Landtagswahl Hessen

Nicht nörgeln, sondern mitgestalten

Warum hessische Promis wie die Moderatorin Bärbel Schäfer oder Lottofee Franziska Reichenbacher wählen gehen.

Wählen gehen? „Selbstverständlich“ – so der einhellige Tenor hessischer Promis. Beim Thema Wahlmüdigkeit gehen die Meinungen schon etwas auseinander. Redebedarf besteht aufgrund des vermuteten Landtags-Einzugs von Rechtspopulisten.

Wählen gehen ist für Moderatorin und Autorin Bärbel Schäfer (54) keine Frage: „Wählen ist mein aktives Grundrecht, meine Chance, als Bürger mich in Prozesse zu involvieren. Als Demokratin, als politisch denkender Mensch in einem freien Land zur Wahl gehen zu können, das will ich  wahrnehmen.“ Für Wahlmüdigkeit hat sie kein Verständnis: „Dieser winzige Aufwand, per Briefwahl oder Urnengang sein Kreuz zu machen, ist doch wohl das Minimum, das man in einem demokratischen Land an Beteiligung und Engagement erwarten kann. Viele nörgeln über die Politik, gehen aber nicht zur Wahl – das ist erschütternd.“

Lottofee, Autorin und Theater-Regisseurin Franziska Reichenbacher (50) gibt zu bedenken: „Wer nicht wählen geht, lässt andere über sich abstimmen. Wer nicht wählt, verhilft anderen leichter zu einer Mehrheit. Bei geringer Wahlbeteiligung entscheiden am Ende weniger Bürger über das Ergebnis. Will man das?“ Reichenbacher findet, am 28. Oktober lohne es sich gleich doppelt, wählen zu gehen – wegen der Volksabstimmung. „Wir können über Ergänzungen zur hessischen Verfassung abstimmen. Unter anderem geht es um die Stärkung von Kunst, Kultur und Sport, von Kinderrechten und zur Förderung des Ehrenamts. Das finde ich sehr spannend.“ Die Wahlmüdigkeit beunruhigt Reichenbacher. „Dahinter steckt eine ablehnende Haltung der Nichtwähler. Bei den Parteien müssten die Alarmglocken schrillen. Die Politik muss daran arbeiten, diese Menschen zurückzugewinnen.“

Martin Hein (64), Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, betont: „Wählen ist die wichtigste Art, wie Bürger Politik gestalten können. Es ist für mich überhaupt keine Frage, dass ich wählen gehe – gerade als Christ, der am Wohl des Gemeinwesens interessiert ist.“ Und: „Wer nicht wählen geht, unterstützt immer die Radikalen, denn die mobilisieren ihre Leute.“

Volker Jung (58), Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sagt: „Weltweit betrachtet sind freie Wahlen alles andere als selbstverständlich. Für mich ist das Recht, zu wählen, nicht zuletzt deshalb ein ganz hohes Gut. Wahlen sind das Herz der Demokratie. Wer Demokratie leben will, muss wählen gehen. Da gibt es keine Entschuldigung.“

Moderator Holger Weinert (66) betont: „Natürlich gehe ich wählen. Jede Stimme gegen rechts zählt. Schon beim Brexit und bei Trump war Wahlabstinenz historisch folgenreich.“   (dpa)

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