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Von der Empore der Christophoruskirche aus singt er gerne das Kyrie: Kantor Clemens Bosselmann.

Christophoruskirche Wiesbaden

Premiere in der „schönsten Rokokokirche“

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Clemens Bosselmann, seit knapp einem Jahr Kantor der Christophoruskirche Wiesbaden, begleitet erstmals das Krippenspiel. Er ist in große Fußstapfen getreten.

Dass Clemens Bosselmann sein Leben ausgerechnet der geistlichen Musik widmen würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Der 33-Jährige wurde in der DDR geboren und stammt aus einem konfessionslosen Elternhaus, wo nicht musiziert wurde. Die musikalische Ader habe er von seinem Großvater geerbt, erzählt er. Sein Glaube habe sich im Dresdner Kreuzchor gefestigt, in dem er als Kind mitsingen durfte. Der Chor hat vornehmlich geistliche Musik im Repertoire.

An Heiligabend wird Bosselmann zum ersten Mal das Krippenspiel in der barocken, evangelischen Schiersteiner Christophoruskirche betreuen, und auch die anderen Weihnachtsgottesdienste musikalisch begleiten.

Bosselmann leitet seit einem Jahr die renommierte Schiersteiner Kantorei, die zur Christophoruskirche gehört und für deren Konzerte Besucher aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet anreisen. Er tritt in große Fußstapfen. Er ist der Nachfolger von Martin Lutz, der den Schiersteiner Chor während seiner 45-jährigen Amtszeit zur Blüte brachte.

In der „wohl schönsten Rokokokirche Hessens“, wie die Gemeinde ihr im 18. Jahrhundert erbautes Kirchlein nennt, fühlt sich der Kantor, der auch Propsteikantor für Rhein-Main-West ist, wohl. „Kirche und Orgel passen zu mir, das sind keine Angeber-typen“, bekennt er. Er halte sich gerne im kleinstädtischen und überschaubaren Milieu auf. Die Psalme und das Kyrie von der Empore aus im Sonntagsgottesdienst zu singen, das liebe er.

„Ich bin sehr freundlich und offen aufgenommen worden“, sagt Bosselmann, der mit Frau und zwei Kindern von Zeits in Sachsen-Anhalt, wo er sechs Jahre als Kantor tätig war, im Januar nach Schierstein zog. Den Wechsel empfindet er als Chance.

„Das ist ein extrem fitter Chor und für die Auftritte können wir auf hoch angesehene Musiker aus den Orchestern der Region zurückgreifen“, sagt der Mann mit dem blonden Kinnbart. Und dass es viele andere gute Chöre in Wiesbaden gebe, wie den Bachchor in der Lutherkirche oder den Marktkirchenchor, spornt den 33-Jährigen an: „Das ist inspirierend.“

Bosselmann hat eine erstklassige Ausbildung genossen, in Freiburg Kirchenmusik, Chorleitung und Musiktheorie studiert. Schon als Student hatte er in der Zeit von 2009 bis 2012 den Deutsch-Französischen Chor in Freiburg geleitet, mit dem er große oratorische Werke aufführte. „Chorleitung, das ist mein Ding,“ schwärmt er.

Dabei will er seine eigenen Akzente setzen. Ihm sei eine andere Dirigierschule und eine andere Stimmtechnik wichtig. „Da hat der Chor erstmal geschluckt“, sagt er. Aber auch sehr aufmerksam mitgearbeitet. „Nach zwei Monaten Arbeit ist niemand weggegangen“, sagt er selbstbewusst. Keine Gelegenheit habe er ausgelassen, um die Sänger einzeln vorsingen zu lassen. Er möchte ihre Stimmen genau kennen, um sie für die Bachvespern besser einsetzen zu können.

Zudem ist er dabei, einen Kammerchor zu gründen, der am Karfreitag zum ersten Mal auftreten soll. Dafür braucht er die besten Sänger. „Und es gibt viel mehr als für den Kammerchor nötig sind“, sagt er – froh darüber, einem so guten Chor vorstehen zu dürfen.

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