Protest

Wut auf Politiker und Gerichte in Langen

  • schließen

Rund 300 Naturschützer protestieren am Samstag gegen die Rodung des Bannwaldes.

Friedlicher Protest, aber mit ordentlich Wut im Bauch: So beschreibt eine Teilnehmerin den Protestzug, der sich am Samstagmittag vom Langener Bahnhof zur Stadtkirche bewegt hat. Unter dem Motto „Hände weg vom Bannwald“ hatte das Aktionsbündnis Langener Bannwald zur Demonstration gegen die geplante Rodung des Forstes und den weiteren Kies- und Quarzsandabbau durch die Firma Sehring aufgerufen.

Rund 300 Menschen folgten dem Aufruf und beteiligten sich am Demonstrationszug. Unter ihnen etwa Petra Schmidt von der Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf. „Ich bin ja schon durch den Waldverlust für den Flughafenausbau für das Thema sensibilisiert“, beschreibt sie ihre Motivation für die Demonstration. Wie andere Teilnehmer aus Mörfelden-Walldorf befürchtet sie, dass durch den Kiesabbau das Grundwasser betroffen sein könnte. „Ich finde es schade, dass unsere Stadt nicht gegen den Abbau geklagt hat – nun ist es vielleicht für ein juristisches Vorgehen zu spät“, sagt sie. Aber auch einen entschiedenen Protest von politischer Seite gebe es nicht.

Ähnlich sieht es Günther Lange von den Naturfreunden Egelsbach-Erzhausen: „Wir spüren eher deutlichen Gegenwind aus den Rathäusern gegen unsere Anliegen.“ Deshalb wollen die unterschiedlichen Gruppen und Vereine den Druck auf Politik und die Sehring erhöhen. Als der Demonstrationszug in der Bahnstraße auf Höhe des Kaufhauses Braun angekommen ist, ergreift Lange das Wort und wendet sich an die Demonstranten. „Es ist unter aller Sau, was hier geschieht: Der Wald wird abgeholzt ohne Rücksicht auf Verluste und von Renaturierung ist nichts zu sehen.“ Dass die Firma Sehring schon seit Jahren Flächen entgegen der gesetzlichen Verpflichtung nicht renaturiere, ärgert ihn besonders. „Stattdessen wird Greenwashing betrieben: Da werden am Straßenrand Baum-stümpfe hingelegt und das als ‚Stubbenwall‘ für Tiere bezeichnet. Das ist pseudoökologischer Unsinn!“, sagt er.

Wie Lange fordern die Teilnehmer, dass ein Rodungsstopp verhängt werden solle, bis das Unternehmen seiner Renaturierungsverpflichtung nachkomme. Hart ins Gericht mit Politikern und Richtern geht Thorwald Ritter, Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes Offenbach: „Das Gericht verschleppt seit Jahren die Klage gegen die Rodung und die Regierungspräsidentin ist immer schnell dabei, die Wünsche von Sehring zu erfüllen.“ Gerade die grüne Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid steht in der Kritik, kaum dass ihr Name genannt wird, ertönen Buh-Rufe. „Sie taucht immer dann ab, wenn es um Renaturierung oder Akteneinsicht geht“, ruft Ritter.

Wie sehr die Regierungspräsidentin für ihre Partei als Belastung wahrgenommen wird, zeigt auch die Reaktion von Marktbesuchern am Rande der Demonstration. „Wenn die Grünen nicht mitlaufen, wären sie glaubwürdiger. Schließlich genehmigt deren Parteifreundin doch die Rodung“, sagt ein Mann. Ein anderer zeigt sich resigniert: „Das hilft doch alles nichts - dass der Wald wegkommt, ist doch leider längst beschlossene Sache.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare