+
Im Städel zu sehen: Jacopo Pontormo, Venus und Amor, um 1533.

Ausstellungen 2016

Von Helden, Pionieren und einem Kunstmörder

  • schließen

Die Museen in Frankfurt und Umgebung bieten 2016 ein fulminantes Ausstellungsprogramm. Unsere Autorin Jasmin Schülke stellt einige Höhepunkte vor.

Museum Angewandte Kunst

Das MAK startet mit der Ausstellung „ZeitRaum“ ins neue Jahr. Der amerikanische Autor und Zeichner Richard McGuire bricht in seiner Graphic Novel „Here“ die Einheit von Zeit, Raum und Handlung auf. In seinem illustrierten Roman lässt er in ein Zimmer immer wieder Bruchstücke der Vergangenheit einbrechen. Die Ausstellung erweckt McGuires Zimmer als begeh- und bespielbaren Bühnenraum zum Leben. Zu sehen vom 30. Januar bis 11. September.

Was genau ist Glück? Kuratorin Grit Weber hat sich auf die Suche ins Depot begeben. Vom 17. Februar bis 10. April zeigt das MAK Artefakte, die vom Streben nach dem glücklichen Leben zeugen.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstand in Frankfurt ein einzigartiges Modernisierungs- und Gestaltungsprojekt, das als „Das Neue Frankfurt“ in die Architekturgeschichte eingegangen ist. In der Ausstellung „Alles neu!“ rückt das Museum die Typografie und Grafik in den Fokus.

Museum Angewandte Kunst, Frankfurt, Schaumainkai 17, www.museumangewandtekunst.de

Museum für Moderne Kunst

Das MMK 1, Domstraße 10, widmet dem in Algerien und Paris aufgewachsenen Künstler Kader Attia, dessen Werk auf der documenta 13 zu sehen war, eine umfassende Einzelausstellung vom 16. April bis 14. August. Attia erforscht die Auswirkungen des Kolonialismus und der westlichen kulturellen Hegemonie auf nicht-westliche Kulturen vor dem Hintergrund der Globalisierung. Für die Ausstellung entwickelt er eine neue Gruppe von Werken.

Ein weiteres großes Ereignis wirft seine Schatten voraus: das 25-jährige Jubiläum des MMK. Diesen Anlass feiert das Museum mit einer neuen Sammlungspräsentation, die auf etwa 3000 Quadratmetern Neuerwerbungen aus den vergangenen Jahren vorstellt und damit die aktuelle Entwicklung der Sammlung beleuchtet. Die Präsentation wird am 18. Juni eröffnet.

Ein düsteres Zukunftsszenario zeichnet das MMK 2, Taunustor 1. Darin sind im Jahr 2052 die Kunst und die Museen vom Verschwinden bedroht. Allerdings konnten 80 Hauptwerke aus dem Centre Pompidou Metz, der Tate Liverpool und dem MMK in Sicherheit gebracht werden. Diese werden im MMK 2 in der Ausstellung „Das imaginäre Museum“ zu sehen sein, darunter Arbeiten von Marcel Duchamp, On Kawara, Claes Oldenburg, Sigmar Polke und Andy Warhol. Das MMK 2 lädt die Besucher dazu ein, die Kunstwerke zu memorieren, denn zum Abschluss werden sie verschwunden sein. Zu sehen vom 24. März bis 4. September.

Willem de Rooij, seit 2006 Professor an der Städelschule, zählt zu den einflussreichsten Künstlern seiner Generation. Seine Arbeiten erörtern die Bedeutung von Repräsentation und Bedeutung, wobei er oft Bezug auf Werke anderer Künstler oder Artefakte nimmt. Für seine Ausstellung im MMK 2 vereinigt er drei seiner Werkgruppen und setzt sie in einen Dialog mit Werken aus der Sammlung des MMK. Die Schau wird vom 15. Oktober 2016 bis 16. April 2017 zu sehen sein.

Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, www.mmk-frankfurt.de

Schirn Kunsthalle

Joan Miró bekannte einst, die Malerei ermorden zu wollen. Ihm ging es um eine Kritik an der Kommerzialisierung der Kunst. Längst zählt er zu den großen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Die Schirn Kunsthalle zeigt in einer Einzelausstellung „Joan Miró. Wandbilder, Weltenbilder“ vom 26. Februar bis 12. Juni einen bislang wenig diskutierten Aspekt im Werk des Katalanen: Mirós Vorliebe für große Formate und seine Faszination für die Wand – ein halbes Jahrhundert Malerei.

