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Tatkräftig: Betina Weiler hilft, wo sie kann.

Wiesbaden

Geschäftsfrau mit großem Herzen

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Die Geschäftsfrau Betina Weiler engagiert sich in Wiesbaden um Obdachlose. Sie sammelt Spenden und organisiert einmal im Jahr für sie ein Fest.

Betina Weiler pendelt zwischen zwei Welten. In der einen ist sie die gestandene, zielstrebige Geschäftsfrau, die in ihrer Modeboutique an Wiesbadens Prachtboulevard ihre gut situierten Kundinnen berät. In der anderen kümmert sie sich um Obdachlose, Menschen, mit denen es das Leben derzeit nicht gut meint.

Ein Schlüsselerlebnis vor zwei Jahren brachte die Wiesbadenerin dazu, sich zu engagieren. Vor einem Fischladen in der Wiesbadener Innenstadt habe sie einen Mann betteln gesehen, erzählt sie. „Es war offensichtlich, dass er sich etwas zu essen kaufen wollte, doch sein Geld reichte nicht.“ Kurzerhand ging sie zu dem Mann, fragte ihn, was er essen wolle, und lud ihn darauf zum Essen ein. „Er erzählte mir seine Geschichte, was mich sehr berührt hat.“ Für Betina Weiler war danach klar, dass sie helfen wollte.

Die Geschäftsfrau fing an zu recherchieren und stieß auf das Angebot der Teestube, eine Einrichtung des Diakonischen Werks, die sich um Obdachlose und Bedürftige kümmert. Betina Weiler bot ihre Hilfe an: Sie höre nach, wo es klemme, und fange dann an, zu organisieren. Handtücher, Leuchten für die Betten, Küchenutensilien, Kleidungsstücke: Alles hat Betina Weiler gesammelt oder selbst gekauft und dann weitergegeben. Die Dankbarkeit sei riesig.

Doch das Sammeln von Spenden reichte Betina Weiler bald nicht mehr. 2015 entschied sie, ein Fest für Obdachlose und Bedürftige auszurichten. Im Bekanntenkreis rührte sie für ihre Idee die Werbetrommel, stellte ein Fest auf die Beine, das die etwa 100 Menschen nicht vergessen sollten. Leckeres Essen, Musik, Gespräche. „Immer wieder wurde ich im vergangenen Jahr darauf angesprochen und gefragt, ob ich wieder ein solches Fest veranstalte.“ Als sie in die funkelnden Augen ihrer Gegenüber gesehen habe, habe für sie festgestanden, dass es eine Wiederholung geben würde. Das Fest soll zu einer Tradition werden.

Auch ein Friseur half mit

Vergangenes Wochenende war es so weit. Doch anders als im Vorjahr, hatte die Boutique-Inhaberin ihren Aufruf dieses Mal im Internet über Facebook und in den Tageszeitungen veröffentlicht und wurde von der Hilfsbereitschaft der Menschen fast überrannt. Immer mehr Spender brachten Lebensmittel, Socken, Hygieneartikel in die schmucke Boutique an der Wilhelmstraße. Zudem gaben die Wiesbadener Geldspenden. Betina Weiler bekam unzählige Anfragen von Menschen, die helfen wollten. Auch ein Friseur meldete sich, der am vergangenen Wochenende jedem, der wollte, kostenlos die Haare schnitt. „Das war so berührend zu sehen, wie sich die Menschen freuten.“

Besonders wichtig war es der Geschäftsfrau, dass sich auch die Helfer zu ihren Gästen an den Tisch setzten. So seien einige gute Gespräche entstanden, die Gäste seien integriert gewesen und man habe sich ihre Sorgen und Nöte angehört. Der Oberbürgermeister sei ebenfalls anwesend gewesen und habe mitbedient. Betina Weilers Augen funkeln. Denn sie hat ihr Ziel erreicht. „Mit meinem Engagement versuche ich, eine Lanze zu brechen: Wiesbaden ist nicht nur Schickimicki. Obdachlose und Bedürftige gehören mit zu unserer Stadt.“ Und um diese Menschen gelte es, sich ganz besonders zu kümmern.

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