Kirche in Hessen

Wenn es im Beutel nicht mehr klingelt

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Wenn es um's Geld geht, ist die Kirche plötzlich ganz modern: Bei der Kollekte zieht jetzt auch in Hessen das bargeldlose Spenden ein.

Je näher Weihnachten rückt, desto mehr Geld klingelt traditionell im Spendentopf. Das könnte sich bald ändern. Nicht, weil weniger gespendet würde. Sondern weil in den Kirchen das digitale Zeitalter Einzug hält - auch beim Klingelbeutel.

In Berlin ist es bereits Realität, in Hessen könnte das bargeldlose Spenden bei der Kollekte, wenn der Klingelbeutel durch die Reihen der Gottesdienstbesucher gereicht wird, spätestens im nächsten Jahr Wirklichkeit werden. „Wir wollen als Kirche den Trend zum digitalen Bezahlen nicht verschlafen“, sagt Katrin Lindow-Schröder, bei der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zuständig für das Fundraising, also das Aquirieren und Einsammeln von Spenden und Sponsorengeld.

Aus diesem Grund schaut sie interessiert Richtung Bundeshauptstadt, wo die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg einen digitalen Klingelbeutel entwickelt und zum Patent angemeldet hat. Dort kann man bei der Kollekte bargeldlos per Girocard oder Kreditkarte spenden. Die Technik funktioniert kontaktlos und ohne PIN-Eingabe, hält also den Betrieb im Gottesdienst nicht auf. Nach wie vor können Spendenwillige aber auch Münzen oder Scheine einwerfen.

„Dieses Modell kombiniert beide Welten, die analoge und die digitale“, sagt Lindow-Schröder. Wem es wichtig sei, tatsächlich etwas in den Spendenbeutel zu werfen, statt mit einer Karte darüber zu streichen, der könne dies auch weiterhin tun. „Wir würden also niemanden ausschließen.“

Getrieben wird die Entwicklung vom allgemeinen Trend hin zum digitalen und bargeldlosen Bezahlen. „Junge Leute haben ja kaum noch Bares in der Tasche, zahlen auch den Kaffee beim Bäcker oder die Packung Kaugummis an der Supermarktkasse mit Karte oder dem Handy“, sagt die professionelle Spendensammlerin. Die Ausrede, bei der Kollekte gerade kein Kleingeld griffbereit zu haben, die gelte dann ebenfalls nicht mehr.

Die Gemeinden jedenfalls stünden schon Schlange, sagt Lindow-Schröder. „Es haben schon ganz viele angerufen und gefragt, ob sie auch so einen Klingelbeutel bekommen können.“ Noch aber ist der nicht auf dem Markt und auch in Hessen will man erst noch die Berliner Probephase abwarten. Spätestens im Frühjahr aber könnte der digitale Spendensammler dann auch hierzulande durch die Reihen wandern. In Schweden, wo generell nur noch wenig Bargeld in Umlauf ist, stehen in einigen Kirchen bereits Kollektomaten, die mit Karte bedient werden können.

Ein weiterer Grund, warum die Kirchen nach neuen Möglichkeiten des Spendensammelns suchen, ist die Schwierigkeit, das eingesammelte Kleingeld wieder loszuwerden. Immer mehr Banken und Sparkassen nehmen größere Mengen an Münzen nur noch an, wenn die Einzahler dafür eine Gebühr entrichten.

In der EKHN gibt es deshalb schon länger die Möglichkeit, sogenannte Kollekten-Bons zu erwerben. Diese gibt es in vielen Gemeindebüros gegen eine Spendenquittung zu kaufen. Sie ähneln in Laminat eingeschweißten Visitenkärtchen und sind im Gegenwert von einem bis zu 20 Euro zu erhalten. Die Käufer können sie nach Gutdünken bei den Kollekten abgeben. Auch dabei muss niemand Kleingeld lockermachen und kann die Spende zudem von der Steuer absetzen. Das Evangelische Medienhaus in Frankfurt arbeitet an einem Button, den Kirchengemeinden in ihre Homepages einbauen können. Damit lasse sich dann ebenfalls bargeldlos und digital spenden.

Wenn es künftig also weniger Münzgeld in der Kirche geben sollte, wird einiges für die Beteiligten einfacher. Und es gibt aus der Sicht der Spendensammler noch einen Vorteil: digitale Spenden fallen, so Lindow-Schröder, zumeist etwas höher aus als die analogen. Wer spendet auch schon 20 Cent per Kreditkarte?

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