Gesundheit

Der falschen Ärztin auf der Spur

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Die Staatsanwaltschaft Kassel ordnet Exhumierung eines 80-Jährigen an. Die Politik will Überprüfung von Approbationsurkunden verbessern.

Im Fall der falschen Ärztin Meike W., die von 2015 bis 2018 am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar für den Tod von vier Menschen verantwortlich sein soll, hat es eine Exhumierung gegeben. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Kassel. Demnach wurde auf Gerichtsbeschluss auf dem Friedhof in Gensungen (Schwalm-Eder-Kreis) am Freitag der Sarg eines 2016 gestorbenen 80-Jährigen ausgegraben und in ein gerichtsmedizinisches Institut nach Kassel gebracht.

Die Exhumierung diene der Aufklärung der Todesursache sowie der Frage, inwieweit die Fehlbehandlung, die Meike W. zur Last gelegt wird, den Tod herbeigeführt habe, sagte Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. Hierfür wurden auch Gewebeproben entnommen, der Leichnam wurde noch am selben Tag wieder beigesetzt. In dem Fall des 80-Jährigen habe man die Exhumierung angeordnet, da sie nach sachverständiger Bewertung der weiteren Aufklärung dienen könnte, so Wied.

Der Fall Meike W. war von 2015 bis 2018 als Assistenzärztin im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar beschäftigt. Dafür hatte sie offenbar eine gefälschte Arzt-Zulassung vorgelegt.

Sie war unter anderem in der Anästhesie tätig und soll für den Tod von vier Patienten verantwortlich sein. Sie war 2012 für die SPD als Bürgermeisterkandidatin in Bad Emstal angetreten, saß im Kasseleler Stadtparlament.  

Ziel ist es, nachzuweisen, welche Medikamente dem Mann, in welcher Konzentration verabreicht wurden. Weitere Exhumierungen seien aktuell nicht geplant, zum Teil seien die Betroffenen auch feuerbestattet worden, sagte Wied. Somit könne auf dem Weg der Exhumierung die Todesursache nicht festgestellt werden. Laut Staatsanwaltschaft bedeutet das aber nicht, dass die Fälle ungeklärt bleiben. „Es gibt aussagefähige Krankenunterlagen.“ Bislang soll durch die Arbeitsgruppe Medicus der Polizeidirektion Schwalm-Eder erst ein geringer Teil der beschlagnahmten Klinik-akten ausgewertet worden sein. Die Ermittlungsarbeit werde wegen der Vielzahl an Unterlagen noch lange andauern. Zum Umfang der sichergestellten Akten wollte Wied keine Angaben machen. Auch dazu, ob nach Auswertung der Unterlagen und den Anrufen am Hinweistelefon von weiteren Opfern auszugehen sei, machte Wied mit Hinweis auf die Ermittlungen keine Angaben.

Unterdes hat der Fall auch die Politik erreicht: Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) will sich auf Bundesebene für höhere Sicherheitsanforderungen für Approbationsnachweise einzusetzen: „Um der Gefährdung von Patientinnen und Patienten durch falsche Ärztinnen und Ärzte vorzubeugen, brauchen wir eine bundeseinheitliche Regelung für Approbationsnachweise“, sagte Klose und schloss sich damit der hessischen Krankenhausgesellschaft an. Zeugnisse könnten heutzutage so gut gefälscht werden, dass sie von Originalen nicht oder so gut wie nicht unterscheidbar seien.

Der Minister stellte aber auch klar, dass potenzielle Arbeitgeber bereits heute die Möglichkeit besitzen, sich beim Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG) zu informieren. Auch sei das Problem vergleichsweise gering. Hessenweit seien mehr als 100 000 Urkunden im Umlauf. Lediglich acht hätten sich in den vergangenen fünf Jahren als Fälschungen herausgestellt.

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