Wir leben in radikal egozentrischen Zeiten. Ob Facebook oder Selfie – die Selbstdarstellung kennt keine Grenzen mehr. Mit diesem Thema haben sich Künstler auseinandergesetzt. Wolfgang Tillmans zum Beispiel zeigt nur sein Knie, Pawel Althamer seine Kleider. Die Künstler entziehen sich dem Blick, sie gehen Umwege und auf Distanz zum eigenen Ich. Die Schirn zeigt in ihrer Themenausstellung „Ich“ 40 Positionen, vom 11. März bis 29. Mai.

Spektakulär, groß und in Farbe: Der Comic eroberte ab 1897 sein Publikum. Die Schirn stellt die berühmte Comiczeichner in der Ausstellung „Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde“ vor. Sie zeigt Serien von ausgewählten US-Zeichnern, wie Winsor McCay, Lyonel Feininger, George Herriman, Cliff Sterett und Frank King vom 17. Juni bis 18. September.

Zwei weltbekannte Künstler mit unterschiedlicher Herkunft – die Schirn widmet den bislang weitgehend übersehenen Verbindungen im Werk von Alberto Giacometti (1901-1966) und Bruce Nauman (geb. 1941) eine umfassende Ausstellung. Zeichnungen, Fotografien, Videos, Skulpturen und Installationen des US-amerikanischen Multimediakünstlers treten mit ausgewählten Skulpturen und Gemälden des Schweizer Bildhauers in einen Dialog, der vom 28. Oktober bis 22. Januar gezeigt wird. Bei beiden Künstlern geht es um das Bild des Menschen und die conditio humana: Mit reduzierten Darstellungsmitteln wollen die Künstler die Grundfragen der Existenz ergründen.

Schirn Kunsthalle Frankfurt, Römerberg, www.schirn.de

Städel

Die herausragenden Maler des Florentiner Manierismus, Jacopo Pontormo, Agnolo Bronzino, Andrea del Sarto, Rosso Fiorentino und Giorgio Vasari, werden 2016 zum ersten Mal in Deutschland mit einer hochkarätigen Ausstellung im Städel Museum präsentiert. „Maniera“ beleuchtet das Florenz des 16. Jahrhunderts als Zentrum des europäischen Manierismus. Über 120 kostbare Leihgaben werden vom 24. Februar bis 5. Juni zu sehen sein.

Vom 2. März bis 22. Mai wird das druckgrafische Werk Sigmar Polkes gezeigt, das eine wesentliche Grundlage seines künstlerischen Schaffens ist.

Vom 30. Juni bis 23. Oktober präsentiert das Städel mit Georg Baselitz einen der prägendsten Maler und Bildhauer unserer Zeit. In der von Städel-Direktor Max Hollein kuratierten Ausstellung werden Baselitz‘ Helden und Neue Typen gezeigt, die als Schlüsselwerk der deutschen Kunst der 60er Jahre gelten. Zu sehen sind rund 70 Gemälde und Papierarbeiten, deren monumentale Figuren aggressiv und trotzig erscheinen.

Städel, Frankfurt, Schaumainkai 63, www.staedelmuseum.de

Museum Wiesbaden

Viele Museen in der Region Rhein-Main bieten ein hervorragendes Programm. Auf eine Ausstellung soll besonders verwiesen werden:

Das Museum Wiesbaden zeigt „Caravaggios Erben. Barock in Neapel“ vom 14. Oktober 2016 bis 12. Februar 2017. Ausgehend von der bahnbrechenden Malerei des Michelangelo Merisi da Caravaggio wird die allmähliche Herausbildung einer unverwechselbaren lokalen Schule thematisiert, die schließlich in eine Synthese mit der Malerei des Luca Giordano und Francesco Solimena mündet. Insgesamt werden etwa 140 Gemälde und Papierarbeiten von Leihgebern aus der ganzen Welt zu sehen sein.

Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, www.museum-wiesbaden.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare