Personal

Fachfremd als Kita-Fachkraft in Hessen

  • Pitt v. Bebenburg
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Schwarz-Grün in Hessen will Trägern zu mehr Personal verhelfen. Dieser Plan ist schon einmal gescheitert - unter einer anderen Regierung.

Die schwarz-grüne Koalition will verstärkt den Einsatz von fachfremdem Personal in der Kinderbetreuung zulassen. Schon bisher durften Kitas Logopäden, Ergotherapeuten, Musikpädagogen oder Menschen aus anderen Berufen in ihre Teams holen.

Doch künftig sollen diese unter bestimmten Bedingungen als Fachkräfte gerechnet werden, solange sie nicht mehr als 15 Prozent des Fachpersonals ausmachen. Das geht aus einem Änderungsantrag hervor, den Schwarz-Grün zum Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetz vorgelegt hat.

„In der Anhörung hat sich gezeigt, dass die Träger mehr Multiprofessionalität wollen“, erklärte die Grünen-Abgeordnete Kathrin Anders, Sprecherin für frühkindliche Bildung ihrer Fraktion. Ihre CDU-Kollegin Claudia Ravensburg betonte, es gebe keine generelle Freigabe, sondern jeweils eine „Einzelfallentscheidung“, bei der die örtlichen Jugendhilfeträger zustimmen müssten.

Wer verstehen will, wie brisant das Thema ist, muss sieben Jahre zurückschauen. Damals hatte die CDU/FDP-Koalition ebenfalls einen Vorstoß unternommen, den Fachkräftekatalog zu öffnen – für bis zu 20 Prozent des Kita-Personals.

Anforderungen

Fachfremde Kräftewerden künftig wie Erzieherinnen und Erzieher gezählt, wenn sie diese Bedingungen erfüllen:
• Sie haben mindestens mittleren Bildungsabschluss und eine abgeschlossene Fachschulausbildung.
• Ihre Ausbildung hat einen Bezug zum Profil der Kita.
• Sie verfügen über Erfahrung in der Bildung und Betreuung von Kindern.
• Sie bilden sich innerhalb der ersten beiden Jahre an der Kita für mindestens 160 Stunden weiter.
• Sie stellen nicht mehr als 15 Prozent des Fachpersonals der Kita. 

Die schwarz-gelbe Regierung zog den Plan zurück, nachdem es massive Proteste und große Demonstrationen von Erzieherinnen und Erziehern gegeben hatte, die sich gegen diesen und andere Punkte des Kinderförderungsgesetzes (Kifög) richteten. „Die Zulassung von fachfremdem Personal wird zu einer weiteren Abwertung des Berufes führen“, lautete ein zentrales Argument der Gewerkschaft Verdi.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) trat persönlich auf, um den Plan zu beerdigen. „Man lernt dazu“, sagte der Regierungschef im April 2013. Sieben Jahre später haben sich nach Einschätzung der Grünen aber „die Grundlagen geändert“. Seinerzeit sei es darum gegangen, die Ausbildungskapazitäten für Erzieherinnen und Erzieher zu erhöhen, die bei 3900 Plätzen gelegen hätten. Inzwischen habe man diese Zahl auf 9000 gesteigert, aber der Fachkräftemangel sei damit allein nicht in den Griff zu bekommen.

Tatsächlich hatten Träger von Kindertageseinrichtungen in der Anhörung deutlich die Öffnung des Fachkräftekatalogs angemahnt: Kommunen, Wohlfahrtsverbände, die katholische Kirche und die privaten Träger. „Dringend“ sei dieser Wunsch, formulierte der Verband der Waldorfkindergärten.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende René Rock kann die Pläne „nicht nachvollziehen“. Zwar sei „Multiprofessionalität“ in den Kitas wichtig, urteilt er. Aber diese Kräfte müssten zusätzlich eingestellt werden, da ohnehin viel zu wenig Personal für qualitativ hochwertige Kinderbetreuung zur Verfügung stehe. Die geplanten 160 Stunden Fortbildung seien völlig unzureichend.

Auch die Linke lehnt das Vorhaben ab. Für viele Träger sei es angesichts des Fachkräftemangels schwer, ausreichend Erzieherinnen und Erzieher zu finden, räumt ihre Sozialpolitikerin Christiane Böhm ein. Sie lehne es aber ab, „dies auf Kosten der Betreuungsqualität zu lösen“.

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