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Bei der "Falschparker-Woche" im Mai 2018 standen der Transporter und das Fahrzeug dahinter auf dem Radweg der Düsseldorfer Straße.

Fahrradfahren in Frankfurt

Radfahrer beklagen mangelnde Sicherheit

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Beschwerden über Gefahrenstellen und Falschparker häufen sich. Die Verkehrspolizei kommt mit ihren Kontrollen nicht hinterher.

Anfang Januar hat es Christian Schenzel schlimm erwischt. Nachts fuhr er mit seinem Fahrrad über den Stumpf eines abgebrochenen Verkehrsschildes im Hafentunnel. Der messerscharfe Stumpf schlitzte den Reifen auf, das Rad überschlug sich. Er landete auf dem Gesicht und verletzte sich schwer. „Die Fotos erspare ich euch“, teilte er auf Facebook mit. Dafür zeigte er ein Foto vom abgebrochenen Verkehrsschild und dem gefährlichen Stumpf. 

Auf Twitter wurden die Fotos von der Gefahr im Hafentunnel ebenfalls geteilt. Ein Nutzer forderte, die Polizei solle der Verkehrssicherungspflicht nachkommen und Hütchen aufstellen. Die Frankfurter Polizei antwortete, für die Verkehrssicherung sei die Stadt zuständig - genauer der Baulastträger, also das Straßenbauamt. Die Stadt teilte zwei Tage später mit, die Gefahr sei behoben. 

Wenn Bürger Schäden an Straßen und Brücken finden, können sie das dem Straßenbauamt unter 069 / 212-336 41 mitteilen. Für die Kontrolle des ruhenden Verkehrs, also fürs Falschparken, ist das Straßenverkehrsamt, Abteilung städtische Verkehrspolizei, zuständig, Telefon: 069 / 212-36 360. Bei Gefahr im Verzug sollte man stets die Notfallnummer 110 wählen. Außerdem können Bürger Schäden im Straßennetz im Internet melden, auf dem Mängelmelder, unter ffm.de. 

„Das sollte man aber nur tun, wenn es keine zeitkritische Meldung ist“, sagte Ansgar Hegerfeld aus dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Frankfurt. Erfahrungsgemäß dauere es mindestens zwei Stunden, manchmal einen Tag, bis eine Streife vorbeikomme. Als „FFMbyBicyle“ dokumentiert er auf Twitter und Youtube, welchen Gefahren die Frankfurter Fahrradfahrer ausgesetzt sind, mit kurzen Videos, die er mit einer Helmkamera aufgenommen hat. Immer wieder kommen Fahrzeuge vor, die auf Radwegen parken, und Sicherheitsabstände, die nicht eingehalten werden. 

Fülle der Verstöße

Manchmal stellt er Fahrer zur Rede. „Ich muss arbeiten“, heiße es dann. „Und ich versuche, lebendig nach Hause zu kommen“, antworte er. Der Fahrradaktivist fordert die städtische Verkehrspolizei dazu auf, zugeparkte Radwege häufiger zu kontrollieren.

„Unsere Streifen sind täglich unterwegs, in verschiedenen Gebieten“, sagte Rainer Michael, der die städtische Verkehrspolizei leitet. 80 Mitarbeiter seien es am Montag gewesen. Doch bei der Fülle an Verstößen komme die Verkehrspolizei mit Kontrollen nicht hinterher. Wenn ein Hinweis über einen Kurzeitfalschparker die Verkehrspolizei erreiche, parke das Fahrzeug eine halbe Stunde später meist nicht mehr dort. „Wenn aufgrund des Parkdrucks Verwarnungen billigend in Kauf genommen werden, ist die Wirksamkeit der Ahndungen leider sehr begrenzt“, sagte er. 

Auch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) hat mit Falschparkern zu kämpfen. Um das zu belegen, hat der Nutzer Peter Knapp auf Twitter ein Foto veröffentlicht, von einem Fahrzeug, das auf dem Schutzstreifen der Offenbacher Landstraße parkt, und dabei die Gleise der Straßenbahn blockiert. Seine Meinung: In solchen Fällen passiere seitens der öffentlichen Ordnung meist nichts. Das schätzt die VGF anders ein. Sie kann Falschparker abschleppen lassen und diese sogar für die Kosten des zwischenzeitlichen Schienenersatzverkehrs heranziehen, wie das Frankfurter Amtsgerichts im März 2018 entschieden hat. In besagten Falle stand eine Beklagte derart dreist mit ihrem Wagen auf der Offenbacher Landstraße, dass die Straßenbahn eine Stunde lang nicht vorbeikam. In dieser Zeit fuhren Ersatz-Taxis. Die Kosten beliefen sich auf 970 Euro. Die Beklagte musste die vollen Kosten übernehmen, entschied das Gericht. 

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