Nordweststadt

Im Leib Christi

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Die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde sorgt sich zum 40. Geburtstag um ihre Zukunft. Von George Grodensky

Die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde gibt nicht auf. Statt dem Votum des Evangelischen Regionalverbands zu folgen und still ihre Kirchenpforten für alle Zeiten zu schließen, feiern die rund 1100 Protestanten ein großes Fest. Sieben Wochen lang begeht die Kirchengemeinde ihren 40. Geburtstag mit Ausstellung, Gottesdiensten, Konzerten und Vorträgen.

Den Rahmen bildet der Bilder-Zyklus des Flensburger Künstlers Uwe Appold. Zu den Ich-bin-Worten Jesu aus dem Johannes-Evangelium hat er 2004 sieben große Bilder geschaffen. Appolds Werk hat Pfarrer Ulrich Schaffert rein zufällig im Internet entdeckt. "Es passt inhaltlich zu uns und generiert Aufmerksamkeit", sagt Schaffert, der seit 14 Jahren die Bonhoeffer-Schäfchen hütet.

Die Gemeinde will sich nicht einfach mit Kunst schmücken. Der Bezug zur christlichen Botschaft war wichtig. Da liegen sie bei Appold richtig. "Mich beschäftigt das geistige Erbe Europas, des Abendlandes", sagt der 67-Jährige. Das Johannes-Evangelium habe ihn beeindruckt, weil es sehr eigen sei und aus der abendländischen Kultur nicht mehr wegzudenken.

Ein bisschen Sand für die Textur

Der Satz "Ich bin das Brot des Lebens" zum Beispiel. "Wir sitzen hier im gebauten Leib Christi", sagt Appold und deutet in die Weite des Kirchenraums. Die sieben Sätze, oder Worte, hat er in bunten Acrylfarben auf die Leinwand gebannt, eingebunden sind Zeichen und Symbole, ein bisschen Sand für die Textur. In der Mitte des großen Quadrats steckt ein kleineres, auf dem die Botschaft des jeweiligen Wortes Gestalt annimmt.

"So lange wir die Kirche noch mit Leben füllen können, sehen wir keinen Grund, uns zurückzuziehen", sagt Pfarrer Schaffert. Seine Gemeinde gehört zu jenen fünf, die Einspruch gegen die Spar-Pläne des Evangelischen Regionalverbands erhoben haben. Natürlich sei es problematisch, dass es in unmittelbarer Nähe, in Niederursel, eine weitere Evangelische Kirche gibt. Dennoch sei es wichtig, als Kirche in der Nordweststadt präsent zu bleiben.

Gerade weil die Gemeinde in gutem Kontakt mit den benachbarten Muslimen stehe. Beide Seiten müssten sich Gedanken machen: "Wie können wir unseren Glauben leben und g einen offenen Dialog führen, ohne die anderen mit einem Wahrheitsanspruch zu erschlagen?", fragt Schaffert.

Obendrein steht die Kirche unter Denkmalschutz. Trotzdem erhält die Gemeinde seit 2005 keinen Bauunterhalt mehr. Sie hat aber eine Sondervereinbarung getroffen. Die Gläubigen teilen sich das Haus mit der Koreanischen Gemeinde, von den Mieteinnahmen bildet der Kirchenvorstand Rücklagen für Reparaturen.

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