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Seit Jahrzehnten beteiligt sich die Landesbehörde an nationalen und europäischen Projekten zum sogenannten intelligenten Verkehr.

Verkehr

Fahrerlos auf Hessens Autobahnen

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Hessen Mobil beteiligt sich an diversen Projekten zum autonomen Fahren. Doch es gibt noch viele Unwägbarkeiten.

Tests zum autonomen Fahren gibt es derzeit einige. Und mancher Autohersteller erweckt den Eindruck, dass es sich nicht mehr lohne, einen Führerschein zu machen. Doch bis das erste Fahrzeug wirklich ganz ohne Kontrolle eines Menschen fahre, werde noch einige Zeit vergehen, sagt Gerd Riegelhuth.

Der Präsident von Hessen-Mobil muss es wissen. Seit Jahrzehnten beteiligt sich die Landesbehörde an nationalen und europäischen Projekten zum sogenannten intelligenten Verkehr. Einige Ergebnisse sind auf hessischen Autobahnen schon erfahrbar – etwa die dynamischen Informationstafeln, die sich am jeweils aktuellen Verkehrsaufkommen orientieren. Oder das Baustellenmanagement, das verhindert, dass mitten in der Rush-hour Fahrspuren dichtgemacht werden.

Auch zum autonomen Fahren gab es den ersten Test: das automatisch fahrende Absperrfahrzeug, das im Juni 2018 das Personal einer Wanderbaustelle auf der A3 absicherte. Der Lastwagen fuhr damals lediglich auf dem Standstreifen. Die Erfahrungen damit fließen ein in die Weiterentwicklung des Konzepts. Nächstes Ziel: ein Lastwagen, der demselben Zweck dient, aber auch auf den regulären Fahrspuren fahren kann.

Autobahnen eigneten sich noch am besten für das autonome Fahren, sagt Riegelhuth. Die unerwarteten Ereignisse sind überschaubar. Dort gibt es keine Fußgänger und auch nicht so viele Einmündungen wie etwa auf einer Landstraße. Doch auch auf der Autobahn gibt es noch viele Unwägbarkeiten. Was, zum Beispiel, passiert mit dem Fahrzeug, wenn der Datenfluss plötzlich abreißt? Denn nur, wenn der Bordcomputer ständig mit den aktuellsten Informationen gefüttert wird, ist autonomes Fahren überhaupt sicher. Und bis dahin sei es noch ein weiter Weg, so der Präsident.

Mit der Verkehrsleitzentrale im House of Logistic and Mobility (Holm) in Frankfurt-Gateway-Gardens verfügt die Landesbehörde über einen riesigen Datensammler. Der Kontrollraum ist mit vielen Bildschirmen ausgestattet. Die dort arbeitenden Experten erfassen, analysieren und steuern das Geschehen auf rund 1000 Kilometern Autobahn, die mit Kameras und Bewegungsschleifen ausgestattet sind.

Tests gab es in der Vergangenheit auch schon mit miteinander kommunizierenden Fahrzeugen. Das vorausfahrende meldet dem folgenden, dass in zwei Kilometern mit einem Stau zu rechnen sei oder mit einer Ölspur. Allerdings sind bislang nur zwei Prozent aller Autos mit der geeigneten Technik ausgestattet.

Theoretisch könnte auch ein Navigationsanbieter solche Informationen weitergeben. Es gibt bereits Kooperationen mit Hessen-Mobil. Die Fragen: Sind die Daten sicher? Hat der Anbieter ein anderes Interesse als die Behörde? Darf ein Auto dem anderen befehlen zu bremsen? Ohne Antworten darauf bleibt das autonome Fahren Zukunftsmusik. Einzig unter Laborbedingungen lasse es sich realisieren. Und selbst wenn alle technische Probleme gelöst seien, bleibe noch der Faktor Mensch: Letztendlich, sagt Riegelhuth, liege es in der Entscheidung der Verkehrsteilnehmenden, ob sie das Lenkrad aus der Hand geben wollten oder nicht.

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