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Streetart-Künstler Herr Peng nutzt für seine "Paints" vor allem Tipp-Ex und Filzstifte statt eine laute Spraydose.

Streetart in Frankfurt

Schriftbilder, Tags und Fabelwesen

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Frankfurter Graffiti- und Streetart-Künstler stellen in der Ausstellung “§303 oder Kunst?“ ihre Arbeiten aus.

Sie sind auf Hauswänden zu finden, im S-Bahn-Tunnel, an Unterführungen, auf Kanaldeckeln oder Rollläden: Knallig-bunte Schriftzüge, riesige Fabelwesen, Signaturen. Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, entdeckt an jeder Ecke etwas in der Art. Graffiti und Streetart machen den öffentlichen Raum bunter, aber nicht nur das: Graffiti können eine Ausdrucksform von Gesellschaftskritik sein. Vielen geht es darum zu zeigen, dass der öffentliche Raum allen gehört.

Einige wollen ihr Revier mit ihrer Signatur, dem englisch ausgesprochenen „Tag“ markieren. Anderen geht es um den Kick, um den Nervenkitzel, wenn sie sich an Brücken herunter hangeln oder unter großer Gefahr im S-Bahn-Tunnel sprayen. Oft entstehen die Werke unter enormem Zeitdruck, da die Protagonisten anonym bleiben wollen und auch müssen. Denn für die einen sind die Darstellungen Kunst, für die anderen Sachbeschädigung. Eine Frankfurter Ausstellung mit dem Titel “§303 oder Kunst?“ will die Genres Streetart und Graffiti näher beleuchten.

Auf die Idee, eine solche Ausstellung zu organisieren, kam René Giese. Er selbst ist kein Streetart-Künstler, verfolgt aber die Frankfurter Szene seit einiger Zeit und hat Hunderte Fotos geschossen. Als am Zaun der EZB im Ostend die EZB Gallery entstand, sprach er einige der Protagonisten an und bekam Kontakt zur Szene.

Mit der Ausstellung will Giese eine Plattform schaffen. „Ich möchte zu Diskussionen anregen und die Kunst verständlich machen.“ In Frankfurt sei man, was Streetart betrifft, noch etwas rückständig. Es gebe nur wenige Spots, wo sich Streetart-Künstler austoben könnten. In der Ausstellung, die an zwei Tagen stattfindet, werden Arbeiten von neun Frankfurter Graffiti- und Streetart-Künstlern zu sehen sein, der jüngste darunter ist 14 Jahre alt. Alle Arbeiten können gekauft werden. 15 Prozent von jedem Verkauf sollen an das Projekt „Augenlicht“ gehen, das blinde Menschen in Kambodscha unterstützt.

Einer der ausstellenden Streetart-Künstler ist Herr Peng, der seine wahre Identität geheim halten will. Er macht viele „Paints“, kleine Bilder, für die er Tipp-Ex oder Filzstifte benutzt. „Das ist unauffälliger, auf das Schütteln der Spraydosen werden Passanten meistens aufmerksam.“ Seine Werke sind geometrisch, zeigen Fabelwesen, Häuser, Bäume. „Ich will den öffentlichen Raum prägen und ein Statement gegen kapitalistische Strukturen setzen.“ Für Herrn Peng ist Streetart eine Kunstform. „Ich sehe mich als Künstler und will mich weiterentwickeln.“

Manche Streetart-Künstler haben bereits lokale Berühmtheit erlangt. Der unter dem Namen Cityghost bekannte Frankfurter sprayt seine Geister in der ganzen Stadt. Cor wurde bekannt, weil er das Bild des toten Flüchtlingsjungen auf die Hafenmauer im Ostend malte.

Die Ausstellung auf dem Tanzhaus-West-Gelände soll der Auftakt sein für weitere Streetart-Veranstaltungen. René Giese plant eine Freiluft-Schau im Sommer: „Streetart ist öffentliche Kunst, die für alle da sein soll.“

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