemand gerechnet“, räumt er ein.

Die zeitnahe Umsetzung scheitere vor allem an zwei Punkten: an den Abstands- und Hygieneregeln sowie an dem geringen zeitlichen Vorlauf.

Nach den geltenden Vorgaben könnten nur sehr wenige Sitzplätze besetzt werden, „das würde nur etwa ein Viertel unserer Kapazität ausmachen“, erläutert Bausch. Gleichzeitig habe man wegen der Hygieneanforderungen relativ hohe Personalkosten. „Wenn wir unter diesen Umständen den Spielbetrieb wieder aufnehmen, wäre der wirtschaftliche Schaden größer, als wenn wir weiterhin keine Filme zeigen.“

Die Kinobetreiber und Verbände der Branche, HDF Kino und AG Kino, hätten sich darauf verständigt, „dass wir für die Wiedereröffnung einen gewissen Vorlauf und einen bundesweiten Termin brauchen“, sagt Bausch. Kein Filmverleih habe derzeit aktuelle Filme im Programm, und kein Verleih werde für lediglich ein oder zwei Bundesländer Filme ins Programm nehmen.

„Kino funktioniert anders“, sagt auch Gunter Deller aus dem Leitungsteam des Programmkinos „Mal Seh’n“ im Frankfurter Nordend. „Das Runterfahren ging ja schnell, aber das Hochfahren wird komplizierter.“ So sind die Filmstarts, die vor dem Lockdown ab März eingeplant waren, fast samt und sonders auf den Herbst verschoben worden. Prominentestes Beispiel ist der neue James Bond, „Keine Zeit zu sterben“, der eigentlich im April anlaufen sollte und nun erst im November ins Programm kommt. Als Programmkino könne das „Mal Seh’n“ eine gewisse Zeit „mit alten Filmen überbrücken“. Problematisch seien indes die Schutzvorgaben. Bei einem Mindestabstand von eineinhalb Metern und fünf Quadratmetern Fläche pro Person ließen sich im Zuschauersaal gerade einmal acht Gäste platzieren. Oder maximal 16, wenn es sich um Paare handele. „Dann ist es für uns günstiger, nicht zu öffnen.“ Mit den Betreibern anderer Programmkinos in Frankfurt und der Region habe sich das Team daher verständigt, „jetzt erst noch mal abzuwarten“. Im Mai werde man auf keinen Fall mehr öffnen können. Und im Juni? „Mal seh’n“, sagt Deller.

Geschlossen bleiben vorerst auch alle Häuser der Kinopolis-Gruppe. „Nach der Entscheidung der Landesregierung haben wir mehr Fragen als Antworten“, sagt Geschäftsführer Gregory Theile. Wirtschaftlich sei ein Kinobetrieb aktuell nicht darstellbar. Nicht nur wegen der Abstandsregel, sondern auch, weil der Personalaufwand gerade in den großen Kinocentern enorm wäre. „Wir wollen wieder anfangen“, betont Theile. „Aber dafür muss alles zusammenpassen.“

Das Kino des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums (DFF) in Frankfurt hat eine Art Sonderstatus. Das Museum ist seit einer Woche wieder für Publikum geöffnet, das Kino des DFF muss jedoch vorerst geschlossen bleiben,

Zu groß seien die Auflagen wegen Corona, sagte die Leiterin der Kinoabteilung, Natascha Gikas der FR. Eventuell werde man im Juni vereinzelt Veranstaltungen anbieten und Filme aus dem eigenen Archiv zeigen – sozusagen als Probelauf unter Corona-Bedingungen. „Wir hoffen auf einen bundesweiten Kinostart Anfang Juli.“

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