Die subjektive Stadt

Die Ausstellung "Twen City 2" zeigt einen anderen, einen jungen Blick auf FrankfurtHätten jugendliche Stadtplaner in Frankfurt das Sagen, sähe einiges anders aus. Die Ausstellung "Twen City 2" zeigt Stadtpläne aus der Sicht von Zwanzigjährigen.

Von BRENDAN BERG

Innenstadt, 22. Juli. Der Main ist über die Ufer getreten und hat weite Teile der Frankfurter Innenstadt überschwemmt. Der Grüneburgpark wuchert ins Uferlose und begräbt das Westend unter sich. Hochhäuser gibt es nur noch am Stadtrand. Die Frankfurter Bürger wohnen ausschließlich in Bockenheim, Bornheim oder im Nordend. Das ist die so genannte Twen City, eine Stadt, wie sie sich Frankfurter im Alter zwischen 19 und 29 wünschen.

Angeregt durch ein Projekt der Evangelischen Stadtakademie haben die Studentinnen Natascha Harra-Frischkorn und Sophia Reul 13 ihrer Altersgenossen nach Vorlieben und Vorstellungen in Bezug auf ihre Heimatstadt befragt. Die so entstandenen persönlichen Landkarten waren im Februar im Dominikanerkloster zu sehen. Jetzt geht das Projekt "Twen City" in die zweite Runde. Harra-Frischkorn und Reul haben die Aussagen der Befragten sinnlich erfahrbar gemacht. Nun sind die Installationen, die in Zusammenarbeit mit dem Künstler Michael Wagener entstanden, in der Galerie Gutleut 15 in der Gutleutstraße ausgestellt.

Fotos von Lieblingsorten und Straßengeräusche vom Band wechseln mit Textauszügen und Collagen. In der Mitte des Ausstellungsraums befindet sich ein Stadtmodell, in das die Wunschvorstellungen der Befragten eingeflossen sind. "Wir wollten, dass die Besucher die Ergebnisse der Befragung nicht nur sehen, sondern hören, riechen und schmecken können", sagt Harra-Frischkorn.

So finden sich zum Beispiel die Frankfurter Stadtteile in Form kleiner Kräutergärten wieder. Kresse steht dabei für die so genannte Alternative Szene Bockenheims, Oregano repräsentiert die italienischstämmige Bevölkerung im Gallus. "Für das Westend haben wir länger suchen müssen", sagt Reul.

"Schließlich haben wir uns für Salbei entschieden, das sieht elegant aus, hat aber einen leicht moderigen Geruch." Die Ausstellung zeige, wie subjektiv die Bewertung eines Ortes ausfallen kann, sagt Christian Kaufmann von der evangelischen Stadtakademie, der die Idee zu dem Projekt hatte. "Einem Stadtplaner mag die Hauptwache hässlich erscheinen, für einen jugendlichen Skateboardfahrer ist sie der schönste Ort in der Stadt." Am Ende seien es jedoch die Jugendlichen, die die Stadtplanung in Zukunft auszubaden hätten.

Twen City 2 im Ausstellungsraum Gutleut 15, Gutleutstraße 15, Öffnungszeiten nach telefonischer Vereinbarung unter 33 08 89 39

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