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Immer mehr Flugzeuge heben von Frankfurt ab.

Flughafen Frankfurt

Experten rechnen mit mehr Fluglärm in Rhein-Main

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Verspätungsprobleme bestehen am Frankfurter Flughafen weiter. Höhere Gegenanflüge sind aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich.

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir geht nicht davon aus, dass die Verspätungen im vergangenen Jahr ein einmaliger Ausrutscher waren. Vieles deute darauf hin, dass erneut ein Chaos-Sommer drohe, sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch bei der 250. Sitzung der Frankfurter Fluglärmkommission. „Die bisher ergriffenen Maßnahmen reichen noch nicht aus. Alle sind gefordert: die Politik, die Deutsche Flugsicherung, die Fraport und die Fluggesellschaften.“

Am heutigen Donnerstag wird Al-Wazir am zweiten Luftverkehrsgipfel in Hamburg teilnehmen, der unter anderem an Lösungen für das Problem erarbeiten soll. Der Minister forderte die Luftverkehrswirtschaft auf, sich stärker zu bemühen. „Die äußerst unbefriedigende Verspätungssituation im letzten Jahr darf sich diesen Sommer nicht wiederholen“, mahnte er. „Weder im Interesse der Passagiere, der Flughafenanrainer noch im Interesse der Branche selbst.“

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Schlechte Nachrichten kamen auch von der Deutschen Flugsicherung. Sie informierte die Kommission darüber, dass die vor fünf Jahren eingeführte Praxis der Anhebung der Gegenanflüge um 1000 Fuß aus Sicherheitsgründen künftig nicht mehr weiter betrieben werden könne. Sie ist Bestandteil der sogenannten Allianz für den Lärmschutz; profitieren sollen davon vor allem Bewohner von Frankfurt, Hochtaunus und Wetterau. Die Kommission befürchtete, dass als Folge dort mit „deutlich höheren Belastungen“ zu rechnen ist. Sie beschloss deshalb, die Notwendigkeit der Absenkung vom Forum Flughafen und Region prüfen zu lassen. Auch sollen Lösungen erarbeitet werden, wie die zu erwartenden Mehrbelastungen abzuwenden oder zu kompensieren sind.

Al-Wazir nutzte die Gelegenheit, um das neue Kompetenzzentrum „Klima- und Lärmschutz im Flugverkehr“ anzukündigen, das im schwarz-grünen Koalitionsvertrag zu finden ist. Dort wolle die hessische Landesregierung innovative Konzepte zur Zukunft des Luftverkehrs entwickeln. „Hessen und die Rhein-Main-Region profitieren wirtschaftlich vom Frankfurter Flughafen, aber zugleich sind die Belastungen hier auch höher als an jedem anderen Flughafen in Deutschland“, sagte der Wirtschafts- und Verkehrsminister. „Wo, wenn nicht hier, ist daher der ideale Ort, um neue und besonders schadstoff- und lärmärmere Technik zu erforschen und zu entwickeln.“

Das bundesweit ersten Kompetenzzentrum zum Klima- und Lärmschutz an Flughäfen werde Modellprojekte fördern. Etwa Untersuchungen dazu, unter welchen Rahmenbedingungen erneuerbar hergestellte synthetische Kraftstoffe genutzt werden können. Als zweites Beispiel nannte er ein Modellvorhaben zur Intermodalität – also der Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger. Der Grünen-Politiker verfolgt ehrgeizige Pläne: „Wir wollen damit bundesweit eine Vorreiterrolle einnehmen.“

Fluglärmkommission - Auf einen Blick

Seit 53 Jahren befasst sich das Gremium mit der Reduzierung des Fluglärms. Heute sind Flugzeuge deutlich leiser als vor 50 Jahren, allerdings stieg die Zahl der Flugbewegungen von etwa 100 000 im Jahr 1961 auf mehr als eine halbe Million im Jahr 2018.

Das größte Manko, sagt der Vorsitzende Thomas Jühe, ist der fehlende gesetzliche Schutz der von Fluglärm Betroffenen. „ Wir brauchen bessere Gesetze und werden diese – ebenso wie ganz konkrete Maßnahmen an den Standorten – auch künftig mit Vehemenz abverlangen!“

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